Crowdfunding setzt auf das Prinzip Schwarmintelligenz, wie sie zum Beispiel bei Bienenvölkern zu beobachten ist. Aber: Crowdinvestment ist nicht so simpel wie mancher vermutet. Wir erläutern, worauf Anleger bei der Schwarmfinanzierung achten müssen. / Foto: Pixabay

14.07.16 Anleihen / AIF , Crowd-Investment

Crowdfunding: Zusammen investieren – aber richtig!

Crowdfunding, oft auch als Crowdinvesting oder Schwarmfinanzierung bezeichnet, wirkt so aufregend anders als die übliche Geldanlage. Und Crowdfunding-Plattformen wie Econeers und bettervest machen das Crowdinvesting einfach. Aber die Risiken sind hoch. Worauf müssen Anleger beim Crowdfunding achten, um ihr Geld zu schützen?

2011 gestartet, wächst die Crowdfunding-Branche immer noch kräftig, denn die Fast-keine-Zins-Ära lässt in vielen Anlegern den Wunsch gedeihen, auf neue Weise zu spekulieren. Da mag der eine oder andere auf die "Schwarmintelligenz" hoffen: Wenn sich ein ganzer Schwarm Investoren mit Geschäftsideen auseinandersetzt – da muss doch etwas Schlaues herauskommen? Dabei wird gerne verdrängt, dass renditesuchende Sparer wenig zu tun haben mit dem natürlichen Schwarmverhalten von Fischen oder Insekten, dem selbstorganisierten Zusammenspiel vieler Bienen zum Bienenstaat. Denn die Tiere haben den Crowd-Anlegern eines voraus: Eine festgelegte Kommunikationsstruktur und klare Aufgabenverteilungen.

Die Vorstellung, dass Menschen mit Geld auf ähnliche Weise jungen Firmen zur Blüte verhelfen, ist hübsch, aber nicht passgenau: Während jede Biene im Schwarm mit der anderen kommuniziert und ein gemeinsames Ziel erreichen kann, ist bei den Anlegern eine weitere Macht im Spiel – der Plattform-Betreiber. Und der gibt die Regeln vor, denn er hat ein starkes Eigeninteresse. Sechs bis zehn Prozent, teilweise bis zu 14 Prozent der eingesammelten Summen sollen an die Crowdinvesting-Plattformbetreiber gehen.

Schwarmverhalten: Fische oder Lemminge?

Statt alleine der Schwarmintelligenz zu vertrauen, ist daher Vorsicht angebracht. Denn die Crowdinvestment-Szene kennt nicht nur Gewinner. Außerdem können noch gar nicht viele Misserfolge öffentlich geworden sein, denn dazu ist Crowdfunding noch zu neu. Derzeit dürften viele schwarmfinanzierte Projekte eventuelle Geldknappheitsphasen noch mit weiteren Finanzierungsrunden überbrücken.

Ende 2014 kritisierte die Verbraucherzentrale Berlin, da auf vielen Crowdinvesting-Plattformen nur unzureichend auf Verlustrisiken hingewiesen werde, habe sie eine Reihe von Plattformen erfolgreich abgemahnt. Besonders ein fiktiv errechneter "Unternehmenswert" der Baby-Firmen wurde beanstandet. Volker Schmidtke, Referent für Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Berlin, riet Anlegern, sich vor einem Investment zu fragen:

•    Kann ich es mir leisten, das eingesetzte Geld gegebenenfalls vollständig zu verlieren?
•    Ist das Geschäftsmodell des Start-ups, seine finanzielle Grundlage und seine Investitionsplanung – wenn es sie gibt – nachvollziehbar?
•    Ist offengelegt, wie sich das Unternehmen außerhalb des Crowdinvestings finanziert, wie hoch seine Verschuldung ist? Wenn nein: Erfragen.
•    Hat das Unternehmen schon einen Jahresabschluss veröffentlicht? Nötigenfalls erfragen oder nachschauen unter www.unternehmensregister.de, danach die Bilanzsumme den Angaben zum Unternehmenswert auf der Crowdinvesting-Plattform gegenüberstellen.

Das Kleinanlegerschutzgesetz aus 2015 hat zwar Regeln auch für Crowdfunding aufgestellt, aber Anbietern viel Spielraum gelassen.  Daher sollten Anleger Angebote vor dem Crowdinvesting sorgfältig prüfen. Eine Hilfestellung können dabei unabhängige Analysen sein, wie ECOreporter.de sie in ECOanlagechecks erstellt.  Wir haben im Juni mit dem Nachrangdarlehen von Sonneninvest ein Crowdfunding-Angebot in einem ECOanlagecheck umfassend analysiert und bewertet.


So funktioniert Crowdfunding

Dabei scheint das Crowdfunding doch so einfach. Crowdfunding-Plattformen stellen die neuen Geschäftsideen vor, oft mit Video, Businessplan und Finanzplanung. Anleger sollen an den etwaigen Gewinnen beteiligt werden. Gewinnbeteiligungen werden meist einmal im Jahr ausgeschüttet. Im Erfolgsfall wird das ganze Unternehmen an einen Großinvestor verkauft, und der Anleger verdient mit.

Bildhinweis: Beim Crowdfunding können sich Anleger nicht auf Schwarmintelligenz verlassen, wie es etwa diese Thunfische tun. Sie müssen Crowdinvesting-Angebote sorgfältig prüfen. / Foto: Fotolia

Aber es gibt auch die schlechten Fälle. Und da besteht die Gefahr des Verlustes der gesamten Investition. Crowdinvestments sind nicht als Altersvorsorge geeignet. Das sollte nun wirklich allen Anlegern klar sein – es sei aber sicherheitshalber angefügt: Anders als beim spießigen Sparbuch gibt es beim Crowdfunding keine Einlagensicherung. Denn oft handelt es sich bei den Beteiligungen um partiarische Nachrangdarlehen. Im Falle einer Insolvenz werden die Anleger erst nach allen anderen Fremdgläubigern aus der Insolvenzmasse bedient. Im Pleitefall werden erst die Arbeitnehmer des Start-ups bezahlt, dann Banken, Vermieter, Lieferanten und andere – und für die Schwarmfinanzierer bleiben manchmal allenfalls wenige Euro oder schlicht nichts übrig. Die Plattform selbst hat im Übrigen schon vorher kassiert.

Grünes Crowdfunding

Einige Crowdfunding-Plattformen sind auf grüne Investments wie Ökostrom- und Energieeffizienzvorhaben spezialisiert: Zum Beispiel LeihDeinerUmweltGeld.de von der CrowdDesk GmbH aus Frankfurt am Main, bettervest.de von der bettervest GmbH aus Frankfurt am Main, econeers.de von der Econeers GmbH aus Dresden sowie greenvesting.com von der GreenVesting Solutions GmbH aus Usingen. Die Einstiegsschwellen liegen zwischen 50 und 250 Euro Projekt. Einen etwas anderen Ansatz verfolgt die Internethandelsplattform greenXmoney.com der greenXmoney.com GmbH: Hier investieren die Anleger ab 500 Euro in so genannte „Wattpapiere“. Gekauft werden Forderungen auf künftige Stromerträge aus einzelnen laufenden Windkraft- oder Solaranlagen. Aus den tatsächlichen Stromerträgen dieser Anlagen sollen die Anleger eine Rendite auf ihre Investition erhalten. Die Wattpapiere haben feste Laufzeiten zwischen 4 und 6 Jahren.

Crowdfunding-Plattformen und ihre Spezialitäten im Überblick

 

 

Plattform Internet Charakter
bettervest GmbH www.bettervest.de Spezialisiert auf nachhaltige Investments in Energieeffizienz-projekte von Unternehmen, Sozialträgern, Vereinen und Kommunen
Companisto GmbH www.companisto.de Gemischte Anlagemöglichkeiten, auch Immobilien; eine der größeren Plattformen
CrowdEner.gy GmbH www.crowdner.gy Eher kleine Plattform für Erneuerbare Energie, teilweise identische Personen auf Plattform und bei Angeboten
DMI Deutsche Mikroinvest GmbH www.deutsche-mikroinvest.de Breites Angebot an jungen Unternehmen, vom Begleithundservice bis zu Erneuerbarer Energie
Econeers GmbH www.econeers.de Beteiligungen im Bereich Erneuerbare Energie und grüne Technologie
EnergieCrowd
 

www.energiecrowd.de

Beteiligungen in den Bereichen Erneuerbare Energie und Energieeinsparung
Fundsters AG www.fundsters.de Investmentangebote verschiedenster Branchen
Green Rocket GmbH www.greenrocket.com Österreichische Plattform, Firmen: von Omis Apfelstrudel bis zu großen Immobilien
Green Vesting Solutions GmbH www.greenvesting.com Kleine Plattform; aber: Greenvesting besitzt selbst die vermittelten Anlagen
greenXmoney.com GmbH www.greenxmoney.com Eine Handelsplattform für nachhaltige Investments, v.a. Erneuerbare Energie
Innovestment GmbH www.innovestment.de Unternehmensfinanzierungen, v.a. im Bereich Technologie
Kapitalfreunde GmbH www.kapitalfreunde.de Hier werden Immobilienprojekte finanziert
CrowdDesk GmbH www.leihdeinerstadtgeld.de
www.leihdeinerumweltgeld.de
Projekte von Kommunen/kommunalen Unternehmen und umweltnahe Projekte
Seedmatch GmbH www.seedmatch.de Eine der marktführenden Plattformen; hier geht es um Unternehmensfinanzierungen
Startnext Crowdfunding GmbH www.startnext.com Finanziert auch kleine Projekte, von Musik über neue Zeitschriften bis zu veganer Mode

 

 

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