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Finanzdienstleister 04.04.2015

„Wir bevorzugen Fonds, die klar sagen, in welche nachhaltigen Bereiche sie anlegen.“ – Interview mit Gottfried Baer, MehrWert GmbH

Gottfried Baer / Quelle: MehrWert GmbH

Deutsche Anleger können aus Hunderten nachhaltiger Investmentfonds auswählen. Wie kann da eine nachhaltige Vermögensverwaltung helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen? Drohen hierbei nicht höhere Kosten? Wie individuell kann eine nachhaltige Vermögensverwaltung sein? Über diese und weitere Fragen sprechen wir mit Gottfried Baer, Geschäftsführer der MehrWert GmbH aus Bamberg. Sein auf nachhaltige Anlageberatung spezialisiertes Unternehmen trägt das ECOreporter-Siegel für Nachhaltige Geldanlagen. Mehr über die MehrWert GmbH erfahren Sie in diesem Kurzportrait.


ECOreporter.de: Sehen Sie eine erhöhte Nachfrage für eine nachhaltige Vermögensverwaltung?

Gottfried Baer: Wir erleben in unseren Beratungsgesprächen im Rahmen nachhaltiger Geldanlagen, dass viele Menschen für dieses Thema sehr offen sind und sich die meisten unserer Gesprächspartner für eine Anlage in die von uns gemanagten nachhaltigen Vermögensverwaltungsstrategien entscheiden. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen ist es für den Anleger sehr bequem, Geld in einer nachhaltigen Vermögensverwaltung angelegt zu haben – er muss nicht ständig neue Anlageentscheidungen treffen. Dies ist ja u. a. der Sinn einer Vermögensverwaltung -  erfahrene Anlageexperten gestalten die Anlagepolitik je nach Marktlage und handeln entsprechend für alle Anleger in der Vermögensverwaltung.
Zum anderen ist er mit dieser Anlageform sehr flexibel – das Geld ist jederzeit verfügbar und zudem hat er die Gewissheit, dass die Gelder ausschließlich in fein ausgewählte nachhaltige Investments angelegt werden.


ECOreporter.de: Für welche Kunden ist Ihre nachhaltige Vermögensverwaltung gedacht? Inwiefern unterscheidet sie sich für private und für institutionelle Anleger?

Baer:  Grundsätzlich ist sie für alle Menschen gedacht, die einen Anlagehorizont von fünf bis  acht Jahren mitbringen und die auch bereit sind, je nach Strategie, gewisse Wertschwankungen durch eine bestimmte Aktienquote in der Vermögensverwaltung zu tragen. Da eine Anlage ab ca. 10.000 Euro sinnvoll ist, sprechen wir ein breites werte- und nachhaltigkeitsorientiertes Publikum an.
Unsere nachhaltige Vermögensverwaltungsstrategie speziell für Stiftungen und soziale/kirchliche Einrichtungen besteht aus besonders hoch ausschüttenden nachhaltigen Investmentfonds und eine Anlage ist hier erst ab 25.000 Euro möglich.
Ab drei Millionen Euro Anlagebetrag gestalten wir auch individuelle nachhaltige Vermögensverwaltungsstrategien auf Fondsbasis für private und auch für institutionelle Mandanten.


ECOreporter.de: Festgeldanlagen sind weiter sehr beliebt, bringen aber kaum noch Zinsen. Was empfehlen Sie angesichts des extrem niedrigen Zinsniveaus?

Baer:  Das hängt ganz von der persönlichen Zielsetzung, des Erfahrungswertes und der Anlegermentalität des Anlegers ab. Grundsätzlich sollte jeder Anleger Geld in Festgeld/Tagesgeldanlagen als Liquiditätsreserve halten. Alles was nicht in den nächsten drei bis zehn Jahren gebraucht wird, kann anders angelegt werden. Sicher spielen hier wieder die unterschiedlichen Strategien der nachhaltigen Vermögensverwaltung eine Rolle. Ebenso setzen wir auch Mikrofinanzfonds ein, die in den letzten zehn Jahren immer zwischen 2,5 und 4,5 Prozent pro Jahr erreicht haben. Wenn ein Anleger direkt in erneuerbare Energieanlagen investieren will, dann empfehlen wir auch ausgewählte Beteiligungen an Windkraft-, Solar- oder Wasserkraftfonds.


ECOreporter.de: Kann man bei Ihnen als Kunde das Anlagerisiko bestimmen? Welche Rolle spielen bei Ihrer Vermögensverwaltung offene Investmentfonds?

Baer: Das kann man bei uns natürlich bestimmen und ist auch Grundvoraussetzung für eine sinnvolle und individuelle Anlageentscheidung. Der Anleger kann entscheiden, ob er die defensive Variante wählen will oder ob er die ausgewogene Variante für seine Anlageziele bevorzugt. Er kann auch beide Strategien mischen. Die Strategie für Stiftungen und soziale/kirchliche Einrichtungen ist eine defensiv ausgerichtete Anlage. Alle unsere Vermögensverwaltungsstrategien beinhalten ausschließlich sorgfältig ausgewählte nachhaltige Investmentfonds.


ECOreporter.de: Wie nachhaltig kann aus Ihrer Sicht eine Vermögensverwaltung sein? Inwiefern kann sie wirklich mehr Nachhaltigkeit anstoßen und wo liegen dafür die Grenzen?

Baer: Wir versuchen im Rahmen der Ausschlusskriterien, nicht gesellschafts- und menschendienlichen Unternehmensausrichtungen bzw. bestimmten Staaten kein Geld über Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen zukommen zu lassen. Es gibt bei den nachhaltigen Fonds allerdings sehr unterschiedliche Ausrichtungen. So gibt es Fonds, die ihren Fokus auf soziale bzw. ethische Themen legen. Andere haben ihren Fokus auf den ökologischen Bereich, andere wiederum setzen ihren Anlageschwerpunkt auf Umwelttechnologie wie die erneuerbaren Energien. Alle diese Fondsarten kommen auch bei uns in den Vermögensverwaltungsstrategien vor, so dass alle nachhaltigen Themen (Ökologie, Ethik, Soziales, erneuerbare Energien) entsprechend abgebildet werden.


ECOreporter.de: Fonds welcher Anbieter kommen in Frage und wonach entscheiden Sie die Auswahl?

Baer:  In Deutschland gibt es momentan rund 390 sogenannte nachhaltige Investmentfonds. Wir stellen uns die Frage, wie nachhaltig die Fonds wirklich sind und welche Ergebnisse Sie im Vergleich in den letzten Jahren gebracht haben.
Wir verfahren deshalb in der Auswahl der nachhaltigen Fonds nach einem eigenen Drei-Schritt-Filtersystem. Zunächst analysieren wir die Fonds nach Ausschlusskriterien. Wir haben hierfür einen strengen Katalog an Ausschlusskriterien festgelegt, den die Fonds durchlaufen müssen. In der zweiten Stufe des Filters durchlaufen die Fonds die sogenannten „positiven Einschlusskriterien“. Wir bevorzugen Fonds, die nicht nur sagen wo sie nicht investieren, sondern die auch klar sagen, in welche nachhaltigen Bereiche und Unternehmungen sie bewusst anlegen.
Die dritte Stufe des Filters sind dann alle ökonomischen und administrativen Kennzahlen eines Fonds. Das sind z.B. die Renditen der letzten Jahre im Vergleich, die Volatilitätskennzahlen, das Fondsvolumen, das Alter des Fonds, usw..  Wir bewerten auch, aus welchem Haus der Fonds kommt und ob es z.B. einen externen Beirat gibt.
Nach dem Durchlaufen dieser drei Filterstufen bleiben ca. 50 Fonds übrig. Aus diesen Fonds bedienen wir uns dann entsprechend nach Marktlage und Ausrichtung, um die Vermögensverwaltungsstrategien mit jeweils rund 15 Fonds zu bestücken.


ECOreporter.de: Kunden kritisieren bei Vermögensverwaltungen, dass zuweilen Fonds ge- und verkauft werden, damit die Verwaltung an Gebühren verdient. Wie handhaben Sie das? Wie werden Sie für die Vermögensverwaltung entlohnt?

Baer:  In den nachhaltigen Vermögensverwaltungsstrategien, die wir managen, fallen für den Anleger keine Kosten bei dem internen Fondskauf und –verkauf an. Die Fonds werden hier ohne Ausgabeaufschlag gehandelt und es fallen auch keine zusätzlichen Transaktionskosten an. Es gibt für unsere Anleger ausschließlich eine jährliche fixe Vermögensverwaltungsgebühr. Auch zahlen wir unseren Anlegern die laufenden Bestandsprovisionen, die von den Fondsgesellschaften an uns bezahlt werden, komplett in das Depot des jeweiligen Anlegers zurück. Somit hat der Anleger bei uns ein ganz transparentes Gebührenmodell mit einer jährlichen fixen Vermögensverwaltungsgebühr und keinen zusätzlichen (versteckten) Kosten.

 
ECOreporter.de: Für eine längerfristige Anlage gelten auch Festgeld-Anlagen und Sachwertinvestitionen als wichtige Elemente. Wie fließen diese in die Vermögensverwaltung ein?

Baer:  Wir verstehen unter einer Vermögensverwaltung die Anlage in liquide Geldanlagen. Sachwertinvestitionen sind in der Regel langjährig festgelegte Geldanlagen, die nicht verfügbar sind. Von daher kommen sie nach unserem Verständnis in unseren Vermögensverwaltungsstrategien nicht vor  - außer Aktieninvestments als Sachwertanlage. Allerdings bauen wir sie neben unseren nachhaltigen Vermögensverwaltungsstrategien bei Bedarf in das gesamte Kundenportfolio mit ein. Das sind Investments in Windkraftanlagen, Wasserkraft- oder Solaranlagen. Festgeldanlagen liefern heute keinen oder kaum einen Ertrag nach Inflation. Hier ist aus unserer Sicht die Anlage in geldmarktnahe Fonds die bessere Alternative.


ECOreporter.de: Manche befürchten, dass der starke Verfall des Ölpreises die Rahmenbedingungen für nachhaltiges Investment erschwert und argumentieren, dass es sich deshalb Klimaschutzaktivitäten weniger lohnen? Was sagen Sie dazu?

Baer:  Der Ölpreiszyklus von steigenden und fallenden Ölpreisen ist nichts Neues. Wenn Sie sich die historische Entwicklung ansehen, dann stellen Sie fest, dass die tiefen Ölpreise temporär von nicht allzu langer Dauer waren, da gewisse Markmechanismen dann wieder zu höheren Ölpreisen geführt haben. Wenn wir davon ausgehen, dass diese Mechanismen nach wie vor existieren, dann wird der aktuelle niedrige Ölpreis der weiteren positiven Entwicklung des nachhaltigen Investments nicht im Wege stehen.

ECOreporter.de: Herr Baer, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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