Die PNE Wind AG plant und realisiert Windparks. / Foto: Fotolia

18.06.15 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Chaostage bei PNE Wind AG – neue Eskalationsstufe

Die jüngste Hauptversammlung der PNE Wind AG ist offenbar zum Fall für die Staatsanwaltschaft geworden. Die Veranstaltung in der Kugelbake-Halle in Cuxhaven zog einen Polizeieinsatz zu später Stunde nach sich. Ob die Abstimmungen des Plenums bis zum Abbruch tatsächlich „ergebnislos“ geblieben sind, ist strittig. Der Aktienkurs der PNE Wind AG brach vor dem Hintergrund dieser Turbulenzen am Morgen danach massiv ein.

Die Hauptversammlung sollte den Streit an der Spitze der PNE Wind AG eigentlich auflösen. Die wichtigsten Tagesordnungspunkte betrafen die mögliche Umbesetzung der Führung. Stattdessen hat die Auseinandersetzung auf der Versammlung offenbar eine neue Eskalationsstufe erreicht: Die Staatsanwaltschaft Stade bestätigte Medien gegenüber, dass die Polizei in der Nacht zum gestrigen Mittwoch Daten und Abstimmungsergebnisse beschlagnahmt habe. „Wir prüfen, ob im Zusammenhang mit der Hauptversammlung der Straftatbestand der Urkundenunterdrückung verwirklicht wurde“, wird der ermittelnde Staatsanwalt vom Nachrichtenportal n-tv zitiert. Die PNE Wind AG bestätigte einen Einsatz von zwei Polizisten und die Beschlagnahme. „Es ist der Gesellschaft nicht bekannt, ob Ermittlungen gegen die PNE Wind AG, ihre Organe (Aufsichtsrat und Vorstand) oder ihre Mitarbeiter geführt werden. Die PNE WIND AG verhält sich kooperativ in der Zusammenarbeit mit der Polizei“, erklärte das Unternehmen.
Befeuert wird der Verdacht der Staatsanwaltschaft von PNE-Großaktionär Volker Friedrichsen. Dessen Beteiligungsgesellschaft Volker Friedrichsen Beteiligungs-GmbH hat im Anschluss an die Versammlung unter anderem öffentlich gemacht, dass es zu dem Polizeieinsatz gekommen ist. Zudem erhob das Unternehmen, über das Friedrichsen größter Einzelaktionär von PNE Wind ist, schwere Vorwürfe gegen den Teil der Unternehmensführung, mit dem er seit Monaten im Streit liegt. Die PNE Wind AG hatte gestern in einem kurzen Statement erklärt, die Versammlung sei gegen Mitternacht ergebnislos abgebrochen worden und müsse deshalb an einem noch unbestimmten Termin nachgeholt werden (mehr lesen Sie  hier). Die Volker Friedrichsen Beteiligungs-GmbH erklärt unter Berufung auf „zahlreiche Anwesende“ der Hauptversammlung, dass die Abstimmungsergebnisse um 22.30 Uhr vorgelegen haben sollen. Diese seien jedoch nicht bekanntgegeben worden. Friedrichsen erwägt nach eigenen Angaben, die Veröffentlichung dieser Ergebnisse „ im Wege einer Beschlussfeststellungsklage“ zu erzwingen. Die PNE Wind AG erklärte dazu, der Leitung der Versammlung habe versucht,  die Hauptversammlung mit der Verkündung der Ergebnisse zu beenden. Auf die Nachfrage von ECOreporter, woran dies scheiterte, erklärte ein Unternehmenssprecher: "Die Versammlungsleitung hat mehrfach versucht die Stimme Ergebnisse zu verkünden, aber eine anhaltende Diskussion mit verschiedenen Geschäftsordnungsanträgen führte dazu, dass die Ergebnisse nicht vor Mitternacht verkündet werden konnten."

Vergütung des PNE-Aufsichtsrats im Kreuzfeuer der Kritik

Im Mittelpunkt der Diskussionen auf der Hauptversammlung standen unter anderem die Vergütungen des PNE-Aufsichtsrats, zu dem auch der Großaktionär Volker Friedrichsen selbst zählt. In die Kritik geriet unter anderem der Aufsichtsratsvorsitzende der PNE Wind AG Dieter Kuprian. Für sein Mandat bei der PNE Wind AG erhält er laut dem aktuellen Geschäftsbericht für 2014 als Vergütung 228.900 Euro. Seit der Übernahme der WKN AG aus Husum durch die PNE Wind AG 2013 sitzt Kuprian neben dem PNE-Vorstandsvorsitzenden Martin Billhardt auch im Aufsichtsrat der WKN AG. Dafür sollte Kuprian nach Angaben des Handelsblatts für 2014 weitere 112.500 Euro erhalten. Das ist zusammengenommen mehr als einige Aufsichtsräte großer Dax-Unternehmen für ihre Tätigkeit erhalten haben, wie das Handelsblatt schreibt. Die Kritik der PNE-Aktionäre an dieser Vergütung soll laut Friedrichsen dazu geführt haben, dass sowohl Kuprian als auch PNE-Vorstandschef Martin Billhardt auf der Versammlung den Verzicht auf ihre Bezüge als Aufsichtsräte der WKN AG erklärt haben. Eine Nachfrage von ECOreporter dazu hat die PNE Wind AG nicht beantwortet.

Zankapfel WKN-Übernahme

Die Übernahme der WKN AG ist ein Auslöser der Streitigkeiten an der Spitze der PNE Wind AG. Dieser spaltet die Führung der PNE Wind AG in zwei Lager. Auf der einen Seite steht eine Gruppe um den PNE-Vorstandschef Martin Billhardt. Auf der anderen Seite steht eine Gruppe um den Großaktionär Volker Friedrichsen. Vor der Übernahme war Volker Friedrichsen über seine Volker Friedrichsen-Beteiligungs-AG größter Aktionär der WKN AG. PNE-Vorstandschef Martin Billhardt erklärte zwischenzeitlich öffentlich, es gebe Anhaltspunkte dafür, dass ein überhöhter Kaufpreis vereinbart worden sei, weil bei der Wirtschaftsprüfung der Transaktion wichtige Unterlagen zu zahlreichen Projekten der WKN AG nicht vorgelegen haben sollen. Lesen Sie zum Streit auch dieses  Interview mit Volker Friedrichsen. Allerdings beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft inzwischen auch mit Geschäften, die die WKN AG in der Vergangenheit mit dem dänischen Windradhersteller Vestas getätigt hat. Dabei soll es systematisch zu Unregelmäßigketen gekommen sein (mehr lesen Sie  hier)

PNE Wind AG: ISIN DE000A0JBPG2 / WKN A0JBPG
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