Dire Börsianer fassen die Aktie von SolarWorld schon länger nur noch mit spitzen Fingern an. Denn Vorsicht ist hier ebenso geboten wie bei diesem Eingangstest von Wafern, den hier ein Mitarbeiter des Solarkonzerns durchführt. / Quelle: Unternehmen

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Bahn frei für Sanierung von SolarWorld - Zweifel an Comeback

Gestern Morgen um neun Uhr hatte die Hauptversammlung der SolarWorld AG begonnen, die über das Schicksal des Unternehmens entscheiden musste. Und erst am späten Abend konnten sich die Aktionäre mit ausreichender Mehrheit dazu durchringen, dem Sanierungsplan zuzustimmen. Damit entgeht der hoch verschuldete Solarkonzern aus Bonn vorerst der Pleite, die sonst unumgänglich gewesen wäre. Die Aktionäre jedoch verlieren ihre Beteiligung fast vollständig. Wer bislang 150 SolarWorld-Aktien besaß, besitzt fortan nur noch eine. Und muss damit einen weiteren Wertverlust um rund 95 Prozent hinnehmen, nachdem der Anteilsschein ohnehin zum Pennystock abgesunken ist.

Diesen harten Kapitalschnitt sieht das Rettungskonzept vor (wir haben darüber berichtet), dem wenige Tage zuvor auch die Mehrheit der Anleihegläubiger zugestimmt hatte. Die verzichten auf 55 Prozent ihrer Ansprüche und erhalten im Gegenzug Aktien zugesprochen. Von der geplanten Kapitalheraufsetzung sind die Altaktionäre ausgeschlossen.

Vor allem kritische Fragen, verbunden mit schweren Vorwürfen an Konzernchef Frank Asbeck, hatten gestern dazu geführt, dass die entscheidende Abstimmung sich  bis zum späten Abend verzögerte. Dann aber haben 99,1 Prozent der anwesenden Anteilseigner für das Sanierungskonzept gestimmt. Auf der Hauptversammlung von SolarWorld war insgesamt 31,17 Prozent des Kapitals vertreten, mindestens 75 Prozent des anwesenden Kapitals mussten dem Rettungsplan zustimmen, damit er umgesetzt werden kann.

Durch dessen Maßnahmen kann der Solarkonzern seine Schulden von 900 auf 426 Millionen Euro verringern. Firmengründer Asbeck, der bisher 28 Prozent der Aktien besaß und also ebenfalls stark vom harten Kapitalschnitt betroffen ist, will bei der geplanten Kapitalheraufsetzung zehn Millionen Euro neu in das Unternehmen investieren. Qatar Solar Technologies aus dem Emirat Katar soll dann neuer Großaktionär werden und zunächst über 29 Prozent des gesamten Aktienbestandes verfügen, während Asbeck dann auf rund 20 Prozent käme.

Dessen Vertrag als Vorstandsvorsitzender ist vom Aufsichtsrat kurz vor der Hauptversammlung bis zum 9. Januar 2019 verlängert worden, wie dort mitgeteilt wurde. Die Aktionäre haben das Aufsichtsgremium um den Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Claus Recktenwald wiedergewählt - mit einer Ausnahme: das bisherige Aufsichtsratsmitglied Dr. Alexander von Bossel kandidierte nicht erneut und legte sein Mandat zum Ende der Hauptversammlung nieder.

Gegenüber den Aktionären bekräftigte Vorstandschef Asbeck, dass die SolarWorld AG weiter konkurrenzfähig sei, auch bei den Kosten nicht von chinesischen Konkurrenten übertroffen werde. Doch diese würden eben vom Staat unterstützt und damit gegen die Regeln eines fairen Wettbewerbs verstoßen. Aber nach dem lauen Solarkompromiss zwischen China und der EU (auch darüber haben wir berichtet) ist nicht absehbar, dass sich daran etwas ändert. Und auch nach dem Sanierungsplan bleibt die Verschuldung des Unternehmens hoch und dessen Spielraum begrenzt, zumal es im Jahresverlauf neue Verluste ansammelt.

Asbeck kündigte zwar an, dass man den Wirkungsgrad und die Lebensdauer der eigenen Module deutlich verbessern und die Fertigung noch effizienter machen werde. Es erscheint jedoch mehr als fraglich, ob das reicht, um wieder schwarze Zahlen schreiben zu können. Zumal der Vorsprung der chinesischen Konkurrenzen weiter wachsen dürfte. Große Solarkonzerne wie etwa Yingli oder Trina Solar produzieren Solartechnik heute schon in viel größerer Stückzahl als die Bonner und können eine solch große Produktion im Gegensatz zur SolarWorld auch auslasten, da sie vom aufblühenden Solarmarkt der Volksrepublik und dem Photovoltaikboom im nahe gelegenen Japan profitieren. Und je größer die Produktionsmengen sind, desto stärker können Solarhersteller die Kosten je Stück senken. Dem einst als „Sonnenkönig“ gefeierten Asbeck dürfte es also so bald nicht gelingen, die SolarWorld aus dem Schatten zu treten, den die chinesische Konkurrenz über das Unternehmen geworfen hat.

SolarWord AG: ISIN DE0005108401 / WKN 510840
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