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Nachhaltige Aktien 03.12.2009

“Wir haben in Deutschland die höchsten Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards“ – ECOreporter.de-Interview mit Frank H. Asbeck, SolarWorld AG

SolarWorld-Chef Frank H. Asbeck / Quelle: Unternehmen

Wie gut kann die deutsche Solarbranche im internationalen Wettbewerb mithalten? Wo liegen ihre Stärken, wo ihre Schwächen? Und erhält sie genügend Unterstützung von Seiten der Politik? Über diese und weitere Fragen sprach ECOreporter.de mit Frank H. Asbeck, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Bonner SolarWorld AG. Das TecDAX-Unternehmen produziert Photovoltaikkomponenten entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Silizium bis zum fertigen Solarmodul.


ECOreporter.de: Herr Asbeck, in der deutschen Photovoltaikbranche soll es gut 80.000 Arbeitsplätze geben (Stand Ende 2008). Setzt die deutsche Regierung das alles mutwillig aufs Spiel?
Frank H. Asbeck:Die Politik diskutiert derzeit Kürzungen bei der Solarstromvergütung. SolarWorld selbst hat im September den Vorschlag unterbreitet, bestehende Spielräume für eine stärkere Absenkung zu nutzen. Und wir greifen gerne das Angebot der Politik auf, gemeinsame Wege zu erarbeiten, um die Förderung maßvoll zur reduzieren – sodass die Branche ihrerseits eine sichere Perspektive hat und die Kosten für die Verbraucher gesenkt werden.


ECOreporter.de: Immer noch wird bei Solarenergie über Subventionen gesprochen, wenn es um die Vergütungen für die Einspeisung von Solarstrom geht. Jeder könnte wissen, dass das falsch ist. Was meinen Sie, wer die Debatte über die deutsche Photovoltaik in eine so falsche Richtung drängt – und warum?
Asbeck:Solarstromtechnik versetzt jeden Hauseigentümer in die Lage, seinen Strom selber zur produzieren. 100.000 kleine Stromversorger stehen vier großen Energiekonzernen gegenüber. Es liegt auf der Hand, dass diese „Energie-Dinosaurier“ mit ihren Mitteln versuchen, dass nicht an ihrer Position gerüttelt wird. Schon damit kann ein großer Anteil der negativen PR erklärt werden.


ECOreporter.de: Worunter leiden die deutschen Photovoltaik-Hersteller: Unter dem Druck aus China oder unter mangelnder staatlicher Unterstützung? Stimmt es, dass die chinesischen Photovoltaik-Hersteller vor allem deshalb im Vorteil sind, weil der chinesische Staat die eigene Währung dauerhaft in einem unterbewerteten Wechselkurs hält, so dass bei Exporten riesige Preisvorteile für chinesische Hersteller entstehen?
Asbeck:China subventioniert ihre Unternehmen bei Strombezug und Land, und dass bei mangelnden Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards. Hinzu kommen Null-Zins-Kredite von staatlichen Banken für Produktionen und Projektfinanzierungen, neben nur einem Zehntel der deutschen Lohnkosten.


ECOreporter.de: Solarzellenfertigung wird immer wieder als maschinell beschrieben. Robotergesteuerte Fabriken, wenig Arbeitskräfte. Wie kann der chinesische Niedriglohn-Arbeiter eine Konkurrenz sein, wenn man kaum Arbeiter braucht?
Asbeck:In China wird nach wie vor zu einem überproportionalen Anteil händisch gefertigt. Im Durchschnitt arbeiten in der chinesischen Produktion weitaus mehr Beschäftigte an einem Modul als in Deutschland. Das, und auch die starke Fluktuation der chinesischen Arbeitnehmer, macht das chinesische Modul anfällig für Qualitätsabweichungen.


ECOreporter.de: Oft ist derzeit zu hören: Deutsche Solarfirmen produzieren die Wafer und Module zu teuer, wenn sie in Deutschland produzieren. Wie kann das sein – schließlich wurden die Solarfabriken vor allem in den neuen Bundesländern errichtet, und zwar mit großer staatlicher Unterstützung, also mit Staats-Geld?
Asbeck:Wir haben in Deutschland die höchsten Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards und selbstverständlich ein hohes Lohnniveau. Allerdings betrachten wir hierbei die Standards als Standortvorteile, da wir damit maximale Qualität und die Nachhaltigkeit unserer Produkte sicherstellen können.


ECOreporter.de: First Solar will Module zu einem Preis von unter 1.000 Euro pro kW produzieren. Können die deutschen Hersteller mithalten? Warum können manche Firmen so billig produzieren, andere nicht?

Asbeck:Hier ist die entscheidende Frage, was man will. Wir wollen kein Gift auf die Dächer bringen. Während First Solar Sonderregeln für den Einsatz von Cadmium bei Solarmodulen fordert, arbeiten wir an der Bleifrei-Lösung in unseren Lötprozessen. Im nächsten Jahr führen wir unser bleifreies Löten ein und eliminieren damit das letzte Quäntchen Schwermetall in der kristallinen Solarproduktion. Mit Gift kann nicht nachhaltig produziert werden.


ECOreporter.de: Etliche Unternehmen, die kurzfristig eine Affäre mit der Solarenergie eingegangen waren, ziehen sich wieder zurück – z.B. Wacker. Andere, wie Bosch, weiten die Solar-Aktivitäten aus. Kann es sein, dass selbst die Fachleute und Insider den Markt sehr unterschiedlich einschätzen?
Asbeck:In einem sind sich alle einig: Solarstrom ist eine Massenbewegung und eine der wichtigsten Zukunftsenergien. Dran bleibt, wer´s kann.

ECOreporter.de: Herr Asbeck, wir danken Ihnen für das Gespräch!

SolarWorld AG: ISIN DE0005108401 / WKN 510840

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