Crowdfunding oder Crowdinvesting - zu deutsch "Schwarmfinanzierung" - setzt auf Parallelen zur Schwarmintelligenz im Tierreich. Doch Pleiten sind auch hier nicht ausgeschlossen. Im Bild ein Schwarm mit Thunfischen. / Quelle: Fotolia, Tommy Schultz

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Crowdfunding: Was sagt Econeers zur Deno-Insolvenz?

Auf der Crowdfunding-Plattform Econeers können sich Anleger direkt an Erneuerbare-Energien-Projekten und Unternehmen beteiligen. Allerdings kommt es vor, dass ein schwarmfinanziertes Start-Up scheitert. So war es bei der "Deutsche Energieoptimierung" (Deno): Auf Econeers hatte das Unternehmen über Nachrangdarlehen fast eine Million Euro eingeworben, Mitte Februar wurde die Insolvenz bekannt gegeben. Wie Econeers mit solchen Fällen umgeht, erklärte Sprecherin Ines Becker auf ECOreporter-Anfrage.

ECOreporter.de: Wie prüft Econeers Funding-Projekte, bevor sie auf die Plattform kommen?

Ines Becker:  Vorab eines Fundings läuft ein vielstufiges und aufwändiges Auswahlverfahren durch Econeers sowie mithilfe von externen Fachdienstleistern. Der Investmentfokus, das Geschäftsmodell, diverse Projektplanungsunterlagen und die entsprechenden Finanzkennzahlen sind erste Hürden, die eine Projektbewerbung überwinden muss. Darüber hinaus werden bestehende und für das Projekt zu schließende Verträge, technische Unterlagen, Bilanzen sowie bereits erzielte Erträge ebenfalls hinsichtlich Plausibilität und Wirtschaftlichkeit betrachtet.

Auch gesellschaftsrechtliche Strukturen werden in einem Entscheidungsprozess berücksichtigt. Der Proofof-Concept muss in jedem Fall bereits erbracht worden sein. Das kann beispielsweise eine bereits laufende Anlage mit positivem Cashflow sein oder durch den Gründer/Projektleiter erfolgreich umgesetzte Referenzprojekte.

Diesen strengen Kriterien genügen nur wenige Bewerber für ein Crowdinvesting auf Econeers. Unser Anspruch vor einer Crowdfundingkampagne ist es stets, einen möglichst umfassenden Blick über das Unternehmen sowie das zu finanzierende Projekt zu erhalten, um Ausfälle und Insolvenzen zu vermeiden.

Wie wurde die "Deno" vorab bewertet?

Auch Deno ist dieses Auswahlverfahren durchlaufen. Zudem konnte Deno langjährige Kunden und Kooperationspartner nachweisen, das Team brachte das fachliche Know-how sowie eine mehrjährige Expertise mit und die projektrelevanten Infrastrukturen bestanden bereits vor der Fundingphase. In Summe konnte das Unternehmen sehr gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Geschäftsbetrieb nachweisen.

Geben Sie auf irgendeine Weise bekannt, dass ein Projekt gescheitert ist, oder ist nach Ablauf des Fundings einfach gesagt "die Sache erledigt"?

Crowdinvesting ist eine langjährige Partnerschaft zwischen den Investoren und dem Unternehmen – das hört mit dem Funding nicht auf. Teil des Crowdinvestingkonzeptes ist gerade der Partizipationsgedanke. Die Investoren wollen mitverfolgen können, welche Entwicklung "ihr" Unternehmen in den kommenden Monaten und Jahren nimmt. Das bedeutet für unsere Projektpartner, dass sie ihre Investoren bei relevanten Neuigkeiten und Veränderungen engmaschig informieren und in den Quartalsberichten exklusive Einblicke in die Geschäftsentwicklung geben.

Ein Unternehmen ist dann gescheitert und wird von uns auch als gescheitert gekennzeichnet, wenn zum Beispiel ein angemeldetes Insolvenzverfahren mangels Masse nicht eröffnet werden konnte. Ein laufendes Insolvenzverfahren bedeutet nicht automatisch, dass das Unternehmen auch gescheitert ist. Während dieser für alle Beteiligten schwierigen Zeit kann es dem Insolvenzverwalter gelingen, einen Käufer oder neue Investoren zu akquirieren oder das Unternehmen in gesunde und wirtschaftlich stabile Strukturen zu überführen. Um diesen Prozess und damit auch die Investitionen der Anleger nicht zu gefährden, werden Informationen zur Lage des Unternehmens nur über den Insolvenzverwalter gefiltert nach Außen getragen.

Erst wenn auch diese Maßnahmen nicht gelingen, ist das Projekt gescheitert und wird von uns gekennzeichnet. Alle Investoren werden durch den Verwalter, das Unternehmen und auch durch uns informiert. Beispiele für eine deutliche Kennzeichnung eines gescheiterten Projektes sind auf der Schwesterplattform www.seedmatch.de zu sehen. Dieser Anspruch an eine offene und transparente Kommunikation gilt ebenso für Econeers.

Halten Sie nach, welche Projekte scheitern bzw. Unternehmen Insolvenz anmelden?

Natürlich. Die Deno ist zum jetzigen Zeitpunkt das einzige Projekt auf Econeers, welches eine Insolvenz anmelden musste.

Beeinflusst das die Auswahl neuer Crowdfundings?

Crowdinvesting ist noch eine recht junge Form der Risikokapitalanlage in Deutschland, für die es kaum Vorbilder oder Orientierungsanker gab. Daher befinden sich alle Beteiligten, wir als Plattform, die Projektpartner und die Investoren in einem kontinuierlichen Lern- und Optimierungsprozess. Dazu gehört auch, dass Econeers stetig seine Auswahlkriterien kritisch hinterfragt und schärft. Trotz aller gebotener Vorsicht und Prüfung haben wir als Plattform keinen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg oder das Gelingen eines Projektes.

Kann ein einmal gescheiterter Unternehmer erneut ein Crowdinvestment auf Econeers starten?

Diesen Fall gab es bisher nicht. Wichtig wäre eine genaue Prüfung der Gründe für das Scheitern. Wenn es zum Beispiel berechtigte Zweifel an der Seriosität des Geschäftsgebarens eines Unternehmers gibt, werden Projektbewerbungen bei Econeers grundsätzlich abgelehnt. Auch mangelnde Managementqualitäten sind ein k.o.-Kriterium für eine erneute Bewerbung.

Es gibt allerdings auch ungünstige Entwicklungen und Umstände, die selbst das beste Team, das beste Management weder vorhersehen noch abwenden kann.

Unternehmerischer Mut wird leider nicht immer mit Erfolg belohnt. Das ist für uns kein Grund, bereits von vornherein und pauschal eine Bewerbung für das Crowdinvesting bei Econeers abzulehnen.

Frau Becker, wir danken Ihnen für die Antworten!
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