Aufbau von Nordex-Windkraftanlagen: Der Windradhersteller profitierte vom Windkraftboom und steigerte seinen Marktanteil in Deutschland in 2016 auf 15 Prozent. / Foto: Nordex SE

  Erneuerbare Energie

Deutscher Windkraftboom in 2016 – auch in 2017?

In Deutschland sind 2016 deutlich mehr neue Windkraftanlagen an Land errichtet worden als im Vorjahr. Die deutsche Windkraftleistung stieg um 4.625 Megawatt (MW) oder 4,6 Gigawatt (GW). Dieser Zubau war um knapp ein Viertel größer als im Jahr 2015, nur in 2014 war bislang ein höherer Wert erreicht worden. Das meldet der deutsche Windkraftverband BWE. Ihm zufolge entfielen davon rund 680 MW auf das so genannte Repowering, also den Austausch alter Windräder durch neue mit höherer Leistungskapazität. Netto summierte sich der Zubau in 2016 demnach auf 4.259 MW.

Insgesamt drehten sich zum Jahrsende in Deutschland über 27.000 Windkraftanlagen an Land mit insgesamt knapp 50 GW. Über  die Entwicklung der deutschen Offshore-Windkraft in 2016  hatte der BEW bereits im Januar informiert.

EEG-Reform als Wachstumsmotor

Offenbar haben in 2016 viele Investoren geplante Windkraftprojekte frühzeitig umgesetzt, um noch die feste Einspeisevergütung nach dem alten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beanspruchen zu können. Die Große Koalition in Berlin hatte 2016 eine EEG-Reform beschlossen und durchgesetzt, die seit Jahresanfang 2017 gilt. Diese Reform stellt das System fester Einspeisetarife auf ein Auktionsmodell um. Die Preise für Strom aus neu aufgestellten Windkraftanlagen werden künftig über Ausschreibungen ermittelt, wobei voraussichtlich viele Bieter keinen Zuschlag erhalten dürften. Das zeigen zumindest die bisherigen Ausschreibungen, die für Solarkraftwerke durchgeführt wurden.

Für die neue Regelung gilt eine Übergangsfrist: Wer bis zum 31. Dezember 2016 eine Genehmigung für sein Windkraftprojekt erhalten hat, für dessen Anlage gilt noch das alte EEG mit festem Einspeisetarif – sofern es innerhalb der gegebenen Umsetzungsfrist ans Netz gebracht wird. Der BEW rechnet aus diesem Grund damit, dass auch in 2017 noch viele Windräder neu errichtet und für deren Strom feste Einspeisetarife gezahlt werden. Erst im Mai startet die erste deutsche Windkraftauktion. Wer dort einen Zuschlag erhält, wird die Anlagen wohl meist erst in 2018 in Betrieb nehmen.

Der Windmarkt dürfte ab 2019 weitaus weniger wachsen

Der BEW erwartet für 2017 einen Zubau von 4.500 bis 5.000 MW, also ein ähnlich starkes Wachstum des deutschen Windmarktes wie in 2016. Danach aber werde sich das Wachstum deutlich abschwächen, so seine Prognose. Der Verband rechnet für 2018 nur noch mit einem Zubau von 3.000 bis 3.500 MW. Für 2019, wenn keine neue Windkraftanlage mehr unter das alte EEG fällt, befürchtet er eine Abschwächung auf unter 2.800 MW neuer Windkraftleistung im Jahr.

"Die Industrie wird daran arbeiten, die Verringerung des deutschen Marktes durch Exporte auszugleichen", sagt dazu Matthias Zelinger, Geschäftsführer vom Maschinenbauer-Verband VDMA Power Systems. VDMA Power Systems prognostiziert für 2017 einen Weltmarkt für Windenergieanlagen an Land in einer Größenordnung von 54.000 MW. Zelinger sieht die deutsche Windindustrie "in einer guten Ausgangsposition".
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