Die Photon Holding hat ein neues Unternehmen gegründet, das das Kerngeschäft des insolventen Fachverlages Photon Europe GmbH fortführt. / Bildquelle: Unternehmen

12.06.13

Anleihe-Zeichner der Photon Power AG in die Irre geführt?*

Die Pleite des Solarzeitschriftenverlags Photon Europe GmbH kostet wohl auch die Anleger der Photon Power AG hunderttausende Euro. Das legt zumindest ein aktueller Bericht des Insolvenzverwalters nahe: Die Muttergesellschaft des insolventen Verlages hat dies gegenüber ECOreporter allerdings zurückgewiesen. Zudem gibt es weitere deutliche Widersprüche zwischen den Aussagen des Geschäftsführers der Photon-Gruppe und dem Bericht des Insolvenzverwalters.

Um die Ausgestaltung der Sanierung des insolventen Photovoltaik-Fachverlages Photon Europe GmbH wird offenbar hart gerungen. Der Eindruck drängt sich auf, wenn man die Photon Gruppe – die das Kerngeschäft des Verlages über eine neue Tochtergesellschaft weiterführt - mit einem aktuellen Bericht des Insolvenzverwalters André Seckler konfrontiert. ECOreporter hat das getan. Ergebnis: Beide Seiten zeichnen in vielen Punkten ein komplett unterschiedliches Bild vom Zustand des insolventen Verlages vom Januar 2010 bis zum Insolvenzantrag im Dezember 2012.

Aus dem Bericht des Rechtsanwalts Seckler von der Aachener Kanzlei Kebekus & Zimmermann geht hervor, dass der insolvente Verlag nicht nur gegenüber der Photon Holding GmbH Schulden in Millionenhöhe hat. Zu den Gläubigern aus der Unternehmensgruppe zählt demnach auch die 2011 gegründete Photon Power AG. Dieses Unternehmen ist auf den Bau und Betrieb von Solaranlagen in Deutschland spezialisiert. Dazu hatte Photon Power eine Anleihe herausgegeben, an der sich Privatanleger beteiligt haben. Aufgelegt wurden drei Anleihetranchen mit verschiedenen Laufzeiten und Verzinsungen. Bei Vollplatzierung hätte Photon Power insgesamt 16,2 Millionen Euro bei Anlegern eingeworben. Es wurden 7,2 Millionen Euro eingesammelt. „Es war nicht geplant, die theoretische Anleihesumme voll einzuwerben“, sagt Photon-Power Geschäftsführer Ralf Heuser. Schon allein wegen der verschiedenen Wahlmöglichkeiten bei den Anleihen habe Photon Power dies nicht erwartet. „Es war von Anfang an unwahrscheinlich, dass alle Anlagen gleichermaßen angenommen würden. Das haben wir auch kommuniziert“, so Heuser weiter.

*Der Artikel wurde einen Tag nach dem ursprünglichen Erscheinungsdatum aktualisiert


Anlegerschützer kritisieren Geschäftsgebaren innerhalb der Photon-Gruppe

Prekär: Obwohl die Photon Power AG im Anlageprospekt und im Werbematerial ausdrücklich versprach, das Geld der Anleger „nur für den Bau von Photovoltaikanlagen und die dafür anfallenden Nebenkosten“ zu verwenden, hat die das Unternehmen dem mittlerweile insolventen Photon-Verlag 1,5 Millionen Euro als kurzfristiges Darlehen zur Verfügung gestellt (hier erfahren Sie mehr). Philippe Welter, Gründer der Photon-Gruppe und Herausgeber des Fachmagazins Photon, sieht in dieser Transaktion nach wie vor keine Zweckentfremdung: „Bei jeder Projektrealisierung ergibt sich das Problem, dass zunächst Anlegergeld eingesammelt werden muss, bevor mit dem Bau begonnen werden kann“, so Welter. Wegen des Zins- und Risikoniveaus sei es eine Zwischenanlage auf Festgeldkonten oder in Staatsanleihen für diese Zeit bei der Photon Power AG nicht in Frage gekommen. Anlegerschützer kritisieren dieses Geschäftsgebaren. „Wenn Gelder von Anlegern mit dem Ziel eingeworben werden, Photovoltaikanlagen zu errichten, dann aber als Darlehen an einen Fachverlag gegeben werden, dann kann man aus unserer Sicht von einer Irreführung der Investoren sprechen“, kommentiert Daniel Bauer, Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger den Vorgang bei Photon. „Das Risikoprofil eines Verlages ist ja ein komplett anderes als das Risikoprofil einer durch staatlich garantierte Einspeisevergütungen Umsatz generierenden Photovoltaikanlage“, so Bauer weiter. Sein Fazit: „Wer Geschäfte nicht sauber trennen kann und Mittel nicht so verwendet, wie in Anzeigen und Flyern versprochen, sollte nicht das Vertrauen von Investoren genießen.“
Bildnachweis: Photon-Herausgeber Philippe Welter. Quelle: Unternehmen

Photon-Herausgeber Welter weist diese Vorwürfe von sich. Das Geld der Photon Power AG sei schließlich „kein langfristiges Darlehen“ gewesen und zum größten Teil schnell zurückgeflossen, argumentiert er. Allerdings waren bei der Insolvenz von Photon Europe noch mehrere hunderttausend Euro offen. Herausgeber Welter und Photon-Power-Geschäftsführer Heuser betonen gegenüber ECOreporter, das Darlehen sei bis auf 340.000 Euro zurückbezahlt gewesen. Erstaunlicherweise steht im Bericht des Insolvenzverwalters bezüglich des Schuldenstands des Pleite-Verlags gegenüber der Photon Power ein deutlich höherer Betrag: 456.000 Euro. „Dabei handelt es sich um den vorsorglich in die Insolvenztabelle eingetragenen Wert. Er ergibt sich aus der Hinzurechnung von Kostenpositionen und zu erwartenden Zinsen, da wir zum Zeitpunkt der Forderungsanmeldung von einem mehrjährigen Verfahren ausgegangen sind. Inzwischen hat Herr Seckler in Aussicht gestellt das Verfahren schon 2014 abzuschließen. Sollte sich diese Entwicklung abzeichnen, würde die Forderungsanmeldung wieder reduziert“, sagt Heuser.

Insolvenzverwalter André Seckler merkt in seinem Bericht von Anfang April 2013 an, dass zwischen der Photon Europe GmbH und Photon Power AG auch personell eine zu große Nähe bestand: Michael Schmela und Ralf Heuser, die beiden Geschäftsführer von Photon Power, also der Gesellschaft, die von Anlegern 7,2 Millionen eingesammelt hat, sind auch Mitgründer der Photon-Gruppe und Mitgesellschafter der Photon Holding GmbH. Schmela war überdies bei Photon Europe angestellt und firmiert heute als Chefredakteur des Magazins „Photon International“.

Insolvenz verschleppt?

Laut der Analyse des Insolvenzverwalters André Seckler von der Aachener Kanzlei Kebekus & Zimmermann, die ECOreporter.de vorliegt, wäre der einstige Vorzeige-Verlag der deutschen Solarbranche eigentlich schon Ende Januar 2010 zahlungsunfähig gewesen. Der Insolvenzantrag wurde allerdings erst am 13. Dezember 2012 gestellt, also beinahe drei Jahre später. Dazu Photon-Herausgeber Welter: „Der Zeitpunkt der Zahlungsunfähigkeit, die Herr Seckler gerne auf Anfang 2010 legen würde, ist strittig. 2010 war das bis dahin beste Jahr für den Verlag, der Abschluss weist einen Gewinn aus. 2011 konnten Umsatz und Gewinn gesteigert werden. Erst 2012, mit der Insolvenzwelle in der Solarbranche, kam es auch im Verlag zu einer Reihe von Forderungsausfällen.“ Erst diese hätten den Ausschlag für den Insolvenzantrag gegeben.

 Als kurz vor diesem Insolvenzantrag bekannt wurde, dass die Staatsanwaltschaft Aachen Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung aufgenommen hatte, hatte Herausgeber Philippe Welter Dezember 2012 allerdings gegenüber ECOreporter.de noch beteuert, die Photon Europe GmbH habe keinerlei finanzielle Schwierigkeiten (wir berichteten). Ein Blick in die Insolvenztabelle (Stand 11. April 2013) zeigt: Die dort angemeldeten Forderungen summieren sich auf rund 9,2 Millionen Euro. Neben Löhnen- und Honoraren von Mitarbeitern sind dort unter anderem zusammengenommen millionenschwere Forderungen von Krankenkassen und Finanzämtern, Mieten und Hotelrechnungen angemeldet. Welter verweist auf das Insolvenzrecht: „Ein Insolvenzverwalter ist gehalten, auch schon lange gezahlte Geldsummen an Lieferanten, Sozialversicherungsträger und etwa das Finanzamt zurück zu fordern und anschließend neu auszuschütten, um eine uneinheitliche Befriedung der Gläubiger zu vermeiden. Von allen Rückforderungen, die tatsächlich der Masse zufließen, gehen zunächst 40 Prozent an den Verwalter. Im Gegenzug dürfen die Gläubiger eine wesentlich höhere Summe zur Insolvenztabelle anmelden. Im konkreten Fall sind zum Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung aus tatsächlich offenen Rechnungen von rund 1,3 Millionen Euro deren 9,2 Millionen Euro geworden.“ Insolvenzverwalter Seckler weist in seinem Bericht jedoch darauf hin, dass der Insolvenzantrag letztlich erst durch mehrere Krankenkassen zustande gekommen sei. Welter beharrt jedoch darauf, die Geschäftsleitung sei sich „sicher rechtskonform gehandelt zu haben.“

Damit nicht genug: Bei der laufenden Insolvenz sollte Geld aus den Geschäften der – offiziell völlig eigenständigen – Photon Power AG (die eigentlich nur Solaranlagen baut und betreibt) als Sicherheit für die Übernahme der Altschulden der Photon Europe GmbH eingesetzt werden. Auch das geht aus dem Bericht des Insolvenzverwalters vor.

Will sich die „alte Riege“ die Möglichkeit sichern, den Verlag schuldenfrei weiterzuführen?

Dazu haben die elf Gesellschafter der Photon Holding, darunter die beiden führenden Köpfe der Photon Europe, Herausgeber Philippe Welter und Chefredakteurin Annegret Kreuzmann sowie die Geschäftsführer der Photon Power AG die Photon Publishing GmbH gegründet. Diese führt das Kerngeschäft der insolventen Vorgängerin schon fort. Es entstand ein Vorvertrag („Letter of Intent“) zwischen dem Insolvenzverwalter und der neuen Photon Publishing GmbH, der im Januar 2013 unterzeichnet wurde.  Welter zufolge hat die neue Photon Publishing die materiellen und immateriellen Werte von Photon Europe für nur 119.000 Euro gekauft. Dabei seien 64.000 Euro bar bezahlt, der Rest über Einnahmen von Photon-Publishing aus dem fortgeführten Verlagsgeschäft verrechnet worden. Dazu Welter: „Photon Europe sind Einnahmen zugeflossen Gelder zugeflossen weil Kunden irrtümlich an die alte Bankverbindung der Photon Europe überwiesen hatten.“ Desweiteren existiere ein Vorvertrag über den Kauf der Altforderungen von Photon Europe durch Photon Publishing. Diese sei allerdings noch nicht vollzogen, „da der Insolvenzverwalter für die Zahlung in Raten eine Bürgschaft haben möchte“, so Welter. Diese beläuft sich auf 400.000 Euro.

Photon-Power-Einnahmen als Sicherheit angeboten

Der Herausgeber gesteht ein: „DiePhoton Publishing hat eine Bürgschaft angeboten“ Nur die geforderte Bankbürgschaft habe die Firma nicht erbringen können. Stattdessen bot das Unternehmen dem Bericht des Rechtsanwalts Seckler zufolge an, Einnahmen aus der Solarstromproduktion der Photon Power AG als Sicherheit abzutreten. Dabei ist von 87.500 Euro jährlich die Rede. Geld, das die mit Anlegergeldern finanzierten Photon Power-Solaranlagen erwirtschaften. Photon-Power-Geschäftsführer Heuser bestätigt das Angebot auf Anfrage von ECOreporter.de Für die Anleger sei dies jedoch nicht von Nachteil, findet Photon-Macher Welter. Er behauptet: „Die Photon Power AG hat die Anleihezinsen bislang immer planmäßig ausgeschüttet. Insgesamt hat das Unternehmen zehn Millionen Euro in Solaranlagen investiert. Aus den Stromerträgen wird Photon Power in den kommenden 20 Jahren 20 Millionen Euro Rückflüsse generieren.“ Allein deshalb würde der als Sicherheit angebotene Ertrag von 87.500 Euro im Jahr letztlich nur die Gewinnausschüttung der Photon Holding schmälern, nicht aber die der Anleger. Es ergäbe sich damit also keine substanzielle Gefährdung der Photon Power AG aus einer solchen Bürgschaft, sagt Welter.
Bildnachweis: Solaranlage der Photon Power AG. / Quelle: Unternehmen

Der Gläubigerausschuss der insolventen Photon Europe GmbH lehnte die Besicherung durch Erträge von Photon Power jedoch als zu riskant ab. Begründung: Für den Fall, dass die Sicherheit in Anspruch genommen werden müsste, dauere es „nahezu fünf Jahre bis zum vollständigen Ausgleich“. Außerdem, so die weitere Begründung „war nicht bekannt, ob die Forderungen der Photon Power AG werthaltig sind und ob Eigentumsvorbehaltsansprüche von Lieferanten gegenüber der Photon Power AG“ bestehen. Diese hätten - so die Befürchtung - gelieferte Technik möglicherweise wieder demontieren können, was den Ausfall der Einnahmen bedeutet hätte.  

ECOreporter.de hatte die Anleihe der Photon Power AG im Februar 2011 einem ECOanlagecheck unterzogen und vom Einstieg abgeraten (per Mausklick gelangen Sie zu dem Beitrag).

Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x