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Nachrichten 12.03.2010

„Reputationsschädigende Aspekte kommen schneller und häufiger ans Tageslicht.“- ECOreporter.de-Interview mit Philipp Aeby, RepRisk AG

Informationen über Umwelt- und Sozialrisiken von Unternehmen sind vor allem für nachhaltige Investoren von großer Bedeutung. RepRisk aus Zürich ist darauf spezialisiert, Daten über solche Risiken zu sammeln und aufzubereiten. ECOreporter.de kooperiert mit dem Unternehmen und hat Managing Director Philipp Aeby zu dem Geschäftsmodell der RepRisk AG befragt.

 


ECOreporter.de: Wem gehört Ihr Unternehmen? Wer hat RepRisk wann und mit welchem Ziel gegründet, wie hat sich das Unternehmen bislang finanziert?

Philipp Aeby:RepRisk gehört zu etwas über 60% dem Management. RepRisk entstand aus der Consultingfirma ECOFACT, welche 1998 als Spin-off der UBS gegründet wurde und 2006 das RepRisk-Tool entwickelt hat. Anfangs wurde das RepRisk-Tool vom Beratungsgeschäft querfinanziert. Mittlerweile ist RepRisk so gewachsen, dass es vom Beratergeschäft abgespalten wurde und neue Investoren an Bord kamen.


ECOreporter.de: Was ist das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens?

Aeby:RepRisk sammelt tagesaktuelle Daten zu Umwelt- und Sozialrisiken von Firmen auf der ganzen Welt und bereitet sie auf. Diese Daten werden Kunden wie Banken, Vermögensverwaltern, Pensionskassen und bald auch internationalen Unternehmen gegen eine jährliche Lizenzgebühr zur Verfügung gestellt. Dank der Kooperation mit Burson-Marsteller entwickeln wir neue Anwendungen für multinationale Konzerne. Zudem sind auch Einkäufer an unseren Daten interessiert, um ihre Lieferanten und die Lieferanten ihrer Lieferanten speziell in Schwellenländern überprüfen zu können.


ECOreporter.de: Was unterscheidet RepRisk von der Konkurrenz?

Aeby:RepRisk ist auf die Auswertung von tagesaktuellen Daten von Zeitungen, Nichtregierungsorganisationen, Behörden, Blogs, und Online-Zeitungen fokussiert. Wir analysieren dazu Quellen in acht Sprachen und decken über 50'000 Firmen weltweit ab, wobei wir bisher für 13'000 Firmen kontroverse Themen identifiziert haben. Andere Forschungsinstitute oder Rating-Agenturen sind Kunden, nicht Konkurrenten von uns.


ECOreporter.de: Für wen sind Informationen über Umwelt- und Sozialrisiken wichtiger, für die betroffenen Unternehmen oder für Investoren?

Aeby:Die Informationen sind für beide wichtig. Es versteht sich aber, dass es bei den betroffenen Firmen um deren Existenz gehen kann, während bei Investoren finanzielle- und Compliance-Risiken (Risiken, gegen ethische Standards zu verstoßen – die Red.) bestehen.


ECOreporter.de: Warum müssen Investoren die Informationen über Umwelt- und Sozialrisiken einkaufen? Warum können sie die Informationen nicht selbst zusammentragen?

Aeby:Zuerst einmal fehlen Investoren die technischen Möglichkeiten betreffend Suchsoftware und Sprachabdeckung. Dann arbeiten wir bei intransparenten Märkten wie in Asien mit renommierten lokalen Partnern. Und schließlich sammeln wir nicht nur Daten, sondern fassen die wesentlichen Punkte zusammen und stellen diese in den richtigen Zusammenhang.


ECOreporter.de: Mit welchen Kompetenzen kann RepRisk aufwarten? Woher beziehen Sie Ihre Informationen, wie werden Sie für die Kunden aufbereitet?

Aeby:Das Kernteam besteht aus 11 Nationalitäten und deckt die verschiedensten akademischen Bereiche ab. Die spezifischen Kompetenzen liegen im Bereich Semantisches Web, mehrsprachige Datenanalyse und interaktives Design.
Unsere Suchalgorithmen durchsuchen täglich tausende von Quellen in acht Sprachen. Die Quellen reichen von Blogs und Webseiten von Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) über Online-Zeitungen zu Druckausgaben der internationalen Presse. Bevor aber Informationen weiterverarbeitet werden, stellen wir sicher, dass wir jeweils die beste Quelle verwenden und die entsprechende Information nicht schon kürzlich erfasst wurde. Erst dann werden die Informationen zusammengefasst und mit Firmen, Projekten, Ländern, Sektoren, etc. verknüpft.


ECOreporter.de: Hat die Bedeutung von Informationen über Umwelt- und Sozialrisiken zugenommen?

Aeby:
Die Tatsache, dass ein Service wie RepRisk auf so großes Interesse stößt, lässt das vermuten. Wegen des Internet und der globalen Vernetzung von Medien und Interessenverbänden kommen reputationsschädigende Aspekte schneller und häufiger ans Tageslicht. Das und die sich verändernden ethischen Ansprüche an Unternehmen - denken Sie zum Beispiel an Treibhausgase oder Steuerfragen - macht es immer wichtiger, solche Reputationsrisiken pro-aktiv anzugehen. Das gilt natürlich auch für Investoren, die dank Korruptionsskandalen und Finanzkrise wohl viel vorsichtiger geworden sind.


ECOreporter.de: Wie wird sich die Bedeutung nach Ihrer Ansicht in den kommenden Jahren entwickeln und warum?

Aeby:Die Spielregeln in der Weltwirtschaft entwickeln sich dauernd weiter. Mittlerweile ist Nachhaltigkeit eine Frage des längerfristigen Erfolgs und entsprechend sind die im engeren Sinne ethischen Investoren bei unseren Kunden in der Minderheit. Gleichzeitig werden Transparenz und globale Vernetzung weiter zunehmen. Entsprechend werden auch Reputationsrisiken im Umwelt- und Sozialbereich an Bedeutung gewinnen.


ECOreporter.de: Herr Aeby, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Angaben zum Gesprächspartner:
Philipp Aeby, 41, ist diplomierter Klimatologe bzw. promovierter Umweltphysiker.
2006 - 2009 ECOFACT, seit 2007 als Managing Partner (geschäftsführender
Teilhaber); seit 2010 Managing Director und Founding Parter RepRisk AG

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