In China werden immer mehr Solaranlagen errichtet. Dieser Boom verbessert aber nicht die Chancen chinesischer Solarkonzerne - im Gegenteil. / Foto: Suntech

16.11.16 Aktientipps , Erneuerbare Energie

Die Aussichten für Solaraktien verschlechtern sich weiter

Das ist keine gute Nachricht für Solarhersteller und ihre Aktionäre. China will beim Ausbau der Solarstromleistung noch stärker auf die Bremse treten. Das düfte die Nachfrage im weltweit größten Solarmarkt weiter drosseln. Sie war schon stark rückläufig, seit zur Jahresmitte 2016 die Solarförderung in China stark gekürzt wurde. Seither sind die chinesischen Solarhersteller gezwungen, immer mehr Solarprodukte ins Ausland zu verkaufen. Dort verschärft sich der Wettbewerb dadurch massiv. Und er wird über Preissenkungen ausgefochten (wir haben darüber berichtet und auch darüber,  was dies für chinesische Solaraktien bedeutet).

Solarhersteller aus China haben in den vergangenen Jahren ihre Produktion massiv ausgebaut, um die explosionsartig gestiegene Nachfrage in ihrem Heimatmarkt zu bedienen. In China wurden in nur fünf Jahren neue Solaranlagen mit zusammen über 40 Gigawatt (GW) Leistungskapazität errichtet. Fast aus dem Stand ist das Land damit zum größten Solarmarkt der Welt geworden und hat Deutschland überflügelt, wo es rund 15 Jahre dauerte, um die Marke von 40 GW zu erreichen.  

Der chinesische Solarmarkt ist heißgelaufen

Nach Angaben der Nationalen Energiebehörde von China hat sich das Ausbautempo der Photovoltaik sich zwar im dritten Quartal deutlich verringert. Nachdem in den ersten sechs Monaten neue Solaranlagen mit zusammen etwa 20 GW neu gebaut worden waren kamen bis Ende September „nur“ sieben weitere GW hinzu. Aber bei dem Tempo des dritten Quartals würden 2016 in China neue Solaranlagen mit rund 34 GW errichtet. Das wäre fast eine Verdoppelung der rund 40 GW Gesamtkapazität von Anfang des Jahres. Die NEA hatte für das Gesamtjahr 2016 lediglich ein Wachstum um 18 GW anvisiert, nach 15 GW im Vorjahr und elf GW in 2014.

Doch schon jetzt reichen die Netzkapazitäten in China bei weitem nicht aus, um so viele neue Solaranlagen anzuschließen. Überwiegend handelt es sich bei den chinesischen Solarkraftwerken um große Freiflächenanlagen. Kleine Anlagen auf Dächern erreichen in China nur etwa ein Drittel der installierten Kapazität, über die die gebauten Großanlagen verfügen. Nun will die NEA offenbar die Reißleine ziehen. Sie hat bereits für 2017 eine weitere Kürzung der Solarstromtarife für Neuanlagen angekündigt. Das regt aber Investoren nur dazu an, jetzt so schnell wie möglich neue Solaranlagen ans Netz zu bringen, ehe die angekündigte Kürzung in Kraft tritt. Jetzt teilte die NEA mit, dass das ursprüngliche Ausbauziel, bis 2020 in China eine Photovoltaikleistung von 150 GW zu erreichen, abgesenkt wurde auf 110 GW. Was bedeutet, dass wohl nach Ende 2016 insgesamt nur noch rund 40 GW neu installiert werden sollen. Das ist ein klares Signal an Solarinvestoren.

Die Kurschancen verschlechtern sich weiter – nicht nur für Solaraktien aus China

Vor allem aber bedeutet diese Kappung des Ausbauzieles, dass sich die chinesischen Solarhersteller langfristig auf eine deutlich verringerte Nachfrage aus China einrichten müssen. Sie sind gezwungen, ihre Produktionskapazitäten stark zu verringern. Damit verringern sich auch ihre Einnahmemöglichkeiten deutlich. Zusätzlich müssen sie so viel Solartechnik wie möglich ins Ausland verkaufen.  Das wird ihnen aber nur mit weiteren starken Preisnachlässen gelingen. Hohe Verluste sind da wohl unvermeidlich. Und mancher Solarhersteller aus China dürfte dabei auf der Strecke bleiben.

Im Weltmarkt sind die Preise für Solarmodule seit Mitte 2016 bereits um über 20 Prozent gesunken. Sie dürften angesichts des großen Überangebotes weiter fallen. Das verhagelt auch die Aussichten westlicher Solarhersteller, die bereits im dritten Quartal unter dem erhöhten Preisdruck litten (wir haben über die Perspektiven von US-Solaraktien informiert). Auch deren Aktien stehen seit Wochen unter Druck. Es drohen weitere Kursverluste. Und ein Ende dieses Negativtrends ist noch nicht in Sicht.

ECOreporter.de hatte bereits im Juni davor gewarnt, dass sich Solarhersteller und ihre Aktionäre auf einen Einnahmeeinbruch einstellen müssen. Seither haben viele Solaraktien stark an Wert verloren, wie diese Auswahl zeigt:

Canadian Solar Inc.: minus 33 Prozent
First Solar Inc: minus 35 Prozent
ReneSola Ltd: minus 43 Prozent
SolarWorld AG: minus 56 Prozent
SunPower: minus 59 Prozent
Yingli Green Energy Co. Ltd: minus 21 Prozent
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