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Nachrichten 01.04.2011

Weiter Luft nach oben? – Experten bewerten die Aussichten von Solaraktien

Auch nach den starken Kurszuwächsen von Grünstromaktien sehen Experten bei einigen Anteilsscheinen noch Kurspotential. Wir stellen Einschätzungen zum Markt und zu einzelnen Unternehmen vor.

Solarprojekt von Q-Cells. / Quelle: Unternehmen


Der Atomumfall in Japan hat vor allem in Deutschland, aber auch in anderen Staaten das Vertrauen in die Kernkraft erschüttert. Selbst in China wurden die Ausbaupläne vorerst zur Überprüfung ausgesetzt.  Der Energierat des Landes hat bereits der Regierung empfohlen, sich von ihren Ausbauzielen für Atomkraftwerke für 2020 zu verabschieden. Stattdessen wird laut staatlichen Medien erworgen, die einheimische Soalrstromkapazität bis 2015 auf zehn Gigawatt (GW) zu steigern statt wie bisher anvisiert auf fünf GW.


Doch die Marktbedingungen für die Solarbranche insgesamt dürften sich zumindest kurzfristig nicht verbessern. Darauf weist etwa Karin Meibeyer von der Nord LB hin. Die Analystin weist auf die Überkapazitäten im Weltmarkt für Solarprodukte hin und die Kürzungen von Solarstromtarifen in wichtigen Solarmärkten wie Deutschland und Italien. Das setze Hersteller wie etwa die deutsche Q-Cells SE in diesem Jahr unter Preis- und Margendruck. Ansätze für eine weiterreichende Verbesserung der Marktbedingungen könne sie „derzeit nicht erkennen“. Die Expertin der Nord LB sieht Q-Cells in einem starken Wettbewerb insbesondere mit Asiatischer Konkurrenz. Daher sei für das laufende Geschäftsjahr ein operativer Verlust nicht ausgeschlossen. Meibeyer rät, die Aktie des Solarkonzerns aus Thalheim zu verkaufen und verabschiedet sich damit von ihrer Bisherigen „Halten“-Empfehlung. Das Kursziel senkt sie von 3,1 auf 2,8 Euro. In Frankfurt notiert der Anteilsschein heute früh um 9 Uhr bei 3,1 Euro und damit 49 Prozent unter dem Vorjahreskurs.


Auch Sven Diermeier, Analyst der WGZ Bank, senkt den Daumen für Q-Cells. Er sieht bei dem Unternehmen nur eine geringe Gewinndynamik und reduziert seine Einschätzung ebenfalls von Halten auf Verkaufen. Das Kursziel senkt er von 3,5 auf 3,0 Euro. Seine Prognose für den Gewinn je Aktie in 2011 kappt er von 21 auf 16 Eurocent, für 2012 von 18 auf 16 Eurocent.


Dagegen rät Julien Desmaretz von Bryan, Garnier & Co. aus London zum Kauf der Aktie von Q-Cells und setzt 5 Euro als Kursziel für die kommenden zwölf Monate. Das Papier sei derzeit sehr attraktiv bewertet. Er verweist darauf, dass es dem Solarkonzern in 2010 gelungen ist, sich sowohl bei den Produkten als auch bei den Finanzen wieder auf solide aufzustellen. Das Unternehmen werde weiter seinen Fokus auf die margenstarken Geschäftsfelder kristalline Module und Projektierung setzen sowie seine Internationalisierung weiter ausbauen, von 42 auf über 50 Prozent. Die Solartarifkürzungen in Italien werden nach Einschätzung von Desmaretz weniger stark ausfallen als zunächst befürchtet (per Mausklick gelangen sie zu unseremOpens external link in new windowBerichtüber die aktuelle Entwicklung in Italien). Das werde sich positiv auf den Aktienkurs von Q-Cells auswirken. Der Konzern könne dann seine sehr vorsichtige Prognose für das Gesamtjahr vermutlich anheben (ein weitererOpens external link in new windowMausklickführt Sie zu unserem Bericht über den Ausblick des Vorstandes von Q-Cells). Für 2011 und 2012 prognostiziert der Analyst einen Gewinn je Aktie von 52 bzw. 53 Eurocent.


Nach Einschätzung von Martin Simonek, Analyst bei Bloomberg New Energy Finance, ist vor allem im zweiten Quartal mit einer starken Nachfrage für Solarprodukte zu rechnen. Daher werde es im ersten Halbjahr 2011 bei Solarmodulen kaum zu weiteren Preissenkungen kommen. Simonek geht davon aus, dass die zur Jahresmitte angestrebten Kürzungen von Solartarifen in Deutschland und Italien, den größten Absatzmärkten weltweit, in den Monaten davor die Nachfrage enorm beflügeln werden.


Die Preise für Silizium, den wichtigsten Rohstoff für die Produktion kristalliner Module und damit für den Großteil der Solarmodulproduktion weltweit, sind dagegen im März auf den höchsten Wert seit Jahren angestiegen. Ein Grund dafür ist der zumindest vorübergehende Ausfall der Siliziumproduktion in Japan. Im Spothandel wurden laut Bloomberg New Energy Finance für Solarsilizium zuletzt fast 90 Dollar pro Kilo gezahlt. Das setzt die Produzenten von Solarwafern und -zellen unter Druck, die in der Wertschöpfungskette zwischen den Zulieferern von Silizium und Herstellern von Solarmodulen liegen.Es verbessert aber die Geschäftsaussichten der Wacker Chemie AG aus München. Sie erzielte 2010 bereits ein Drittel des Umsatzes im Geschäft mit Silizium. Die Aktie des Unternehmens hat sich seit dem Erdbeben in Japan, das den Atomunfall auslöste, zweistellig auf 164,8 Euro zugelegt. Auf Jahressicht bedeutet das einen Zuwachs um fast 50 Prozent. Jens Hasselmeier, Analyst der WGZ Bank, rechnet mit weiteren Kurszuwächsen. Er hebt sein Kursziel von 172 auf 175 Euro an. Allerdings reduziert er seine Einschätzung von Kaufen auf Halten. Angesichts des jüngsten Wertzuwachses sieht er nur noch „moderates Aufwärtspotential“.

Bildhinweis: Silizium ist der Rohstoff für die Produktion von Solarzellen. / Quelle: Wacker Chemie


Die US-amerikanischen Marktforscher von Solarbuzz rechnen für das Gesamtjahr nur mit einem vergleichsweise schwachen Wachstum des weltweiten Photovoltaikmarktes. So werde die Nachfrage für Solarmodule wohl nur um etwa zwölf Prozent wachsen, trotz eines voraussichtlich sehr starken zweiten Quartals. Auf lange Sicht werde das Wachstum nicht mehr so stark von europäischen Märkten getragen und eine steigende Nachfrage vor allem aus den USA und aus Schwellenländern wie Indien und China kommen.


Der hessische Wechselrichterhersteller SMA Technology rechnet für 2011 mit einem stagnierenden Solarmarkt. Dennoch hat der Ausrüster für Solaranlagen die Prognose für das Gesamtjahr von 1,5 bis 1,9 Milliarden Euro Umsatz bei einer leicht rückläufigen EBIT-Marge von 21 bis 25 Prozent in dieser Woche bestätigt. Nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Ben Lynch stellt es für das Unternehmen eine Herausforderung dar, diese Prognose zu erfüllen. Er stuft seine Einschätzung von Kaufen auf Erweitern ab. Das Kursziel erhöht er aufgrund der starken Zuwächse im März von 90 auf 95 Euro. In Frankfurt notiert die SMA-Aktie bei 87,8 Euro und damit leicht unter dem Vorjahreswert. Lynch geht davon aus, dass der Wechselrichterhersteller seine dominante Stellung im Weltmarkt von rund 40 Prozent Marktanteil halten kann, in 2011 aber aufgrund eines sich verschärfenden Wettbewerbs und im zweiten Halbjahr abschwächenden Solarmarktes Die Prognose nur knapp erfüllen kann. Aber weiter werde die Gewinnmarge oberhalb von 20 Prozent liegen und das Unternehmen den Aktionären eine Dividende ausschütten können.


Q-Cells SE: ISIN DE0005558662 /WKN 555866
SMA Solar Technology AG: ISIN DE000A0DJ6J9 / WKN A0DJ6J
Wacker Chemie AG: ISIN DE000WCH8881 / WKN WCH888

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