Die Akzionäre der Teakholz International AG sprachen sich mehrheitlich gegen den Verkauf von Baumbeständen in Costa Rica aus. / Foto: Unternehmen

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Am Abgrund? - Die Teakholz International AG hofft auf ihre Gläubiger und neue Investoren

Das auf Tropen- und Edelholz spezialisierte Forstunternehmen Teakholz International (THI) AG  steht mit dem Rücken zur Wand: Zwar drückt ein Schuldenberg in zweistelliger Millionenhöhe das Unternehmen aus Linz in Österreich, dennoch sprachen sich die Aktionäre gegen den von der Führungsetage vorgeschlagenen Verkauf aller Plantagen in Costa Rica aus. Verhandlungen mit Gläubigern und potenziellen Investoren sollen dem Unternehmen kurzfristig Handelsspielräume eröffnen.

Der Verkauf aller Plantagen oder zumindest eines Teils der Bäume in Costa Rica sollte die schwer angeschlagene THI AG aus dem finanziellen Engpass befreien. Diesem Vorschlag der Unternehmensführung, der faktisch die Abkehr vom bisherigen Geschäftsmodell bedeutet hätte,  haben die Anleger mit großer Mehrheit eine Abfuhr erteilt. Mehr als 84 Prozent votierten nach Unternehmensangaben auf der jüngsten außerordentlichen Hauptversammlung in Wien gegen den Plan. Zuvor war von  Anlegern beantragt worden, die Abstimmung ganz von der Tagesordnung zu streichen. Ein zentrales Gegenargument der Aktionäre: Die Verbindlichkeiten hat THI zum großen Teil bei Anleihezeichnern und Banken. Der Verkaufserlös der Plantagen in Costa Rica käme damit vor allem diesen Gläubigern zugute. Einzelne Anleger äußerten sich entsprechend auf der emotionsgeladenen Veranstaltung.

32 Millionen Euro Schulden – Plantagenverkauf nicht vom Tisch

Ohnedies geht der Vorstand davon aus, dass der Verkauf aller Plantagen in Costa Rica die Schulden nicht decken würde. Diese belaufen sich nach Unternehmensangaben derzeit auf 32 Millionen Euro. 15,6 Millionen Euro davon beziehen sich auf eine Wandelanleihe, die bereits im August 2015 fällig wird. Weitere acht Millionen Euro kommen von Banken. Um THI vor der Insolvenz zu bewahren, verhandelt die Unternehmensführung mit den Gläubigern und potenziellen Investoren über eine Zwischenfinanzierung und ein Stillhalteabkommen. Dies soll zunächst bis April des laufenden Jahres für Handlungsspielraum sorgen.  Zudem plant THI einen Kapitalschnitt und eine Kapitalerhöhung. Das kündigte der Vorstand nach der Versammlung an.  Obwohl die Aktionäre den Verkauf der Plantagen in Costa Rica ablehnten, werde eine „Sondierung in Richtung Teil- oder Gesamtverkauf weitergeführt“,  so das Unternehmen.

Überhöhtes Gutachten als Baumschwund-Auslöser – „Plünderung unwahrscheinlich“

Ausgelöst wurde die Krise der THI durch schwere Fehler in der Buchführung über die Plantagenbestände in Costa Rica (ECOreporter.de  berichtete). Eine Inventur hatte ergeben, dass THI in Costa Rica wesentlich weniger Bäume besitzt als lange Zeit angenommen, nämlich 660,000 anstatt 1,3 Millionen. In der Hauptversammlung wurde das Ausmaß der Probleme in Costa Rica deutlich:  Bei der Versammlung machte THI Untersuchungsergebnisse zu dem Skandal bekannt: Schon im Einbringungsgutachten von 2006 seien sowohl die Pflanzfläche als auch die Bestockungsdichte (das Verhältnis von Bäumen zur Fläche) zu hoch angesetzt worden. „Auch das Verkehrswertgutachten zum Jahr 2006/07 wirft in dieser Hinsicht Fragen auf“, erklärt die Unternehmensführung weiter.

Weil das fehlerhafte Bewertungsmodell in die Bilanzen der Folgejahre eingegangen sei, seien diese „nach heutigen Erkenntnissen mutmaßlich auch fehlerhaft“, räumen die Verantwortlichen ein. Eine „Plünderung“ der Plantagen erscheine hingegen unwahrscheinlich, zumal die Durchforstungen nachvollziehbar seien, so die THI-Verantwortlichen: „Der heute ermittelte Bestand entspricht den zu erwartenden Werten, wenn man  von korrigierten Ausgangszahlen im Jahr der Einbringung ausgeht.“ Außerdem lasse der Vorstand  Mögliche zivil- und schadenersatzrechtliche Aspekte sowie allfällige Haftungsfragen intensiv prüfen, hieß es.

Teak Holz International AG: ISIN AT0TEAKHOLZ8 / WKN A0MMG7
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