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Nachhaltige Aktien 24.06.2008

Puma: Sportartikel ohne Kinderarbeit

Produktion bei Puma / Quelle: Puma AG

ECOreporter.de hat mit Dr. Reiner Hengstmann von Puma über die Anstrengungen gesprochen, weltweit Standards zu setzen und zu kontrollieren. Der promovierte Chemiker ist der weltweite Leiter der Abteilung Umwelt und Soziales in der Lieferkette des Sportartikelherstellers. Wer in die Puma-Aktie investieren will und überlegt, ob er das mit seinem Umwelt- und Sozialgewissen vereinbaren kann, der erfährt in dem Interview verblüffende und spannende Fakten und Hintergründe.

Die Euro 2008 ist in vollem Gang. Sportartikelhersteller profitieren. Welcher von ihnen produziert ohne Kinderabeit? Welcher hält Umwelt- und Sozialstandards auch bei den Zulieferern ein? Die Bank Sarasin hat die Nachhaltigkeit bei den Sportartikelherstellern, Bekleidungsunternehmen und Luxusgüter-Produzenten geprüft. Adidas, Puma, Nike und Timberland sind danach in diesem Bereich führend. Doch auch diese Unternehmen verfügen laut Sarasin noch über erhebliches Verbesserungspotential. „Die bekannten Missstände in der Lieferkette sind auch bei ihnen längst nicht alle beseitigt, und die von der Industrie selbst vorgegebenen Umwelt- und Sozialstandards werden noch nicht überall eingehalten“, so Sarasin.


ECOreporter.de: Herr Hengstmann, lassen Puma-Zulieferer Kinder für sich arbeiten, speziell in Asien?
Reiner Hengstmann:Nein. Es gibt eine internationale Norm der „ILO“, also der Internationalen Labour Organisation. Puma hat sich und alle Zulieferer verpflichtet, diese Norm einzuhalten. Die Norm schreibt vor, dass das Mindestarbeitsalter bei 15 Jahren liegt. Das gilt also nicht nur für unsere Zulieferer in Asien, sondern weltweit.


ECOreporter.de: Die US-Organisation NLC hat Puma angegriffen, weil bei einem Zulieferer in Bangladesch 300 Kinder beschäftigt gewesen sein sollen.
Hengstmann:Die Puma-Zulieferer wissen genau: Wer Kinder beschäftigt, hat keine Zukunft. Puma verfolgt eine Null-Toleranz-Politik beim diesem Thema. Es hat in der Fabrik Harvest Rich keine Kinderarbeit für Puma gegeben. Andere Organisationen haben bestätigt, dass diese Vorwürfe falsch waren. Puma hat allerdings aus anderen Gründen die Zusammenarbeit mit diesem Zulieferer gekündigt. Diese Kündigung erfolgte bereits vor der Veröffentlichung des NLC Reports.


ECOreporter.de: Woher wissen die Zulieferer, dass sie die Normen einhalten sollen?
Hengstmann:Sie sollen nicht nur, sondern sie müssen die Regeln einhalten. Das steht in den Verträgen, die sie mit uns abschließen. Wir haben außerdem unseren Verhaltenskodex in den Fabriken in der jeweiligen Landessprache ausgehängt. Darüber hinaus gibt es zwei Handbücher , die Puma-Standards konkretisieren und im Detail erklären. Diese sind auch auf unserer Website about.puma.com unter der Rubrik Nachhaltigkeit verfügbar.


ECOreporter.de: In wie vielen Ländern gibt es Puma-Zulieferer?

Hengstmann:In 52 Ländern. Wir haben zwölf feste Mitarbeiter, die dafür verantwortlich sind, bei unseren Zulieferern zu kontrollieren, ob die Puma-Standards eingehalten werden. Zusätzlich lassen wir unsere Produktionsfabriken durch die externe und unabhängige Organisation Fair Labor Association überprüfen.


ECOreporter.de: Wie stellen Sie sicher, dass die Zulieferer nicht nur zu den Kontrollterminen die erwünschten Zustände erreichen?
Hengstmann:Unsere Kontrollen finden auch unangemeldet statt. Die Zulieferer müssen also kontinuierlich mit uns rechnen. Wir vermitteln, dass wir eine strategische Partnerschaft und langfristige Beziehung zu den Zulieferern aufbauen wollen. Deshalb ist ihnen auch klar, dass wir Abweichungen von unseren Standards und dem Kodex früher oder später entdecken. Wir führen Betriebsrevisionen mit mehreren Personen durch. Dabei überprüfen wir Dokumente, gehen in die Produktionsabteilung und schauen uns auch außerhalb des eigentlichen Fabrikationsgeländes um. Zudem sprechen wir mit den Arbeiterinnen und Arbeitern und erkundigen uns nach den Arbeitszeiten, Wochenendarbeit, nach ihren Unterkünften und nach ihren Löhnen. Es gibt auch formelle Interviews nach einem vorgegebenen Leitfaden. Zum Schluss diskutieren wir mit dem Management das Ergebnis unserer Revision.


ECOreporter.de: Was geschieht, wenn Sie bei den Kontrollen Missstände vorfinden?
Hengstmann:Wir erstellen Korrekturpläne, die das Fabrikmanagement umsetzen muss. Bei gröberen Verstößen bekommt der Zulieferer einen so genannten „warning letter“. Sollten alle diese Maßnahmen nicht zu einer Verbesserung der Umstände führen, beenden wir die Geschäftsbeziehung mit dem Hersteller.


ECOreporter.de: Wie kontrollieren Sie, dass bei der so genannten Heimarbeit, also Arbeiten, die außerhalb des Fabrikationsgeländes erledigt werden, keine Kinder arbeiten?
Hengstmann:Da so etwas nicht zu kontrollieren ist, haben wir festgelegt, dass wir Heimarbeit grundsätzlich nicht zulassen. Zudem akzeptieren wir nicht, dass unsere Zulieferer weitere Unterauftragnehmer beschäftigen, die nicht kontrolliert werden. Wir lassen Unterauftragnehmer nur zu, wenn wir sie überprüfen können. In diesem Fall müssen sie dieselben Vorgaben erfüllen wie die Hauptzulieferer.


ECOreporter.de: Welche Normen sind eigentlich strenger: Die Gesetze in den Ländern oder die Vorgaben, die Ihre Zulieferer aufgrund Ihres Systems erfüllen müssen?
Hengstmann:Die Normen, auf die sich die Puma-Vorgaben beziehen, sind internationale Arbeitsschutz-Normen. Sie gelten in vielen Ländern und unterscheiden sich damit nicht von den Puma-Vorgaben.


ECOreporter.de: Zulieferer in 52 Ländern, fast 360 Fabrikationsstätten – das heißt, jeder Ihrer Kontrolleure müsste 30 Fabriken pro Jahr aufsuchen, wenn der Abstand zwischen den Kontrollen etwa ein Jahr betragen sollte. Ist das schaffbar?
Hengstmann:Ja, das ist durchaus machbar. Die Fabriken mit sehr hohen Umwelt- und Sozialstandards besuchen wir im Abstand von maximal zwei Jahren. Aber es gibt auch Produktionsstätten, die wir alle zwei Monate kontrollieren.


ECOreporter.de: Seit wann kontrolliert Puma in dieser Art?
Hengstmann:Puma hat mit der Verlagerung seiner Produktion nach Asien 1993 seinen Verhaltenskodex eingeführt, da bereits damals das Thema der Produktionsbedingungen eine Rolle spielte. Wir haben dann die ersten Teams gegründet, die sich mit der Kontrolle der Zulieferbetriebe befassten. Mittlerweile sind unsere Produktionsbedingungen derart transparent, dass wir im Rahmen unserer Mitgliedschaft bei der Fair Labor Association unsere externen Kontrollberichte im Internetveröffentlichen. Der Lernprozess geht ständig weiter. Seit Anfang des Jahres gibt es beispielsweise neue Vorschriften in China. Dort wurden ca. 8.000 Fabriken geschlossen, weil sie die Vorschriften nicht einhielten!

ECOreporter.de: Herr Hengstmann, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Puma AG: ISIN DE0006969603 / WKN 696960


Bilder: Produktion für die Puma AG; Reiner Hengstmann / Quelle: Unternehmen

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