JA Solar hat die Produktion von Solarmodulen ausgebaut und will sie 2017 erweitern. Doch kann der Solarkonzern diese Kapazitäten auch 2018 noch auslasten? / Foto: JA Solar

21.03.17 Aktientipps

Aktie von JA Solar im Aufwind – Strohfeuer oder Trendumkehr?

Die Solar-Aktie von JA Solar war stark abgestürzt, nachdem wir im Sommer 2016 vom Investment in chinesische Solarktien abgeraten haben. Seit Jahresbeginn 2017 hat sich der Aktienkurs des Solarkonzerns aber gefestigt. Nach starken vorläufigen Zahlen erholte sich die Solaraktie an der Nasdaq zuletzt sogar deutlich auf 5,3 Dollar. Und sie ist jetzt 40 Prozent billiger als vor einem Jahr. Sollten Anleger nun in JA Solar investieren?

Die vorläufigen Zahlen, die der Solarkonzern aus Peking vor wenigen Tagen veröffentlichte, sprechen anscheinend für das das Unternehmen. Es ist demnach in 2016 stark gewachsen. JA Solar hat Solartechnik mit einer Gesamtkapazitzät von 4,9 Gigawatt (GW) an Kunden ausgeliefert, zudem weitere 0,3 GW an eigene Solarparks von JA Solar. Das entspricht im Vergleich zu 2015 einem Plus von 25 Prozent. Mit diesen ausgelieferten 5,2 GW war die auf 5,5 GW erweiterte Produktion fast vollständig ausgelastet.

Der Jahresumsatz kletterte umgerechnet von 1,9 Milliarden auf 2,3 Milliarden US-Dollar. Auch den Jahresgewinn hat JA Solar kräftig gesteigert. Der operative Gewinn erhöhte sich 88,5 Millionen auf 103,6 Millionen US-Dollar, der Gewinn je Aktie von 1,52 auf 2,10 Millionen US-Dollar.

Baofang Jin, Chairman und CEO von JA Solar, will den Wachstumskuss in 2017 fortsetzen. Er kündigte den Ausbau der Produktionskapazitäten bei Solarmodulen auf 6,0 GW an. Im Bereich Solarzellen, die ja zu Solarmodulen gebündelt werden, sollen sie sogar auf 7,0 GW ansteigen. Auch will JA Solar mehr Solarwafer selbst fertigen und weniger einkaufen. Solarzellen werden aus Solarwafern geschnitten.

Zuletzt war die Nachfrage aus China besser als erwartet

In unserem  Aktientipp vom Juni 2016  hatten wir vor erhöhten Absatzrisiken bei JA Solar und anderen Solarkonzernen gewarnt, die stark vom chinesischen Solarmarkt abhängen. JA Solar hat 2016 rund 43 Prozent des Absatzes in China erwirtschaftet. Dort aber ist der Solarmarkt heißgelaufen. Im vergangenen Jahr wurden in der Volksrepublik neue Solaranlagen mit einer Gesamtkapazität von rund 34 GW neu installiert. Damit hat sich dieser Solarmarkt in nur einem Jahr in etwa verdoppelt.

Schon in 2015 war der Zubau mit rund 11 GW alles andere als gering, in 2016 jedoch hat er sich verdreifacht. Zum Vergleich: Nach China erreichten die USA weltweit die meisten Neuinstallationen – mit insgesamt rund 15 GW.

JA Solar profitierte von dem beschleunigten Solarboom in China, hatte jedoch auch Glück, dass der Einschnitt bei der chinesischen Solarförderung zur Jahresmitte 2016 das Wachstum nicht ausbremsen konnte. Dazu trug aber wesentlich bei, dass die Regierung für 2017 weitere Einschnitte angekündigt hat, nachdem der Eingriff in 2016 das Wachstumstempo kaum verlangsamte.

Baofang Jin, der CEO (Chief Executive Officer) von JA Solar, rechnet für 2017 damit, dass der chinesische Solarmarkt im ersten Halbjahr 2017 ähnlich stark wachsen wird wie in den ersten sechs Monaten von 2016. Und dass sich dann aber das Wachstum verlangsamen wird. Das erscheint plausibel, denn erst in der zweiten Jahreshälfte dürften die erneuten Einschnitte greifen. Dafür ist davon auszugehen, dass viele Investoren alles daran setzen  werden, geplante Projekte im ersten Halbjahr umzusetzen, um noch die aktuelle Solarförderung beanspruchen zu können. Doch was dann?

Die Abhängigkeit vom Heimatmarkt China ist groß

Die chinesische Regierung muss bei der Solarförderung stark auf die Bremse treten, da die Kosten völlig aus dem Ruder gelaufen sind. Mit der Förderung wollte sie erreichen, dass der chinesische Solarmarkt bis 2020 auf 105 GW wächst. Das war auch sehr ehrgeizig, hatte es doch zu Beginn dieses Jahrzehnts in China nur Solaranlagen mit insgesamt deutlich unter einem GW gegeben.

Doch nach der Einführung der Solarförderung explodierte der Markt. Er erreichte bis Ende 2016 bereits rund 77 GW. Ein weiterer Vergleich: Deutschland ist mit etwas über 40 GW weltweit der zweitgrößte Solarmarkt nach China. Das bedeutet, dass schon ein Wachstum wie in 2016 ausreicht, um das chinesische Ziel von 105 GW in 2020 zu erreichen. Und die Wahrscheinlichkeit wird immer größer, dass die chinesische Regierung zu einer massiven Abbremsung des Solarmarktes gezwungen ist, vielleicht sogar zu Vollbremsung. Und das schon in 2018.

Dies aber würde JA Solar hart treffen, denn wie könnte der Solarkonzern dann eine auf sieben GW aufgepumpte Produktion auslasten? Die bisherigen auf das China-Geschäft entfallenden 43 Prozent des Jahresabsatzes kann der Konzern kaum in der Nachbarschaft absetzen. Denn in der Region Asien/Pazifik hat JA Solar schon 2016 mit rund 40 Prozent der Auslieferungen fast ebenso viel Solartechnik abgesetzt wie in China. Und in den USA erschweren Importzölle auf Solartechnik aus China das Geschäft, während in Europa die Nachfrage auf niedrigem Niveau stagniert.

JA Solar ist hoch verschuldet

Mithin wächst die Gefahr großer Lagerbestände, die JA Solar abschreiben müsste. Und die Gefahr massiv sinkender Einnahmen. Ganz abgesehen davon, dass schon jetzt ein Überangebot im Weltmarkt für Solarmodule die Preise unter Druck setzt, bei einem massiven Nachfragerückgang in China sogar ein Preisabsturz droht.

Darauf aber in wäre JA Solar denkbar schlecht vorbereitet. Denn der starke Ausbau der Produktion wurde mit hohen Schulden erkauft. Laut den vorläufigen Zahlen summierten sich die Verbindlichkeiten von JA Solar Ende 2016 auf rund 900 Millionen US-Dollar. Davon entfällt fast die Hälfte auf kurzfristig zu bedienende Darlehen. Dem standen nur rund 370 Millionen US-Dollar an flüssigen Mitteln gegenüber.

Fazit

An der Nasdaq stießen die vorläufigen Zahlen für 2016 und die Ankündigung weiteren Wachstums von JA Solar auf ein positives Echo. Die Solar-Aktie legte zweistellig zu. Nach langer Talfahrt von August bis Dezember 2016 notierte sie auf Sicht von drei Monaten mit 5,3 Dollar an der Nasdaq zum Börsenschluss am Montag leicht im Plus.

Für Zocker kann es Sinn machen, sehr kurzfristig auf weitere Kurszuwächse der Aktie von JA Solar zu setzen. Allen anderen Anlegern raten wir jedoch von dem Investment ab. Auch wenn ein Teil der beschriebenen Absatzrisiken im aktuellen Kurs der Solaraktie bereits eingepreist sind: Die Gefahr weiterer deutlicher Kursrückgänge auf mittlere Sicht ist groß. Dieses Risiko steht in keinem Verhältnis zur Chance auf Kurszuwächse infolge guter Nachrichten im ersten Halbjahr von 2017.

JA Solar Holdings Co. Ltd.: ISIN US4660902069 / WKN A1J87E
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