Nachhaltige Aktien, Meldungen

6.3.2007: " Die größte Sorge von Fondsmanagern ist es, am Ende der Performancelisten aufzutauchen" - ECOreporter.de-Interview mit Hans Berner, Manager des nachhaltigen Aktienfonds Meridio GreenBalance

Zu Wochenbeginn hält sich die Unsicherheit an den Börsen. Auf breiter Front brachen die Kurse ein, auch Umwelttitel konnten sich dem Trend nicht entziehen. Wie verhalten sich erfahrene Investoren in dieser Situation? Bieten sich jetzt attraktive Einstiegschancen oder ist ein weiterer Kurseinbruch zu befürchten? Wir sprachen darüber mit Hans Berner, Manager des nachhaltigen Aktienfonds Meridio GreenBalance und nach eigenen Angaben "dienstältester Öko-Fondsmanger Deutschlands" (seit 18 Jahren).


ECOreporter.de: Herr Berner, die Unsicherheit an den Börsen hält an. Auch heute haben die Kurse auf breiter Front nachgegeben. Wie verhält sich ein "alter Hase" wie Sie in diesem schwierigen Umfeld?
Hans Berner: Ich glaube, dass wir aufgrund der großen Vernetzung der Finanzmärkte zunehmend solche Wellenbewegungen haben werden - sowohl nach unten als auch nach oben. Früher brauchte es eine Weile, bis sich Informationen zu Ereignissen wie jetzt in China weltweit verbreitet haben. Heute ist das anders, jeder bekommt alles sehr schnell mit. Durch die professionellen Investoren wird das noch angeheizt. Die größte Sorge von Fondsmanagern ist es zum Beispiel, am Ende der Performancelisten aufzutauchen. Deshalb verkaufen sie in so einer Situation. Sie verkaufen auch, wenn sie womöglich eben erst eingestiegen sind und auch auf die Gefahr hin, teurer wieder einzusteigen.

Wir versuchen es anders zu machen: Wenn Titel stark steigen, sind wir eher bereit, sie abzustoßen; natürlich immer mit dem Ziel, sie später günstiger wieder zurück zu kaufen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Am Montag letzter Woche (26. Februar), dem letzten Tag vor dem Kurssturz, hatten wir 26 Prozent Liquidität in unserem Fonds. Wir hatten in der Vorwoche unter anderem unsere gesamte Position der REpower Systems AG verkauft. Aus unserer Sicht war die Phantasie im Zusammenhang mit dem Übernahmekampf zwischen Areva und Suzlon ausgereizt.


ECOreporter.de: Worin sehen Sie die Ursache für die aktuelle Verunsicherung an den Börsen?
Berner: Das ist der Herdentrieb. Und natürlich sind es auch die gestiegenen Kurse, viele sind inzwischen wieder auf dem Niveau es Jahres 2000 angekommen. Allerdings stehen die Unternehmen im Vergleich dazu heute viel besser da.
Ein weiteres wichtiges Moment sind psychologische Aspekte: Professionelle Anleger sorgen sich um die Sicherung ihrer Buchgewinne; Späteinsteiger sind unsicher, ob sie den Zug nicht doch verpasst haben. Wenn dann die Konsolidierung kommt, rutschen die Kurse auf breiter Front ab.

Fundamental sehe ich keinen Grund für eine Baisse. Es gibt keine großen geopolitischen Veränderungen. Auch mögliche Gefahren wie ein Krieg zwischen den USA und dem Iran sind nicht akut, die geopolitischen Verhältnisse sind relativ stabil. Und die Währungsblöcke stehen in ausgewogenem Verhältnis zueinander.

Der Einbruch der Shanghaier Börse war der Auslöser für die Konsolidierung, auf die eigentlich alle gewartet haben. Schließlich ging es im Vorfeld einfach immer weiter nach oben. Klassischerweise ist die Korrektur bei den zehn Prozent Minus, die jetzt erreicht wurden, beendet. Möglicherweise dauert es diesmal aber auch noch ein wenig. Es ging alles sehr schnell und bestimmte Folgereaktionen sind sicher noch nicht vollständig in den Kursen enthalten. Es gibt beispielsweise viele Anleger, die mit Hilfe von Krediten Aktien kaufen. Die geraten unter Druck, wenn die Beleihungswerte sinken, wenn die Bank jetzt ihr Geld einfordert. Was tun sie? Sie verkaufen weitere Aktien, um die Zahlungen zu leisten - die Kurse fallen nochmals.

Ich glaube allerdings, dass zumindest die privaten Investoren jetzt nicht mehr verkaufen, sondern eher wieder einsteigen. Ich würde jede Wette eingehen, dass es nicht noch einmal zehn Prozent nach unten geht!

Nachhaltige Aktien haben den Einbruch übrigens besser verkraftet als konventionelle Titel. Während der DAX schon den gesamten Gewinn seit Jahresbeginn verloren hat, steht unser Fonds jetzt auf dem Stand von Anfang Februar.
Einzelne Titel haben natürlich stark gelitten, das hängt auch damit zusammen, dass sie meist nicht so groß sind. Wenn 100.000 Aktien einer SolarWorld AG verkauft werden, hat das sofort Einfluss auf den Kurs. Bei einer Deutschen Telekom AG wäre das dagegen nicht der Fall.


ECOreporter.de: Wie beurteilen Sie die fundamentale wirtschaftliche Lage?
Berner: Die Zahlen der Unternehmen sind extrem gut, besonders im Ökosegment. Die Firmen haben weltweit ihre Hausaufgaben gemacht. Zudem gibt es genügend Liquidität am Markt - obwohl die Zinsen schon ein wenig gestiegen sind. Ich erwarte für 2007 ein gutes Jahr an den Börsen und bis Frühjahr 2008 gute Kurse.


ECOreporter.de: Bieten sich nach der Korrektur denn schon wieder Kaufkurse? Wo lohnt sich der Einstieg?
Berner: Ganz klar, wir haben jetzt wieder Kaufkurse. Wer Qualitätstitel schon länger beobachtet und sich ein genaues Bild von den Bewertungsverhältnissen gemacht hat, hat jetzt die Chance, günstig einzusteigen. Die Kursabschläge betragen in Einzelfällen bis zu 20 Prozent.

Eine andere Möglichkeit sind Zertifikate: Wir haben in der vorletzten Woche beispielsweise Teile unserer Position in SolarWorld verkauft. Wir sind aber weiterhin von dem Unternehmen überzeugt. Der Wiedereinstieg muss nicht unbedingt direkt erfolgen. Anleger können auch Discount-Zertifikate auf Aktien des Unternehmens kaufen, wie sie unter anderem die Bank Sal Oppenheim anbietet. Die Zertifikate sichern den Einstieg gegen einen weiteren Kursverfall von etwa zehn Prozent nach unten ab. Wer mehr auf Sicherheit setzen will, kann alternativ auch eine Aktienanleihe wählen, dort sind zurzeit bis zu 20 Prozent Rendite jährlich möglich.

Die langfristigen Wachstumschancen im Bereich der Umwelttitel sind im Moment besonders gut. Auch in zehn Jahren werden diese Unternehmen noch gutes Geld verdienen - oder ein Großer hat sie bis dahin übernommen.

ECOreporter.de: Herr Berner, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bild: Hans Berner / Quelle: Unternehmen
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