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Direktbeteiligungen 29.08.2012

Windfonds in der Kostenfalle – Anlegern droht Totalverlust

Der Windpark Möbisburg setzt auf Windräder von des Herstellers Enercon. / Quelle: Unternehmen

Ein Windpark bei Erfurt brachte seinen Fondsanlegern mehr als sechs Jahre lang keine Ausschüttungen. Die investierte Windfarm lief nie rentabel, weil sie stets weit weniger Strom produzierte, als im Fondsprospekt prognostiziert. Ein Rechtsstreit brachte eine neue Fonds-Geschäftsführung ans Ruder. Auf Nachfrage von ECOreporter.de erklärt der neue Geschäftsführer, inwiefern die Anleger fürchten müssen, ihr Geld zu verlieren und wie das noch verhindert werden soll.


Der Wechsel der Geschäftsführung ist der vorläufige Höhepunkt einer Reihe von Rechtsstreitigkeiten um den geschlossenen Fonds Windpark Möbisburg GmbH & Co. KG, der jüngst für Schlagzeilen sorgte (ECOreporter.deOpens external link in new windowberichtete). Der 2005 aufgelegte Fonds ist seit seiner Auflage mehr und mehr in Schieflage geraten, weil dessen elf Windräder mit zusammen 22 Megawatt Leistungskapazität nie rentabel liefen.


Nach Angaben der Nürnberger Beteiligungsgesellschaft UDI, die 2005 für den Fondsvertrieb zuständig war, lieferten mehrere Experten Windgutachten, die sich als viel zu hoch erweisen sollten. Sowohl der Initiator als auch die finanzierende Bank habe den Gutachten vertraut.


Mehr als 170 Kleinanleger haben zusammen rund 2,5 Millionen Euro in den Windfonds Möbisburg investiert. Ihnen drohen schwere Verluste. Die Ökofair Energie GmbH aus Mettmann betreibt insgesamt vier Windparks Ökofair-Vorstand Dr. Christian Herz ist der neue Geschäftsführer des Windparks Möbisburg. „Der Windpark hat noch in keinen Betriebsjahr die prognostizierten Werte erreicht und liegt im Schnitt 30 Prozent unter der Prognose“,  bestätigt er die desaströse Leistungsbilanz der Portfolio-Windfarm. Dies liege daran, dass  sie in einer Senke nahe einer Hügelkette gebaut worden sei.


Anlegernachschuss und Schadenersatzklage sollen Einlagen retten

„Am Windaufkommen lässt sich nicht ändern. Unsere sehr schwere Aufgabe ist es nun, den Windpark zu sanieren. Ziel ist es, zusammen mit einem Anlegernachschuss mindestens die Einlage der Anleger zu retten“, so Herz weiter. Allerdings sei derzeit nicht klar, ob der Windpark tatsächlich über bis zum ursprünglichen Mindestfondslaufzeitende bis Ende 2015 betrieben werden könne. Dennoch sei ein Verkauf der des Windparks, so wie ihn die alte Fonds-Geschäftsführung angestrebt habe für die Fondsinvestoren keine Option gewesen. „Die Anleger haben das nicht zugelassen, weil sie sonst sehr viel Geld verloren hätten“, sagt Herz.


Zwar habe das neue Management die Stromvermarktung intensiviert, Kernaufgabe sei nun jedoch, die laufenden Kosten zu drücken und zu versuchen, die Firma des gerichtlich geschassten Fonds-Geschäftsführers Stephan Hloucal, Ventimotor GmbH, aus Erfurt-Möbisburg als Fondsinitiatorin auf Schadenersatz zu verklagen.


Die  Anleger laufen allerdings weiter Gefahr, ihr gesamtes investiertes Kapital zu verlieren, wie Herz erklärt: Derzeit werde gerichtlich weiter über Honoraransprüche des ehemaligen Managements gestritten, die Herz ausdrücklich für ungerechtfertigt hält. Sollten die Gerichte diese Honoraransprüche für rechtens erklärten und es der neuen Geschäftsführung gleichzeitig nicht gelänge, die Betriebskosten für den Windpark deutlich zu senken, drohe der Totalverlust, so Herz.