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Direktbeteiligungen 15.10.2015

„Die Ausschreibungen für Erneuerbare Energien erschweren Bürgerinvestitionsmodelle“ - Andrea Wozniak, Green City Energy AG

Andrea Wozniak ist neu im Vorstand der Green City Energy AG. Sie ist Dipliom- Wirtschaftsmathematikerin und Aktuarin. / Foto: Unternehmen

Deutschland verabschiedet sich schrittweise von der festen Einspeisevergütung für Ökostrom. Zugleich werden die Regeln für Kapitalanlagen strenger. Die Green City Energy AG sieht sich für diese Veränderungen gut gerüstet. Warum, erklärt Andrea Wozniak im Interview. Das neue Gesicht im Vorstand der Green City Energy AG erläutert, welche Wege Green City Energy gehen will, um weiter Anlegerkapital für Energiewende-Projekte zu sammeln. Außerdem erklärt die Spezialistin für Risikomanagement, weshalb es am Windkraftmarkt in Deutschland für kleinere Akteure bald schwieriger werden dürfte und sagt,  wie sich Green City Energy künftig an diesem Markt positionieren will.

Die Green City Energy AG aus München ist die Tochtergesellschaft der Umweltschutzorganisation Green City e.V. und ein Pionier am Markt für nachhaltige Kapitalanlagen. Auf der Messe Grünes Geld Köln am 21. November im Gürzenich zählt Green City Energy zu den Ausstellern. Die Messe zeigt auf, wie Anleger in Zeiten niedriger Zinsen rentabel, sicher und nachhaltig investieren können. Bei freiem Eintritt können sich Finanzprofis und Neueinsteiger über neue Trends, Entwicklungen und Angebote am Markt für ethisch und ökologisch einwandfreies Investment verschaffen. Abgerundet wird die Messe mit einem umfangreichen Vortagsprogramm rund um das „grüne“ Geld. Mehr zur Veranstaltung lesen Sie hier

   
ECOreporter.de: Frau Wozniak, Sie sind Wirtschaftsmathematikerin und Aktuarin. Nicht zuletzt deshalb gelten Sie als Expertin für Risikomanagementsysteme. Werden Sie als solche auch für Green City Energy aktiv?

Andrea Wozniak:
  Der bewusste und verantwortungsvolle Umgang mit Risiken ist für mich in einer Vorstandsposition selbstverständlich. Also werde ich meine diesbezügliche Erfahrung auf jeden Fall einfließen lassen können.


ECOreporter.de: Wo liegen die Schwerpunkte ihrer neuen Tätigkeit?

Wozniak: Mein inhaltlicher Schwerpunkt liegt bei der Organisationsentwicklung der Green City Energy, die ja in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Dabei kümmere ich mich sowohl um die Organisations- als auch die Personalentwicklung. In beidem steckt großes Potential, gerade in einem Zukunftsmarkt wie der Erneuerbare-Energien-Branche. Mir ist dabei wichtig, positiv zu führen und den Mitarbeitern ein effizientes, stabiles und wertschätzendes Arbeitsumfeld zu stellen, in welchem Entwicklung und angenehmes Arbeiten möglich sind und gleichzeitig die Profitabilität und Produktivität im Fokus bleibt.


ECOreporter.de:  Ein Ziel, das Sie sich gesetzt haben, ist es, mehr Kapital weitere Ökostromprojekte von Green City Energy einzuwerben. Bislang setzt Green City Energy dabei stark auf Privatanleger. Soll das so bleiben, oder wenden Sie sich künftig stärker Institutionellen Investoren zu?

Wozniak:
  Als Tochter einer gemeinnützigen Umweltorganisation stehen wir für eine demokratische Energiewende. Wir bieten unsere ökologischen Geldanlagen also auch weiterhin hauptsächlich den Bürgern an. Unsere Zugänge zu den Privatanlegern wollen wir jedoch stärker differenzieren: Neben unserem starken Direktvertrieb wollen wir das Geschäft über Vertriebspartner noch weiter ausbauen. Darüber hinaus sind Genossenschaften, hinter denen ja letztlich auch Privatanleger stehen, ein interessanter Markt. Gleichzeitig bauen wir aber auch das Geschäft mit ausgewählten institutionellen Investoren, die unsere ökologische Wertehaltung teilen, aus.


ECOreporter.de:  Wäre ein Börsengang eine Alternative, um weiteres Kapital für das Projektgeschäft einzuwerben, oder ist das Markumfeld dazu aktuell zu riskant?

Wozniak:  Wir sehen in der Emission von börsennotierten Inhaberschuldverschreibungen durch die jeweiligen Beteiligungsgesellschaften eine weitere  Finanzierungsmöglichkeit. Insbesondere kann durch die damit gegebene Handelbarkeit der Anleihen ein echtes Manko der geschlossenen Fonds gelöst werden.


ECOrepoerer.de:  Aktuare betrachten und bewerten finanzielle Risiken – unter anderem von Kapitalanlagen. Green City Energy hat bislang vor allem geschlossene Fonds beziehungsweise AIF und Anleihen auf den Markt gebracht. Welche dieser Beteiligungsformen sind aus Anlegersicht weniger riskant?


Wozniak:   Zuallererst ergibt sich das Risiko bei beiden Produktformen aus der zugrunde liegenden Beteiligung. Konservative, vorsichtige Wertansätze und ein solider Ankaufsprozess von bereits entwickelten Projekten beziehungsweise  gebauten Anlagen minimieren das Risiko für den Anleger in erster Linie.
Letztlich bedienen geschlossene Fonds  beziehungsweise Anleihen unterschiedliche Ansprüche an eine Geldanlage und daher auch verschiedene Anlagetypen. Geschlossene Fonds haben keine feste Verzinsung sondern ertragsabhängige Ausschüttungen. Die Versteuerung läuft dabei über den persönlichen Steuersatz. Eine Anleihe bietet eine fest terminierte jährliche Zinszahlung und wird nach dem Abgeltungssteuersatz versteuert.

Bild: Unter anderem über Anleihen sind Green-City-Energy-Anleger auch in Wasserkraftwerke investiert. / Foto: Unternehmen


ECOreporter.de: Sie haben viel Erfahrung im Bereich Versicherungen. Wird die Green City Energy AG ihr Kapitalanlagen-Angebot künftig in diese Richtung erweitern?

Wozniak:  Ich träume noch von einer echten Sachwertpolice im Lebensversicherungsbereich. Das heißt, der Kunde kann sich mit seiner Fondsgebundenen Versicherung unmittelbar an einem Alternativen Investmentfonds im Erneuerbaren Energien Bereich beteiligen. Leider gibt die deutsche Gesetzgebung das bislang noch nicht her.  

ECOreporter.de: Der Markt für nachhaltige Geldanlagen ist im Wandel. Crowdinvesting ist auf dem Vormarsch. Ist das auch ein Weg für Green City Energy?

Wozniak:  Aktuell beobachten wir den Markt für Crowdinvesting genau. Das ist eine interessante Option!

ECOreporter.de: Green City Energy setzt in Deutschland derzeit unter anderem auf Windkraftvorhaben. Ab 2017 werden solche Vorhaben hierzulande aller Wahrscheinlichkeit nach über Ausschreibungen der Bundesnetzagentur vergeben. Was bedeutet das für Projektentwickler und den Markt für Ökostrom-Direktbeteiligungen?

Wozniak:  Es liegt hiernoch keine Gesetzgebung vor, wir gehen aber in der Tat von der Einführung des Ausschreibungsmodells aus. Aus unserer Sicht werden es kleine Projektentwickler oder Genossenschaften sehr schwer haben, sich an den Ausschreibungen zu beteiligen. Einige werden sogar aus dem Markt ausscheiden müssen oder nur noch als Projektpartner mit größeren Unternehmen zusammenarbeiten, welche die Ausschreibung gewonnen haben. Natürlich beschneidet das die Möglichkeiten zu Bürgerinvestitionsmodellen. In den Ländern, die das Ausschreibungsmodell bereits eingeführt haben, lässt sich außerdem langfristig sogar ein Anstieg der Strompreise beobachten.

Bild: Green City Energy will über 2017 hinaus Windkraftanlagen in Deutschland realisieren. / Foto: Unternehmen (Ibeler)


ECOreporter.de: Muss die Green City Energy AG ihre Strategie am Windkraftmarkt anpassen?

Wozniak:
 Mit unserer Unternehmensgröße werden wir erfolgreich an Ausschreibungsmodellen teilnehmen können. Wir sind auch als Partner mit langjähriger Expertise im Bereich lokale Projektentwicklung für größere Projektpartner von großem Wert.

ECOreporter.de:  Wenden Sie sich mit Erneuerbare-Energien-Vorhaben künftig noch stärker dem Ausland zu?

Wozniak:
  Wir werden natürlich weiterhin in Deutschland projektieren; im Bereich Windenergie konzentrieren wir uns dabei auf Süddeutschland. Trotzdem haben wir ja schon begonnen, uns auch in ausgewählten anderen europäischen Märkten zu positionieren. Aktuell betrifft das Photovoltaik und Wasserkraft in Frankreich und Wasserkraft in Norditalien. Wir beschäftigen uns derzeit außerdem intensiv damit, ein weiteres europäisches Land in unsere Geschäftstätigkeit aufzunehmen.

ECOreporter.de:  Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Wozniak.

Näheres zur Berufung von Andrea Wozniak in den Vorstand der Green City Energy AG lesen Sie hier. Näheres über das Unternehmen selbst lesen Sie in diesen   Kurzprofil.

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