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Nachhaltigkeitsfonds & Zertifikate 24.08.2010

„Weltweit werden Milliarden-Investitionen in erneuerbare Energien fließen“ – Interview mit Michael Schneider, DekaBank.

Der Deka UmweltInvest CF ist ein Themenfonds, der weltweit in Umweltaktieninvestiert. ECOreporter.de sprach mit Fondsmanager Michael Schneider über seine Anlagestrategie, die Unterschiede zu Nachhaltigkeitsfonds und das Zukunftspotenzial innerhalb seines Anlageuniversums.

Michael Schneider ist 51 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Kinder. Der studierte Betriebswirt ist Senior Fondsmanager der DekaBank in Frankfurt am Main.



ECOreporter.de: Was unterscheidet den Deka UmweltInvest CF konzeptionell und inhaltlich von einem Nachhaltigkeitsfonds?

Michael Schneider:Deka-UmweltInvest ist ein Themenfonds, der in neue Technologien aus dem Umweltsektor investiert. Bei Investments im Bereich Umwelt sehen wir vor allem drei Wachstumsthemen: Wasser, alternative Energien und Umweltschutz. Wir erwarten, dass Unternehmen, die attraktive Problemlösungen und Produkte in diesen Themenfeldern anbieten, in den nächsten Jahren überproportionales Wachstum aufweisen werden.


ECOreporter.de: Worauf konkret fußen Ihre Erwartungen für die einzelnen Themenbereiche?

Schneider:Trinkwasser ist ein knappes Gut. Hier erwarten wir in den nächsten Jahren massive Investitionen. Deshalb investieren wir mit Deka-UmweltInvest in die gesamte Bandbreite möglicher Unternehmen: in Wasserversorger, in Unternehmen, die Wasserinfrastruktur bereitstellen und Wasser aufbereiten, bis hin zu Konzernen, die sich mit dem sparsamen Einsatz von Wasser – also Wassereffizienz beschäftigen.
Den Bereich erneuerbare, beziehungsweise alternative Energien sehen wir wie folgt: Energie aus fossilen Ressourcen ist ein knappes Gut, dessen Nachfrage - und damit auch Preis - steigt. Alternative Energien gewinnen aber nicht allein deshalb an Bedeutung. Auch Fragen der Energiesicherheit, der Unabhängigkeit von endlichen Ressourcen und der, im Zuge des Klimawandels notwendigen, C02 – Reduktion, verschaffen erneuerbaren Energien Auftrieb.
Umweltschutz definieren wir breit: er reicht von Maßnahmen zur Effizienzsteigerung bis hin zur Erhöhung der Lebensqualität. Deshalb investieren wir in Unternehmen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, beispielsweise aus den Bereichen Analyse- und Beratungsdienstleistungen, Isoliermaterialhersteller, Lichttechnik (LED), Motoreffizienz, Abgasreinigung, Batterietechnologie, intelligente Stromnetze und öffentlicher Personentransport.


ECOreporter.de: Welche Anlagestrategie verfolgt der Deka-UmweltInvest CF und welchen Erfolg versprechen Sie sich davon?

Schneider: Das Fondsmanagement filtert weltweit die Einzeltitel mit den höchsten Wachstumsaussichten und Wertsteigerungspotential aus dem Anlageuniversum heraus und nimmt diese in das Portfolio auf. Dabei fokussiert das Fondsmanagement überwiegend auf Investitionen in kleine und mittelständische Unternehmen mit überschaubarem Geschäftsmodell.
Ziel ist es, eine nachhaltige und überdurchschnittliche Wertentwicklung des Fonds zu erreichen. Davon gehen wir mittelfristig aus, wenn die Turbulenzen an den weltweiten Märkten sich gelegt haben und Umwelt und Umweltschutz wieder in den Vordergrund – auch an den Finanzmärkten – rücken.


ECOreporter.de: Warum verzichten Sie bei einem Themenfonds in diesem Bereich auf einen direkten Nachhaltigkeitsansatz?

Schneider:  Der Fokus liegt bei diesem Fonds auf der Partizipation an technologischen Entwicklungen. Für Anleger, die Investitionsmöglichkeiten suchen, die neben dem Umweltaspekt zusätzliche Nachhaltigkeitskriterien beinhalten, bietet die DekaBank mit Deka-Stiftungen Balance ein entsprechendes Fondsprodukt an.


ECOreporter.de: Kann es dennoch Gründe geben, die zum Ausschluss eines Titels oder zum Verkauf aus dem Portfolio führen, die nicht in erster Linie finanzieller Natur sind?

Schneider:Natürlich gibt es neben finanziellen Ausschlusskriterien auch nicht-finanzielle Ausschlusskriterien für Werte aus dem Portfolio. Deshalb prüft das Fondsmanagement und das Research die Einzelwerte auch in Bezug auf Corporate Governance Kriterien, Verstöße gegen Gesetze, zweifelhafte Praktiken an Kapitalmärkten oder im Geschäftsgebaren gegenüber Kunden und Beschäftigten sowie auf Änderung oder Hinfälligkeit des Geschäftsmodells. Darüber hinaus werden Unternehmen, die als offensichtliche Umweltverschmutzer agieren, nicht in das Portfolio aufgenommen – oder bei Bekanntwerden aus dem Anlageuniversum entfernt.


ECOreporter.de: Wie viel Anlagevermögen verwaltet der Deka-UmweltInvest CF aktuell?

Schneider: Es gibt zwei Tranchen. In der Tranche Deka-UmweltInvest CF werden aktuell  134 Millionen  Euro verwaltet, im Deka-UmweltInvest TF sind es  77 Millionen Euro (Stand 30.6. 2010).


ECOreporter.de: Wie haben sich die Krisenwellen der vergangenen Jahre auf die Wertentwicklung desFonds ausgewirkt?

Schneider:Der Deka-UmweltInvest wurde Ende 2006 aufgelegt. 2007 überzeugte der Fonds mit einer positiven Performance. 2008 wirkten sich vor allem externe Effekte, wie etwa die Finanzkrise, negativ auf die Performance aus. So gingen mit den Turbulenzen an den weltweiten Finanzmärkten auch massive Einbrüche im Finanzierungsbereich von Umweltprojekten einher. Zahlreiche Umwelt- und Effizienzprojekte wurden aufgeschoben. Hinzu kam der Preisverfall bei fossilen Energieträgern und bei C02-Zertifikaten. An den Aktienmärkten kam es zu einem Wegfall von Liquidität und gerade einem verstärkten Einbruch der Aktienkurse bei spezialisierten Unternehmen. Hiervon haben sich die Aktienmärkte zwar noch nicht erholt, die Performance von Deka-UmweltInvest konnte aber bereits 2009 wieder erheblich gesteigert werden.


ECOreporter.de: Setzt der Fonds auch regionale oder innerhalb seiner drei Umwelt-Themenfelder branchenspezifische Schwerpunkte?

Schneider:Deka-UmweltInvest ist nicht auf regionale Schwerpunkte festgelegt. Das Fondsmanagement steuert aktiv die Investitionen weltweit, wobei sich je nach aktueller Marktlage regionale Schwerpunkte im Portfolio bilden können. So setzt der Deka-UmweltInvest derzeit einen regionalen Schwerpunkt auf Europa: Das aktuelle Portfolio ist zu 55 Prozent in europäische Werte investiert. Dahinter folgen, mit 27 Prozent, Titel aus den USA und mit rund 18 Prozent asiatische Werte.
Branchenspezifische Schwerpunkte neben den drei Umwelt-Megatrends Wasser, Energie und Umweltschutz existieren nicht. Das bietet den Vorteil einer Einzeltitelauswahl in der Breite und hilft, Investitionsrisiken zu reduzieren.


ECOreporter.de: Was unterscheidet den Fonds von anderen vergleichbaren Umweltfonds?

Schneider:Deka-UmweltInvest investiert in drei Wachstumsthemen aus dem Bereich Umwelt. Die weit gewählte Definition von Umwelt macht eine aktive Selektion der aussichtsreichsten Einzeltitel aus einem breiten Anlageuniversum möglich. Das ermöglicht dem Fondsmanagement, die Investmentstrategie aktiv an die jeweiligen Entwicklungen der drei Sektoren anzupassen. Wir investieren derzeit beispielsweise weniger in erneuerbare Energien, dafür aber verstärkt in die relativ sicher wachsenden Warenprüfer- und Laborausstatterbranchen.


ECOreporter.de: Für welchen Typ Anleger ist der Fonds ausgelegt - eher institutionelle oder private Anleger?

Schneider:Deka-UmweltInvest richtet sich an Privatanleger mit hoher Risikobereitschaft, die mittel- bis langfristig an den Kurschancen internationaler Unternehmen partizipieren wollen, die von dem zu erwartenden Investitionsboom in den Sektoren alternative Energien und Umwelt profitieren.


ECOreporter.de: Welche Gebühren werden verlangt?

Schneider:  Bei Zeichnung wird ein Ausgabeaufschlag in Höhe von 3,75 Prozent fällig. Hinzu kommen eine jährliche Verwaltungsgebühr in Höhe von 1,5 Prozent sowie eine Depotgebühr von 0,1 pro Jahr Prozent und eine Erfolgsbezogene Vergütung zu 0,1 Prozent.


ECOreporter.de: Welche Firmen sind am stärksten im Portfolio vertreten?

Schneider:Die Top Werte zum 30.6.2010 waren der Solar-Siliziumproduzent Wacker Chemie AG (2,9 Prozent). Der Wechselrichter-Hersteller SMA Technology AG (2,8 Prozent), Cree Inc. (Halbleiter-Industrie/2,6 Prozent) Interek Group PLC, (Warenprüfer / 2,6 Prozent) Waters Corporation (Lösungen Arbeitsorganisation von Laborbetrieben, 2,5 Prozent), Mettler Toledo intl Inc.(Laborausstatter für Pharmazie und Chemie / 2,5 Prozent) Quanta Services ( Bau und Reparatur von  Stromnetzen und Leitungssystemen / 2,4 Prozent) und der Technologiekonzern Roper Industries Inc.(2,3 Prozent).


Wechselruchter der SMA Technology. / Quelle: Unternehmen

ECOreporter.de: Was macht den Sektor Umwelttechnologie aktuell aus Anlegersicht attraktiv? Wo sehen Sie  die größten Marktpotenziale?

Schneider:Die größte Globalisierungswelle der Weltwirtschaft hat gerade begonnen. Im Zuge dieser Entwicklung sehen wir weltweit einen erhöhten Bedarf an erneuerbaren Energien. Gleichzeitig muss in den Entwicklungs- und Schwellenländern eine wachsende Bevölkerung mit Trinkwasser versorgt werden. Und weltweit führen die spürbaren Folgen des Klimawandels zu einer verstärkten Nachfrage nach Umwelttechnologien. Wir erwarten daher Investitionen in Milliardenhöhe in diese Zukunftsbranchen. Deka-UmweltInvest bietet Anlegern die Möglichkeit an den Entwicklungen der Unternehmen zu partizipieren, die von den Umwelt-Mega-Trends profitieren.


ECOreporter.de: Bei welchen Investments in dem Sektor ist eher Vorsicht geboten und welche generellen Risiken birgt das Segment Umweltaktien?

Schneider:Generell gilt: Bei Investments ist immer Vorsicht geboten – auch im Umweltbereich. Je weiter weg vom europäischen Heimatmarkt, je spezialisierter und je kleiner von der Marktkapitalisierung die Unternehmen sind, desto größer die Investitionsrisiken. Auch entscheidend für die Risikobewertung ist die Unternehmensgröße. Gerade im Umweltbereich existiert eine Vielzahl von jungen Unternehmen, die über vielversprechende Lösungen und große Pläne verfügen – etwa in den Bereichen Biotreibstoffe der zweiten Generation,  Supraleiter und Energieübertragung und der Entwicklung innovativer Lösungen für Recycling oder Brennstoffzellentechnologie. Allerdings sind gerade diese jungen Unternehmen oft kapitalschwach oder die Lösungen sind noch vom Massenmarkt oder der breiten wirtschaftlichen Anwendung entfernt.


ECOreporter.de: Inwiefern bergen das Preisgefüge und staatliche Marktanreizprogramme im Umweltsektor Risiken für Anleger?

Schneider:Die Energie- und Rohstoffpreise sind ebenso volatil wie die Preise für CO2-Zertifikate. Je niedriger die Preise in diesen Bereichen sind, desto unattraktiver werden Umwelt-Investments aus wirtschaftlicher Sicht. Auch können sich ändernde Gesetze, Regulierungen, Vorgaben und Subventionen ein Investment obsolet werden lassen. Deshalb sind eine kontinuierliche Beobachtung dieser Veränderungen und ein entsprechend aktives Management  durch das Fondsmanagement essentiell, um solche Investitionsrisiken zu minimieren.
Auch ständige Marktveränderungen und -verlagerungen wie etwa der Verdrängungswettbewerb, den wir in der Solarbranche mit dem Aufbau von Markführern in China und einem massiven Einbruch bei den ehemals deutschen Marktführern beobachten konnten, macht ein aktives Risikomanagement notwendig.
Schließlich gilt es bei Investments im Umweltbereich auch zu berücksichtigen, dass die Finanzierungsbereitschaft für große Umweltprojekte – etwa bei Windfarmen – zeitweise wegfallen kann.


ECOreporter.de: Wie lautet ihr Risikominimierungsrezept, um all dem entgegenzuwirken?

Schneider:Um diesen Risiken entgegen zu wirken, haben wir ein Anlagekonzept entwickelt, das über seine breite Streuung insgesamt drei Umweltthemen in einem Fonds bündelt. Zusätzlich wird der Fonds breit auf Subsegmente aufgeteilt und ist in rund 80 Titel investiert, wobei kein Einzeltitel in der Regel mit mehr als 3 Prozent im Portfolio vertreten ist.


ECOreporter.de: Wie wird sich der Markt künftig entwickeln und was/wer wird ihn dabei maßgeblich beeinflussen?

Schneider: Aktuell wird der Markt für Umweltprodukte und  -lösungen von der Finanzkrise überlagert. Das Thema Umwelt sollte wieder im nächsten Jahr in den Vordergrund rücken. Klimawandel, Umweltkatastrophen und die mit der dynamischen Wirtschaftsentwicklung verbundene Umweltbelastung sowie Ressourcenknappheit lassen sich nur über entschiedenes Handeln lösen. Große Einflussfaktoren sollten dabei Entscheidungen über umweltpolitische Förderungen in den USA und China darstellen. Wir erwarten, dass sich hier die größten Märkte für Umweltprodukte und -lösungen entwickeln werden. Daneben wird entscheidend sein, die Kosten für Umweltprodukte und Lösungen abzusenken, und den Markt über wirtschaftliche – von Subventionen losgelöste Attraktivität – nach vorne zu bringen.


ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Deka-UmweltInvest CF: ISIN DE000DK0ECS2    WKN DK0ECS

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