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Erneuerbare Energie 31.03.2014

Weltklima-Report: Menschheit droht schwere Ernährungskrise

Laut dem IPCC werden Dürren zunehmen und viele derzeit landwirtschaftlich nutzbare Flächen verloren gehen, wenn der Klimawandel nicht entschieden bekämpft wird. / Quelle: Fotolia

Die Menschheit treibt den Klimawandel weiter voran und steuert global auf einen ein Temperaturanstieg um 4 Grad Celsius gegenüber vorindustriellem Niveau zu. Das stellt der heute im japanischen Yokohama veröffentlichte zweite Teil des aktuellen "Sachstandsberichts" des Weltklimarates der Vereinten Nationen fest. Die Folgen der Erderwärmung sind den forschern zufolge aber nur beherrschbar, wenn der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf 2 Grad Celsius gegenüber vorindustriellem Niveau begrenzt wird.

Von seiner Gründung in 1988 bis 2007 hatte der Weltklimarat, das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), vier Sachstandsberichte veröffentlicht. Von dem fünften Report war der erste Teil im Herbst 2013 in Stockholm vorgelegt worden und hatte den aktuellen Stand der Erforschung des Klimawandels dargestellt. Demnach ist der Ausstoß von Treibhausgasen noch höher als angenommen. Damit schmelzen die Eisflächen der Erde weiter, steigt der Meeresspiegel weiter und die Ozeane versauern (mehr dazu erfahren Sie hier).


Der zweite von insgesamt drei Teilen des Weltklimaberichts zeigt nun auf, welche tiefgreifenden Folgen der fortschreitende Klimawandels für die Menschen und die Natur hat. Hunderte Forscher haben sich an dem Bericht beteiligt. In den letzten Tagen vor der Veröffentlichung war der Wortlaut der Zusammenfassung mit den wesentlichen Kernaussagen noch mit Regierungsvertretern aus aller Welt abgestimmt worden. Daher bleiben viele Formulierungen darin recht vage, zugleich haben damit aber auch alle 195 Mitgliedsländer des IPCC anerkannt, was der Report feststellt.


Dramatische Auswirkungen auf die Ernährungdrohen

Einer der Schwerpunkte im neuen Klimareport ist die Lage der Meere. Der Klimawandel „verändert die Lebensbedingungen in den Ozeanen schneller als während vergleichbarer Ereignisse in den zurückliegenden 65 Millionen Jahren“, sagt Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven und einer der koordinierenden Leitautoren des zweiten Teils des Weltklimaberichts. Das werde sich auch gravierend auf die Ernährung von Menschen auswirken. Laut dem neuen  IPCC-Report nehmen die Ozeane täglich etwa zwanzig Millionen Tonnen das Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) auf. Im Wasser wandle sich das Gas zu Säure und hindere dann Meeresorganismen wie Korallen oder Austern daran, ihre Schalen aufzubauen. Das wiederum beeinträchtige Lebensräume und Nahrungsketten. Zudem sind sich die Klimaforscher sicherer geworden bei der Annahme , dass der Meeresspiegel anschwellen wird und es vermehrt zu Überflutungen sowie zu Küstenerosionen kommt.

Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe, Meteorologe und Forschungsbereichsleiter ‚Klimawirkung und Vulnerabilität‘ am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung führt an: „Extreme wie Hitzewellen oder Überschwemmungen nehmen zu, wenn weiter soviel Treibhausgase aus der Verbrennung von Kohle und Öl in die Atmosphäre geblasen werden. Wir verändern damit die Energiebilanz unseres Planeten - und stören Windströmungen und Niederschlagsmuster. Das Ergebnis sind Wetter-Extreme: Diese haben sich in den vergangenen drei Jahrzehnten bereits verdoppelt, und der Trend weist weiter nach oben. Sie treffen uns in Europa und den USA schmerzhaft, besonders hart aber die Menschen in den armen Ländern der Welt.“

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Nahrungsversorgung seien „schlimmer als zuvor geschätzt“, erklärt Tim Gore von der Hilfsorganisation Oxfam. Erstmals habe der Klimarat zudem anerkannt, dass eine Zunahme der extremen Wetterlagen auch die Preise für Nahrungsmittel nach oben treibe. „Ohne schnelle Taten bei der Anpassung und der Emissionsreduzierung könnte das Ziel, dass jeder genug zu essen hat, für immer verfehlt werden“, warnt Gore.
Dazu Hermann Lotze-Campen, Agrar-Ökonom und Forschungsbereichsleiter ‚Klimawirkung und Vulnerabilität‘ am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: „Wird der Klimawandel nicht gebremst, hat das Folgen dafür, was wir weltweit auf dem Teller haben - und was wir dafür bezahlen. Der Bericht zeigt klar: Ernten werden ohne Anpassung unter globaler Erwärmung öfter schlechter als besser, und das kann auf dem Weltmarkt die Preise für Nahrungsmittel hochtreiben.“


Der neue Weltklimabericht geht davon aus, dass in vielen Regionen ein Rückgang der Erträge von Weizen, Reis, Soja und Mais um bis zu ein Fünftel im Laufe des Jahrhunderts droht. Neben Überschwemmungen und Wetterextremen werden zugleich vielerorts Dürren zunehmen. Zudem verschwinden bei einer fortschreitenden Erderwärmung viele Gletscher, die eine zentrale Bedeutung für die Versorgung großer Regionen mit Trinkwasser haben etwa in Asien und in Lateinamerika. Düster sieht es auch in einigen Industrieregionen aus, etwa an der Westküste der USA. In Kalifornien, dem Fruchtgarten der USA, werden 30 bis 50 Prozent aller landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Vereinigten Staaten produziert. Doch schon heute ist dieser Bundesstaat durch ständige Trockenheit geplagt und wird es immer schwieriger, ihn mit ausreichenden Mengen an Wasser zu versorgen. Das stellt etwa RobecoSAM aus Zürich in einer aktuellen Analyse fest.


Erneut Forderungen nach einem„ambitionierten und raschen Klimaschutz

Im neuesten Bericht des IPCC sehen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka weitere Belege „für die Dringlichkeit der Bekämpfung des Klimawandels als zentrale gesellschaftliche Herausforderung“. Sie kündigten in einer Erklärung an, sich für „ambitionierten und raschen Klimaschutz“ einzusetzen, um den weltweiten Temperaturanstieg zu bremsen. „Klimawandel ist eine langfristige Herausforderung, aber er erfordert dringendes Handeln“, mahnte Achim Steiner, der deutsche Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms Unep.


Hubert Weiger ist Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und sieht neben der Bundesregierung auch die EU in der Pflicht. Erst kürzlich hatten die Staatschefs der EU eine Entscheidung über neue Ziele der Union vor Klimaschutz und den Ausbau der Erneuerbaren Energien verschoben (wir berichteten).Sie müssten endlich weitergehende Ziele zur Reduzierung der Treibhausgase vereinbaren, fordert Weiger. Das würde auch andere Staaten motivieren, ihre Anstrengungen beim Klimaschutz zu erhöhen. „Die CO2-Minderungsziele sämtlicher Staaten der EU und weltweit müssen sich an den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Klimaforscher und nicht länger an der sogenannten Realpolitik ausrichten“, stellt der BUND-Vorsitzende klar. Erforderlich sei eine Verringerung der CO2-Emissionen in der EU um 60 Prozent bis 2030. Nur dann würden die europäischen Staaten einen angemessenen Beitrag leisten, damit es beim Weltklimagipfel 2015 in Paris zum Abschluss eines neuen globalen Klimaschutzabkommen kommen könne. „Von der erfolgreichen Fortführung der Energiewende bei uns hängt der globale Klimaschutz direkt ab. Je schneller Deutschland und möglichst viele andere Staaten den Ausstieg aus fossilen Energieträgern schaffen, desto besser für das Klima. Bremst die Bundesregierung die Energiewende aus, werden Klimakatastrophen wahrscheinlicher“, sagt Weiger.

Bildhinweis: Auch in der EU dominiert noch immer die Energieproduktion durch Verbrennung von fossilen Brennstoffen. / Quelle: Fotolia


Der dritte und abschließende Teil drei des neuen Klimareports behandelt Möglichkeiten und Wege, die Erderwärmung zu bremsen, und soll am 13. April in Berlin vorgestellt werden.

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