02.02.10 Finanzdienstleister , Fonds / ETF

„Der BKC Treuhand Portfolio setzt auf strenge Nachhaltigkeitskriterien.“ - ECOreporter.de-Interview mit Bernhard Matthes, Investmentmanager der Bank für Kirche und Caritas




ECOreporter.de: Wie kam es zur Auflage des BKC Treuhand Portfolio und welche Rolle spielt die Bank für Kirche und Caritas bei dem Produkt?

Bernhard Matthes: Ausgangspunkt für unseren neuen Nachhaltigkeitsfonds waren vermehrte Anfragen aus unserem Kundenkreis. Viele Kunden finden den Nachhaltigkeitsansatz, den die Bank für Kirche und Caritas seit vielen Jahren in den Eigenanlagen anwendet, überzeugend und wünschen sich, den gleichen strengen Filter in ihre Anlagepolitik einfließen zu lassen. Die breit diversifizierte Anlagestrategie mit einer grundsätzlich defensiven Ausrichtung passt gut zu unseren Kunden, die mehrheitlich an einer konservativen und schwankungsarmen Wertentwicklung interessiert sind. Die Bank für Kirche und Caritas fungiert als Berater des Fonds. Das bedeutet: Anlagekonzept und Einzeltitelauswahl liegen bei unserem Haus.

ECOreporter.de: Welche Erfahrungen bringen Sie und die Bank für Kirche und Caritas ein?

Matthes: Die Bank für Kirche und Caritas verwaltet seit über 30 Jahren kirchliches Vermögen. Mir selbst obliegt parallel zur Verwaltung des Fonds das Management unserer Vermögensverwaltungsmandate. Unsere hauseigene Vermögensverwaltung bieten wir seit 2007 an. Ich hatte damals die Möglichkeit, den Bereich als verantwortlicher Portfoliomanager mit aufzubauen. Zuvor habe ich Managementerfahrung in gemischten Strategien, sprich Renten und Aktien, beim Stiftungsfonds einer großen US-amerikanischen Universität sammeln können und war in der Vermögensverwaltung einer Privatbank in Luxemburg tätig.

ECOreporter.de: Wie wird die Nachhaltigkeit der Anlagen definiert und wie wird sie kontrolliert?


Matthes: Für den Fonds findet 1:1 die Filterkriteriologie Anwendung, die auch für die Eigenanlagen unserer Bank bestimmend ist. Wir bringen damit also die jahrelange Erfahrung im nachhaltigen Eigenhandel in unser neues Fondsprodukt ein. Unser Nachhaltigkeitsverständnis geht dabei weit über „grünes Geld“ oder so genannte „Feigenblatt“-Ansätze hinaus. Nachhaltigkeit leitet sich für uns aus einer christlichen Wertorientierung ab und ist ein ganzheitlicher, betont ethischer Ansatz.
Die Überwachung erfolgt praktisch „live“, d. h. tagtäglich. Wir nutzen die Datenbank EPM (ethical portfolio manager) von EIRIS/imug, sodass wir stets auf dem Laufenden sind, welche Werte in unserem Researchuniversum als investierbar gelten können und bei welchen Emittenten wir auf eine Investition verzichten.

ECOreporter.de: Können Sie Beispiele für Negativ- und Positivkriterien nennen? Wer legt sie fest?

Matthes: Die konzeptionelle Formulierung unseres Nachhaltigkeitsverständnisses entwickeln wir selbst. Hierin sehen wir vor allem unsere spezifische Kompetenz als ausgewiesener Anbieter nachhaltiger Geldanlagen. Fortlaufend und regelmäßig weiterentwickelt wird die Positionierung im Bereich Nachhaltigkeit überdies durch unseren Nachhaltigkeitsbeirat, ein Gremium externer Fachleute und Berater.
Der Filteransatz der Bank für Kirche und Caritas ist zweistufig. Wir schließen einerseits grobe ethische Verstöße generell aus und versuchen in einem zweiten Schritt über Positivkriterien bei gleicher ökonomischer Eignung bevorzugt in die Unternehmen zu investieren, die sich bewusst nachhaltig aufstellen. Damit vereinen wir eine klare ethische Wertorientierung mit dem Best-in-Class-Ansatz.
Auf Unternehmensseite schließen wir über Negativkriterien zum Beispiel Unternehmen aus, die relevante Umsätze im Bereich Rüstung und Militär erzielen oder generell auch Anbieter, denen ausbeuterische Kinderarbeit nachgewiesen werden kann. Positiv werten wir etwa weit entwickelte Corporate Governance Ansätze.
Im Bereich der staatlichen Emittenten schließen wir unter anderem Länder aus, in denen die Todesstrafe vollstreckt wird oder in denen die Religionsfreiheit Einschränkungen unterliegt. Den vollständigen Filter publizieren wir transparent auf unserer Internetseite und im Geschäftsbericht.

ECOreporter.de: Verbinden sich mit Ihrem Nachhaltigkeitsverständnis niedrigere Renditen bzw. in welchen Bereichen können Sie keine Investitionen vornehmen, obwohl diese wichtiger Bestandteil des Gesamtmarkts wären? 

Matthes: Im Aktienbereich ergeben sich im Bereich der Versorger (Ausschlusskriterium Atomkraft) und bei Pharmaunternehmen (Ausschlüsse Stammzellenforschung und Kontrazeptiva) vermehrt Ausschlüsse. Bei Staatsanleihen verbietet sich unter anderem eine Investition in US Treasuries oder französische Staatsanleihen. Breite Ausschlüsse haben wir auch bei Renten in den Schwellenländern.
Wir versuchen nicht, zu Lasten der Ernsthaftigkeit unseres Nachhaltigkeitsansatzes das letzte Zehntel Rendite darzustellen - das erwarten unsere Kunden auch nicht. Deshalb verzichten wir in bestimmten Bereichen auch darauf, investiert zu sein, obwohl wir damit wissentlich von Benchmark-Charakteristika abweichen.
Diese aktiven strukturellen Abweichungen sind aber nur in begrenztem Umfang vertretbar. Wir sagen unseren Kunden daher auch ehrlich, dass es 100% Nachhaltigkeit nie geben kann. Nachhaltigkeit ist immer auch ein Prozess. Im BKC Treuhandportfolio wenden wir den Filter auf die Einzeltitelauswahl bei Aktien und Renten an.

ECOreporter.de: Orientiert sich das Fondsmanagement bei der Wertentwicklung an einem Benchmark?


Matthes: Als Leitlinie für den Managementprozess und zur besseren Transparenz für den Anleger gibt es für den Fonds einen zusammengesetzten Vergleichsindex. Die Benchmark besteht aus 70% iBoxx EUR overall, zu 15% aus dem DJ Sustainability World und zu 15% aus einer Geldmarktkomponente, dem 1-Monats-Euribor.

ECOreporter.de: Welche Branchen kommen für den Fonds in Frage, inwiefern setzt er regionale Schwerpunkte?

Matthes: Im Moment gewichten wir US-Aktien im Vergleich zu europäischen Werten über, setzen auf Unternehmen mit großer Marktkapitalisierung und bevorzugen auf Branchenebene defensive Sektoren mit attraktiven Dividendenrenditen, wie beispielsweise ausgewählte Telekommunikationswerte und nicht-zyklische Konsumwerte. 
Weil unser Nachhaltigkeitsverständnis wesentlich strenger ist als jenes der Benchmark und uns in der Einzeltitelauswahl weitaus stärker limitiert, versuchen wir zumindest die Risikofaktoren der Benchmarkbestandteile eng nachzuvollziehen. Das heißt, wir erlauben uns grundsätzlich nur geringe Freiheitsgrade in der Abweichung in Branchen und Regionen gegenüber dem Index. Somit sind wir breit diversifiziert in allen Sektoren investiert und auch international breit gestreut.

ECOreporter.de: Welche Strategie fährt der Fonds bei der Aktienquote; wie hoch soll der Aktienanteil sein und wie flexibel ist das Fondsmanagement bei der Mischung?

Matthes: Der Fonds weist in der neutralen strategischen Asset Allocation eine Aktienquote von 15% auf. In der gemischten Benchmark des Fonds ist folgerichtig auch der DJ Sustainability World (EUR) Bestandteil zu 15%. Im Managementprozess halten wir allerdings nicht stur an der Gewichtung fest, sondern haben Freiheitsgrade, in den einzelnen Anlageklassen taktisch nach oben und unten abzuweichen. In Abhängigkeit unserer konjunkturellen Erwartungen und unseren Einschätzungen zur Attraktivität der einzelnen Investmentkategorien erfolgt eine taktische Über-, Gleich- oder Untergewichtung. Im Bereich Aktien würden wir generell auch auf bis zu 0% reduzieren, wenn wir beispielsweise mit einer ähnlichen Kapitalmarktsituation wie im Sommer/Herbst 2008 konfrontiert wären. Die taktische Flexibilität in der Gewichtung der Anlageklassen soll für den Anleger natürlich einen entsprechenden Mehrertrag gegenüber der Benchmark bringen.

ECOreporter.de: Welche Ziele setzen Sie sich bei der Entwicklung des Fondsvolumen?

Matthes: Wir streben die Verdoppelung des Fondsvermögens nach einem Jahr an.

ECOreporter.de: Welche Gebühren werden vom Anleger verlangt?

Matthes: Der Fonds hat eine Gesamtkostenbelastung von 0,65% und ist mit einer Performance Fee von 15% der Outperformance gegen die Benchmark ausgestattet. Die Performance Fee kommt allerdings nur in Jahren mit einer absolut positiven Wertentwicklung zum Tragen.

ECOreporter.de: Für welche Investoren ist das Produkt auf den Markt gebracht worden?

Matthes: Als Kirchenbank ist es unser Auftrag, kirchliche und caritative Einrichtungen mit qualitativ hochwertigen Finanzprodukten zu versorgen. Hierzu zählen etwa Ordensgemeinschaften, Bistümer, Hilfswerke, Kirchengemeinden und soziale Dienstleister. Mit Blick auf die grundsätzlich defensive Ausrichtung des Fonds werden wir mit dem Produkt auch gezielt auf Stiftungen zugehen. Gerade hier ist die Sensibilität spürbar gewachsen, dass Mittelverwendung und Mittelerwirtschaftung nicht in Widerspruch geraten dürfen.

ECOreporter.de: Was unterscheidet den Fonds von anderen nachhaltigen Mischfonds?

Matthes: Mit unserem neuen Nachhaltigkeitsfonds kommen wir dem Wunsch unserer Kunden nach, eine Anlagemöglichkeit mit einer strengen Filterkriteriologie anzubieten. Wir haben damit zum Teil auch auf die Klagen unserer Kunden reagiert, die die Nachhaltigkeitsfonds anderer Anbieter häufig als „Greenwashing“-Produkte ohne ausgereiften Nachhaltigkeitsansatz empfinden.

ECOreporter.de: Wie wird sich der Markt für nachhaltige Investmentfonds nach Ihrer Einschätzung in der nahen Zukunft entwickeln?
Matthes: Das Segment wird weiter stark wachsen. Die Marktteilnehmer erkennen, dass sie mit ihrem Investitionsverhalten einen Hebel haben und dass sie Unternehmen zu einem verantwortungsbewussteren Handeln bewegen können. Insbesondere im kirchlichen Bereich fordern die Vermögensinhaber zunehmend eine ethisch verantwortungsvolle Anlagestrategie ein. Allerdings sind auch potentielle Reputationsrisiken ein hinreichend großer Motivator, um über eine veränderte Aufstellung in der Anlagepolitik nachzudenken.


ECOreporter.de: Herr Matthes, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Bildhinweis: Wie in der Pharma-Forschung kommt es bei Fondsportfolios auf die richtige Mischung an. / Quelle: Novo Nordisk
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