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Nachhaltigkeitsfonds & Zertifikate 05.10.2016

Wie Anleger in Armutsbekämpfung investieren können

Mit einem Mikrokredit konnte diese Familie aus Sri Lanka ein Fuhrunternehmen gründen. Mikrofinanz-Institute (MFI) vergeben Mikrokredite an Menschen, die kaum Sicherheiten bieten können. Das Kapital dafür können Anleger unter anderem über Mikrofinanzfonds bereitstellen. / Foto: Bank im Bistum (BiB) Essen

Ein Mikrokredit ist für viele Menschen eine oft einmalige Chance, sich aus der Armut zu befreien. Anleger können in die Finanzierung von Mikrokrediten investieren, etwa über Mikrofinanzfonds. Doch es gibt auch Alternativen zu solchen Fonds.

Für die Armut in vielen Teilen der Welt gibt es eine Menge Gründe. Ein wesentlicher Faktor ist, dass vielerorts keinen Zugang zu Kapital haben. Kapital, um es in ein kleines Unternehmen zu investieren. Schon mit wenig Geld könnte eine Schneiderin eine Nähmaschine und Stoffe erwerben und sich selbständig machen, könnte ein Handwerker Werkzeug und Materialien einkaufen, um eine Werkstatt zu eröffnen. Aber jenseits der Städte gibt es in Schwellen- und Entwicklungsländern meist weit und breit keine Banken, bei denen sie Kredite beantragen könnten.

Doch selbst wenn es eine Transportmöglichkeit in die nächste Stadt gäbe: Keine Bank würde einem solchen Menschen einen Kredit gewähren, der keine Sicherheiten bieten kann, der ja nicht einmal über die wenige Hundert Euro verfügt, um ein kleines Gewerbe zu eröffnen. Das ist auch das Dilemma vieler Stadteinwohner, die keine Aussicht auf einen Mikrokredit haben. Hinzu kommt, dass sich für herkömmliche Banken das Geschäft mit derartig geringen Darlehen nicht lohnt. Die Folge ist, dass in solchen armen Ländern viele Menschen zwar eine Geschäftsidee haben, um sich eine Existenz aufzubauen, aber niemand ihnen das Kapital zur Verfügung stellt, um eine solche Idee umzusetzen.

Mikrofinanz-Institute (MFI) können helfen, dieses Dilemma zu überwinden. Denn sie vergeben Kleinstdarlehen an Menschen, die nicht die üblichen Sicherheiten bieten können. Und sie scheuen auch nicht den Aufwand, den dieses besondere Kreditgeschäft bedeutet. Kreditsachbearbeiter können es nur eingeschränkt aus der Filiale betreiben, müssen die Zinsen und Rückzahlungen oft persönlich bei Kunden abholen, die Kleinstunternehmer zudem umfassend beraten. Hinzu kommen Rückstellungen für potenzielle Kreditverluste und für Refinanzierungskosten. Das ist auch ein Grund dafür, warum der Zinssatz für einen Mikrokredit weit höher liegt als bei der Kreditvergabe in Industrienationen. Hinzu kommen weitere Aspekte, etwa die meist sehr hohe Inflation. In der Regel ist es auch so, dass ein MFI-Kunde zunächst einen kleinen Mikrokredit erhält. Gelingt es ihm, das Darlehen nach der meist nur wenige Monate währenden Laufzeit wie vereinbart zurückzuzahlen, hat er gute Chancen auf einen weiteren, nun höheren Kredit. Und so weiter. So ist die Gefahr, dass zu hohe Schulden aufgenommen werden, geringer und ist jeder neue Mikrokredit sozusagen eine Belohnung dafür, dass das vorherige Darlehen fristgerecht bedient wurde.


Wer erhält Mikrokredite?

Überdurchschnittlich hoch werden Frauen mit Mikrokrediten bedient. Nicht nur, um damit ihre oft schwache soziale Stellung zu stärken, sondern weil sie sich als äußerst zuverlässige Darlehensnehmer erwiesen haben. In Asien liegt die Quote weiblicher Kreditnehmerinnen in einigen Ländern bei weit über 90 Prozent. Nicht selten erhalten mehrere Menschen einen Mikrokredit gemeinsam, etwa wenn die Frauen eines Dorfes eine Geschäftsidee gemeinsam umsetzen wollen, weil eine allein das Unternehmen nicht stemmen kann. Insgesamt liegen die Rückzahlungsquoten weit über 90 Prozent und sind damit höher als in den westlichen Industriestaaten. In einigen Gebieten gibt es sogar fast keine Kreditausfälle.Schließlich handelt es sich bei Mikrokrediten häufig um eine einmalige Chance, der Armut zu entkommen. Regional werden die weitaus meisten Kredite in Asien vergeben gefolgt von Lateinamerika und Afrika. Die Kreditsumme reicht von 50 bis 1.500 US-Dollar, wobei sie in Osteuropa und Zentralasien durchschnittlich eher hoch und in Asien und Afrika eher niedrig ausfällt. Das hängt mit den unterschiedlich hohen Lebenshaltungskosten in diesen Regionen zusammen.

Bildhinweis: Frauen können sich mit einem Mikrokredit nicht nur eine wirtschaftliche Existenz aufbauen, sondern so auch ihre soziale Position stärken. Sie machen sich damit wirtschaftlich unabhängig. / Foto: Fotolia


Mikrokredite sind vor allem aber ein Beitrag zur Chancengleichheit

Ein Mikrokredit sollte über den Einzelfall hinaus sozialen und ökologischen Nutzen bringen und durch den Erfolg der Kreditnehmer kleine Inseln funktionierender Wirtschaftseinheiten aufbauen. Denn die Mikrokreditnehmer stellen Mitarbeiter ein, investieren in den Konsum vor Ort und beflügeln so die Geschäftsaussichten anderer Kleinunternehmen, die ihrerseits Kleinkredite aufnehmen können.

Und viele MFI beschränken sich längst nicht mehr nur auf das Kreditgeschäft. Das Spektrum wächst. Beispielsweise gehören mittlerweile auch Mikro-Sparbücher dazu, mit denen Geld für die Ausbildung von Kindern sicher beiseitegelegt werden kann. Oder Mikro-Versicherungen, um sich gegen wirtschaftliche Risiken wie etwa Missernten abzusichern. Solche Finanzdienstleistungen sichern die Mikrokreditnehmer weiter ab. Sie erst machen das Geschäft mit Mikrokrediten nachhaltig, wie Dr. Helge Wulsdorf von der Paderborner Bank für Kirche und Caritas erläutert. Die katholische Kirchenbank ist mit mehreren Millionen Euro in den Mikrofinanzbereich investiert. „Mikrokredite ermöglichen es Eltern nicht nur, der Familie die tägliche Existenz zu sichern, sondern auch etwas beiseite zu legen“, erklärt Wulsdorf. Und nur dann sei es möglich, Kindern eine solide Schulbildung oder einen Ausbildungsplatz zu finanzieren.


Anleger können über Mikrofinanzfonds in das Geschäft mit Mikrokrediten investieren

Um dieses sinnvolle, aber sehr aufwändige Geschäft mit Mikrokrediten betreiben zu können, benötigen MFI Kapital. Kapital, mit denen sie die Ausgabe der Kredite refinanzieren.Und hier können nachhaltige Anleger ins Spiel kommen. Indem sie Kapital zur Verfügung stellen, dass als Darlehen an MFI weitergereicht wird. Das kann zum Beispiel über Mikrofinanzfonds geschehen. Solche Fonds sammeln Anlegerkapital  ein, verleihen dieses an eine Mikrofinanz-Dachorganisation, diese wiederum an Mikrofinanz-Institutionen – also an eine Mikrofinanzbank, etwa in Laos oder Bolivien. Die Mikrofinanzbank finanziert damit die Existenzgründung eines Mini-Unternehmers, einer Kleinstunternehmerin oder einen Gruppenkredit.

Bildhinweis: Dieses Mikrofinanzinstitut in der Mongolei hat Kapital vom Mikrofinanzfonds Dual Return Fund – Vision Microfinance erhalten, um Mikrokredite zu refinanzieren. / Foto: C-Quadrat


In Deutschland können Privatanleger zwischen vier Mikrofinanzfonds wählen. ECOreporter.de hat den Dual Return Fund – Vision Microfinance  und den IIV – Mikrofinanzfonds  in unabhängigen Analysen geprüft und bewertet. In Kürze werden wir auch Analysen zu dem KCD-Mikrofinanzfonds III und dem GLS Alternative Investments Mikrofinanzfonds veröffentlichen .Lesen Sie unsere Meldungen zu den jüngsten Entwicklungen beim KCD-Mikrofinanzfonds III unddem GLS Alternative Investments Mikrofinanzfonds.


Ob GLS Sparkonto oder OikoCredit - es gibt Alternativen zu Mikrofinanzfonds

Neben Mikrofinanzfonds kommen für deutsche Anleger auch Mikrofinanz-Festgeldanlagen in Frage. Ein Mikrofinanz-Sparangebot bietet die Bochumer GLS Bank in Kooperation mit dem Entwicklungs-Finanzierer Oikocredit an. Anleger, die bei der GLS Bank ein solches Oikocredit Sparkonto eröffnen, werden zu Darlehensgebern. Die GLS Bank vergibt Darlehen in Höhe des jeweilig angelegten Geldes der Kontoinhaber an Oikocredit. Die Genossenschaft mit Hauptsitz in Amsterdam wiederum finanziert damit ein Netzwerk an Partnerorganisationen in Schwellenländern wie Peru oder Kambodscha. Das Geld fließt größtenteils an Mikrofinanzinstitutionen, aber auch an Genossenschaften und Fair Trade Kooperativen. Das Oikocredit-Sparkonto ist variabel verzinst. Es gibt keine Mindesteinlagesumme. Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate.

Anleger können aber auch direkt bei Oikocredit in Mikrofinanz investieren: indem sie Anteile an der Entwicklungsgenossenschaft aus dem niederländischen Amersfoort erwerben. Dafür müssen sie Mitglied in einem der regionalen Förderkreise werden und mindestens einen Anteil von 200 Euro erwerben. Oikocredit zahlt dafür eine jährliche Dividende von in der Regel zwei Prozent. Die Entwicklungsgenossenschaft hat bislang rund 850 Organisationen und Unternehmen mit Kapital für Mikrokredite unterstützt.

Mehr über Mikrofinanzen erfahren Sie auf einer Sonderseite von ECOreporter.de dazu.

Informieren Sie sich bei ECOreporter.de  auch über andere Möglichkeiten, nachhaltig zu investieren. Wir berichten nicht nur über Anlageprodukte, sondern prüfen und bewerten sie auch. So nehmen wir zum Beispiel nachhaltige Direktbeteiligungsangebote im ECOanlagecheckhttp://www.ecoreporter.de/tests-ratgeber/ecoanlagechecks.html  ausführlich unter die Lupe, erläutern in Fondstest  die Stärken und Schwächen von Nachhaltigkeiitsfonds. Wir stellen aussichtsreiche nachhaltige Aktien  vor, geben einen Überblick über die aktuellen Konditionen und Gebühren nachhaltiger Banken  und und und. Sie können Beiträge und Analysen einzeln kaufen, einige gibt es auch umsonst. Am besten fahren Sie natürlich mit dem Jahresabonnement. Kostenlos gibt es unseren Newsletter, der in jeder Woche zwei mal erscheint.