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Finanzdienstleister 18.05.2017

"Wir möchten die Aktiendividende regelmäßig anbieten" – Interview mit Jürgen Koppmann, UmweltBank

Jürgen Koppmann ist Marketingchef und ehemaliger Vorstand der UmweltBank in Nürnberg. / Foto: UmweltBank AG

Aktiensplit, EMAS-Zertifizierung und neuer Nachhaltigkeitsbericht: Bei der UmweltBank aus Nürnberg hat sich einiges getan. Die UmweltBank-Aktie ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie  aus der Kategorie "Grüne Spezialwerte".  Ein Grund, nachzufragen: ECOreporter.de sprach mit Marketingchef Jürgen Koppmann unter anderem auch über die Geschäftsprognose und Pläne für die grünen Projektanleihen.


ECOreporter.de: Herr Koppmann, bei der UmweltBank ist ja aktuell einiges passiert. Vergangene Woche verkündete die Bank, dass sie einen Aktiensplit durchführen will. Was sind die Vor- und Nachteile für den Anleger?

Jürgen Koppmann:  Nachteile gibt es durch den Aktiensplit nicht, er hat für Anleger nur Vorteile. Momentan notiert die UmweltBank-Aktie zwischen 60 und 80 Euro. Wir möchten die Kurse aber lieber niedrig halten und dafür eine größere Stückelung erzielen, damit die Aktie für Privatanleger noch attraktiver wird. 

Hinzu kommt, dass unsere Anleger ihre Dividende künftig reinvestieren können. Durch den Aktiensplit werden bei der angebotenen Aktiendividende die Restbeträge kleiner. Damit könnten Aktionäre dann einen höheren Anteil ihrer Dividende transaktionskostenfrei reinvestieren. Nehmen wir an, Sie haben 100 UmweltBank-Aktien. Die Dividende beträgt 1,70 Euro (1,50 je Aktie plus Jubiläumsbonus), also erhalten Sie eine Ausschüttung von 170 Euro. Liegt der Kurs bei 100 Euro, können Sie aber nur in eine neue Aktie reinvestieren. 70 Euro bleiben übrig. Und diesen Restbetrag wollen wir durch den Aktiensplit verkleinern.


Plant die UmweltBank, die Aktiendividende, also die Sachdividende in Form eigener Wertpapiere, nun öfter anzubieten?

Wir möchten das Instrument der Aktiendividende regelmäßig anbieten. Damit erhöhen wir auch unser Eigenkapital. Das ist nötig, denn wir müssen mehr Eigenkapital vorhalten als vorher, das ist durch die EU-Kapitaladäquanzverordnung vorgeschrieben. Zu diesem Zweck haben jährlich einen Teil der Gewinne thesauriert und Genussrechte emittiert. Und nun haben wir ja zusätzlich noch den CoCo-Bond ausgegeben.


Wie zufrieden sind Sie denn mit der Resonanz auf den neuen CoCoBond im Vergleich zum Vorgänger?

Im Endeffekt gibt es zwischen beiden CoCo-Bonds keinen Unterschied. Die Wandelanleihen sind gleich gestrickt. Allerdings mussten wir ja den ersten CoCo-Bond tauschen, weil die europäische Bankenaufsicht Bedenken bei einer Formulierung in den Anleihebedingungen anmeldete. Wir hatten uns an ein Muster des Bankenverbandes gehalten, welches zudem von einer großen Rechtsanwaltskanzlei geprüft worden war und auch von der deutschen BaFin bis dahin nicht beanstandet wurde.

Der jetzige CoCo-Bond kommt jedenfalls sehr gut an, es sind bereits mehr als 24 Millionen Euro platziert, obwohl wir keine Werbung machen durften. Das ist schon eine Hausnummer.



Die UmweltBank hat ihren Sitz in Nürnberg. / Foto: Unternehmen


Das Ergebnis der UmweltBank fiel in 2016 allerdings schwächer aus als in 2015, auch weil sich der Aufwand für Personal und Verwaltung stark erhöhte. Woran lag das?

Aufgrund der stärkeren Bankenregulierung ist auch der Verwaltungsaufwand gestiegen – das macht den größten Teil der Kosten in diesem Bereich aus. Als Beispiele seien nur die erhöhten Beiträge zur Einlagensicherung und die Bankenabgabe genannt.

Unsere Personalkosten bewegen sich dagegen im normalen Rahmen. Sie sind 2016 um 9 Prozent gestiegen, weil wir mehr Mitarbeiter beschäftigen und es auch die eine oder andere Gehaltserhöhung gab. Ein ganz normales Wachstum also.

Wieso steigen die Personalkosten in Zeiten der Digitalisierung?

Digitalisierung heißt für uns nicht, dass wir Personal einsparen. Alles in allem sind wir hier schon sehr schlank aufgestellt. Mehr abspecken können und wollen wir nicht. Auch wenn Standardprozesse ins Internet verlagert werden: Wir brauchen weiterhin qualifizierte Mitarbeiter – das nützt auch den Kunden. Denn diese wollen sich umsorgt fühlen. Sie wünschen sich auch bei einer Direktbank eine persönliche Beratung durch Menschen, die sie kennen, und keine anonymen Callcenter. Das ist auch im Kreditgeschäft zentral wichtig, wo Kunden und Berater über Wochen und Monate hinweg zusammenarbeiten.


Stichwort Kredite: 2016 ist das Geschäft mit Umweltkrediten deutlich gewachsen. Wie sind hier die Aussichten der Bank in 2017?

Wir rechnen damit, dass das Wachstum anhält. Die beiden Hauptbereiche im Kreditgeschäft sind "Bauen und Sanieren" sowie "Erneuerbare Energien". Gebaut und saniert wird viel in Deutschland: Hier steigt die Nachfrage aufgrund von Wohnungsnot und steigenden Mieten, auch bei ökologischen Neubauten. Im Bereich Erneuerbare Energien verlangsamt sich das Wachstum etwas: Das liegt an den neuen Ausschreibungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2017. Die Ausschreibungspflicht für Projekte wird den Zubau erwartungsgemäß etwas drosseln.


Sie berichteten über einen komplett neu konzipierten Nachhaltigkeitsbericht – was hat sich im Wesentlichen verändert?

Bisher waren unser Umweltbericht, der Sozialbericht und der Geschäftsbericht getrennt. Nachhaltigkeit ist ja bekanntlich dreifaltig: ökonomisch, ökologisch und sozial. Diese drei Bereiche sind miteinander verwoben, und das möchten wir künftig herausstellen. Deshalb haben wir alle drei zusammengefasst. Dabei steht die Nachhaltigkeit an erster Stelle, sie wird also priorisiert, und der reine Zahlenteil steht hintenan im Bericht. Kernstück ist eine Nachhaltigkeitspolitik, die auf der Satzung der UmweltBank aufbaut.

Außerdem ist der Bericht nach dem EMAS-System (= Eco-Management and Audit Scheme für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung, Anm. d. Red.) zertifiziert. Die Umweltleistung der Bank ist damit nach einem anerkannten europäischen Standard geprüft und mit anderen Unternehmen vergleichbar. Das unterstreicht zudem unser nachhaltiges Image und unsere Philosophie.

Mitte 2016 hieß es, dass Sie das Geschäftsfeld der ökologischen und sozialverträglichen Beteiligungen im Eigenbestand deutlich ausweiten wollen. Wie ist hier der Stand der Dinge?

Hier ist die UPG UmweltProjekt Beteiligungen AG engagiert, eine im vergangenen Jahr gegründete Tochter der UmweltBank. Bisher hat sie ein Projekt realisiert, eine Freiflächen-Solaranlage in Sachsen. Und ein ökologisches Wohnimmobilienprojekt wird gerade gebaut. Die Beteiligungen sollen sukzessive erweitert werden. Allerdings kommt von der Vielzahl der am Markt angebotenen Projekte nur eine kleine Anzahl an Beteiligungen wirklich in Frage. Das liegt unter anderem daran, dass solche Projekte sehr begehrt sind, weil viele Investoren derzeit gute Anlagemöglichkeiten suchen. Von Vorteil ist dabei für uns, dass wir langjährige Partnerschaften zu Projektentwicklern pflegen.  


Sie rechnen in 2017 mit einer sinkenden Zinsmarge und einem geringeren Zinsüberschuss. Steuern Sie dagegen?

2016 war ein gutes Jahr für die UmweltBank. Auch 2017 wird ein gutes Jahr werden. Allerdings rechnen wir mit einem geringeren Ergebnis als in 2016 – nicht dramatisch, aber merklich geringer. Dennoch bleiben wir dabei, dass wir die Negativzinsen nicht an unsere Kunden weitergeben.

Die Europäische Zentralbank berechnet Minuszinsen für das Parken von Geldern. Das macht sich auch bei unserer Zinsmarge bemerkbar, und es nicht abzusehen, wie lange die Phase andauert. Dennoch gilt weiterhin: Gebührenbeiträge sind nicht vorgesehen bei uns. Es geht uns gut, wir sind eine ertragreiche Bank.

Herr Koppmann, wir danken Ihnen für das Gespräch!

UmweltBank AG: ISIN DE0005570808 / WKN 557080


So funktioniert beispielhaft die Aktiendividende der UmweltBank:

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