Offshore-Windpark: Die auf See erzeugte Windenergie etabliert sich weiter im deutschen Strommix. Allerdings rechnet die Branche in den kommenden Jahren mit Schwierigkeiten. / Foto: EnBW

19.01.17 Erneuerbare Energie

Ausbau der deutschen Offshore-Windkraft schwächelt

Im Jahr 2016 gingen in Deutschland 156 Offshore-Windkraftanlagen mit einer Leistung von 818 Megawatt (MW) neu ans Netz: Das sind deutlich weniger als noch in 2015, wo 2.263 MW neu ans Stromnetz angeschlossen wurden. Zum Jahresende waren insgesamt 947 Anlagen auf See mit einer Gesamtleistung von 4.108 MW installiert. Die Stromerzeugung aus Windenergie auf See betrug 2016 etwa 13 Terawattstunden. Das entspricht einem Anstieg um fast 57 Prozent im Vergleich zu 2015 mit 8,3 Terawattstunden. Diese Zahlen teilte die Windenergie-Agentur WAB mit, ein Unternehmensnetzwerk für Windenergie in der Nordwest-Region und Experte für die Offshore-Windenergiebranche in Deutschland. Der jährliche "Status des Offshore-Windenergieausbaus in Deutschland" wird von dem Beratungsunternehmen Deutsche WindGuard erhoben.

Die Wind-Branche bewertet den Zubau alles in allem positiv: Weitere 21 Anlagen mit zusammen 123 MW Leistung wurden vergangenes Jahr vollständig errichtet und werden derzeit ans Netz angeschlossen. Der Ausbau auf See werde mit etwa 1.400 MW in 2017 und danach mit durchschnittlich etwa 1.000 MW pro Jahr bis 2019 kontinuierlich laufen, hieß es.

Die Offshore-Windenergie etabliere sich weiter im deutschen Strommix und versorge rund 3 Millionen Haushalte mit Strom. Das entspricht etwa der Anzahl aller Haushalte in Berlin und Brandenburg. Aufgrund optimierter Anlagentechnologien und Betriebskonzepte rechnet die Branche auch für Deutschland mit Kostenreduktionen bei den bevorstehenden Ausschreibungen. Diese Dynamik werde allerdings durch die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2017 reduzierten Ausbauziele nach 2020 gebremst, hieß es.

Offshore-Windparks: Kostensenkung auch in Deutschland erwartet

Die jüngsten Ausschreibungsergebnisse in Dänemark und den Niederlanden zeigten, dass die Kosten bei entsprechenden Projektvolumina deutlich sinken. Das sei hierzulande ebenfalls zu erwarten, auch wenn die Bedingungen in den genannten Staaten nicht eins-zu-eins auf Deutschland übertragbar seien: "Laufzeit und Leistungsvolumen, die sich ganz wesentlich auf die Projektkosten der Windparks auswirken, variieren. Im Gegensatz zu Deutschland müssen die Betreiber in Dänemark und den Niederlanden zudem die Kosten für die Umspannplattform nicht selbst tragen", so die Windenergie-Agentur. Außerdem liegen die Projekte dort deutlich näher an der Küste und in flacherem Wasser, was geringere Kosten verursache.

Kritisch werde die Situation der Industrie absehbar mit dem Blick auf die Jahre 2021 und 2022, für die die Bundesregierung den Zubau auf jeweils 500 MW beschränkt habe, hieß es. Das reduzierte Ausbauvolumen und die starr festgelegten Jahresmengen belasteten die Wertschöpfung der Offshore-Windindustrie am Standort Deutschland aufgrund des langen Vorlaufs der Produktion schon in den nächsten Jahren. Dies überschatte die positiven Änderungen des EEG 2017 im Dezember wie die Verlängerung der zulässigen Betriebsdauer der Anlagen über den EEG-Förderzeitraum hinaus auf 25 Jahre.

Der jährliche "Status des Offshore-Windenergieausbaus in Deutschland" wird von der Deutschen WindGuard ermittelt. Seit 2012 werden die Ausbauzahlen für die Windenergie auf See gesondert von jenen der Windenergie an Land erhoben. Die Auftraggeber sind VDMA Power Systems, Bundesverband WindEnergie BWE, die Stiftung Offshore-Windenergie und die Windenergie-Agentur WAB sowie die Arbeitsgemeinschaft Offshore-Windenergie AGOW. Die Jahreszahlen 2016 zur Windenergie an Land werden am 7. Februar 2017 vorgestellt.
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