Aufbau eines Solarkraftwerkes von First Solar. Während SolarWorld ebenfalls als Solarhersteller in den USA aktiv ist, hat der Solarkonzern aus Bonn dort im Projektgeschäft noch nicht Fuß fassen können. / Quelle: Unternehmen

  Aktientipps

Aktien von SolarWorld und First Solar vor dem Kurssprung?

Trotz einer insgesamt schwachen Geschäftsentwicklung in 2013 hat sich
der Aktienkurs von First Solar auf Jahressicht mehr als verdoppelt. Zuletzt hatte vor allem eine zuversichtliche Prognose des Solarkonzerns aus Tempe im US-Bundesstaat Arizona für den Geschäftsverlauf ab 2015 der Aktie neuen Auftrieb gegeben. Davor aber hatten viele Börsianer verschreckt darauf reagiert, dass das Unternehmen Anfang März Zahlen für 2013 veröffentlichte, die unter der Prognose lagen. Kurzzeitig verlor der Anteilsschein daraufhin deutlich an Wert. Doch dadurch wurde offenbar das Vertrauen in den Solarkonzern nicht nachhaltig erschüttert. Auf die neueste Prognose folgte ein Kurssprung von über 20 Prozent in nicht einmal zwei Wochen.

Der US-Analyst Shahriar Pourreza beobachtet für die Citigroup die Aktie von First Solar und rechnet mit weiteren starken Kusgewinnen für den Anteilsschein des Solarkonzerns. Der notiert heute früh in Frankfurt bei 50 Euro und damit auf Jahressicht um 134 Prozent im Plus. An der Nasdaq ging er am Freitagabend mit 69,7 Dollar aus dem Handel. Pourreza rät zum Kauf der Aktie und nennt als Kursziel für die nächsten zwölf Monate 87 Dollar. Das sind umgerechnet 63,4 Euro.

Nach Einschätzung von Shahriar Pourreza ist die Prognose, die First Solar vor rund zwei Wochen ausgegeben hat, noch konservativ ausgefallen. Das Unternehmen hatte einen Umsatzanstieg auf bis zu 4,3 Milliarden US-Dollar im kommenden Jahr und bis zu 4,5 Milliarden Dollar in 2016 in Aussicht gestellt. Der Gewinn je Aktie soll laut der neuen Prognose auf 4,50 bis 6,00 Dollar in 2015 klettern und in 2016 dann 3,50 bis 5,00 Dollar erreichen. Das wäre ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem laufenden Jahr, für das der Solarkonzern lediglich mit einem Umsatz von 3,7 bis 4 Milliarden Dollar und einem Gewinn je Aktie von 2,20 bis 2,60 Dollar rechnet. Im vergangenen Jahr hatte First Solar nur 3,3 Milliarden Dollar Umsatz erzielt nach 3,8 Milliarden Dollar in 2012. Mit einem Ergebnis je Aktie von 3,7 Dollar war das Unternehmen allerdings wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. First Solar in 2012 noch einen Verlust in Höhe von 1,1 Dollar je Aktie erwirtschaftet.

Shahriar Pourreza betont die Wachstumschancen, die der anhaltende Boom im Photovoltaik-Markt der Vereinigten Staaten First Solar in den Jahren bis 2016 bietet. Das Unternehmen ist der größte Solarprojektierer der USA und hat den Vorteil, bei seinen Projekten Module aus eigener Produktion verbauen zu können. First Soalr ist der weltweit größte Hersteller von Dünnschihct-Solarmodulen, die sich vor allem für große Solarfarmen eignen. In solche Großprojekte investieren vor allem Energieversorger, die in vielen US-Bundesstaaten  hohe Mindestmengen ihres Stromangebotes aus regenerativer Energie decken müssen. Sie zählen denn auch zu den wichtigsten Kunden von First Solar. Shahriar Pourreza geht davon aus, dass die Nachfrage nach Großprojekten von First Solar steigen wird und der Solarkonzern seine Produktion besser auslasten kann. Er könne daher kostengünstiger wirtschaften und zugleich bessere Preise erzielen. Der Analyst geht daher davon aus, dass First Solar die Marge steigern und noch bessere Gewinner erzielen wird als anvisiert.

Gelingt der SolarWorld AG ein erfolgreicher Neustart?

Dass sich der SolarWorld AG aus Bonn ähnlich gute Aussichten eröffnen, kann der Solarkonzern aus Bonn nur hoffen. Er hat erst um Februar eine harte Sanierung abgeschlossen, die vor allem zu Lasten der Altaktionäre und der Investoren ging, die in Anleihen des Unternehmens investiert hatten. Laut Stephan Wulf, Aktienanalyst von Warburg Research, steht der Solarkonzern aber jetzt wieder „auf einer soliden Grundlage“. Er rät zum Kauf der deutschen Solaraktie und nennt als Kursziel 21 Euro. Im Xetra notierte sie heute um 11 Uhr bei 16,5 Euro. Dabei ist zu beachten, dass es sich hierbei um die erst Anfang März in den Börsenhandel eingebrachten jungen Aktien von SolarWorld handelt. Der Kurs für die wenigen noch gehandelten alten Anteilsscheine war in den vergangenen Wochen stark gestiegen, weil Spekulanten sich mit Leerverkäufen verzockt hatten und deshalb gezwungen war, hohe Preise für die Anteilssscheine zu zahlen, um ihre Verpflichtungen bei den Termingeschäften zu erfüllen. Seit dem Abschluss der finanziellen Sanierung sind jetzt nur noch die jungen Aktien des Unternehmens von Bedeutung.

Bildhinweis: Solarzellenproduktion bei SolarWorld. Das Unternehmen aus Bonn kann auch nach der finanziellen Sanierung noch nicht profitabel wirtschaften. / Quelle: Unternehmen

Doch der Bonner Solarkonzern steht noch immer vor großen Herausforderungen. Für das Geschäftsjahr hatte er vor einem Monat einen weiteren Umsatzeinbruch um 25 Prozent nach vorläufigen Berechnungen gemeldet und für das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) einen Fehlbetrag von 192 Millionen Euro. Immerhin lag das Minus deutlich unter dem EBIT-Verlust von 620 Millionen Euro in 2012. Doch für das laufende Geschäftsjahr 2014 stellte die Führung von SolarWorld einen abermaligen EBIT-Verlust in Höhe von 20 bis 35 Millionen Euro in Aussicht. Man werde wohl erst in 2015 wieder ein positives operatives Ergebnis erzielen, hieß es dazu. Warburg-Experte schätzt die Chancen hierfür positiv ein.

Dagegen ist ECOreporter.de skeptisch. SolarWorld hat den Anschluss an die größten Solarkonzerne der Welt verloren. Die sitzen vor allem in China und profitieren im Gegensatz zu den Bonnern davon, dass sich der internationale Photovoltaikmarkt stark nach Asien verlagert hat. Dort wächst die Nachfrage für Solarkomponenten in riesigen Schritten, und SolarWorld bekommt von diesem Kuchen fast nichts ab. Chinesische Solarhersteller dagegen sichern sich große Anteile davon und können so immer großere Absätze erreichen, dabei durch die damit verbundenen Skaleneffekte immer günstiger produzieren und so ihren Preisvorteil gegenüber SolarWorld weiter ausbauen.

Zudem sind die Deutschen weiter stark vom Geschäft als Solarhersteller abhängig, während die größten Konkurrenten bereits im großen Stil auch als Projektierer arbeiten, so wie First Solar damit immer größere Teile der eigenen Produktion sicher auslasten und die Marge steigern können. Auch sichern diese Konkurrenten damit ihr Geschäft für den Fall ab, dass die Preise für Solartechnik wieder unter Druck geraten. Angesichts dieser Wettbewerbssituation dürfte es SolarWorld schwer fallen, wieder nue Marktanteile zu erobern. Der Solarkonzern hat zwar die Pleite mit Erfolg abgewendet und das Zeug, sich als einer von wenigen europäischen Solarherstellern im Markt zu behaupten. Das aber wird nach unserer Einschätzung kaum ausreichen, der Aktie nenneswerten Auftrieb zu verleihen.

SolarWorld AG:  ISIN DE000A1YDED6 / WKN A1YDED
First Solar: ISIN US3364331070 / WKN A0LEKM
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