24.01.13 ECOanlagecheck

ECOanlagecheck: Windenergieanlage Rapshagen von CEPP


Ein Private Placement ist eine Privatplatzierung von Eigenkapital. Ein Unterschied zu einem der meist angebotenen geschlossenen Publikumsfonds: Diese werden öffentlich angeboten und haben einen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)  genehmigten Prospekt.  Das vorliegende Privat Placement wendet sich an eine begrenzte Anzahl (max. 20) von vermögenden Anlegern. Eine BaFin-Prospektpflicht besteht daher nicht. Allerdings orientiert sich der von der Anbieterin CEPP freiwillig erstellte 124-seitige Prospekt (Private Placement Memorandum) an der Vermögensanlagen-Verkaufsprospektverordnung. Nach Einschätzung von ECOreporter.de ist die inhaltliche Qualität des von CEPP vorgelegten Memorandums überdurchschnittlich hoch.

Die geplante Windenergieanlage Rapshagen des Typ E82/E2 kommt vom deutschen Qualitätshersteller Enercon und hat eine Nennleistung von zwei Megawatt (MW). Sie soll im Landkreis Prignitz in Brandenburg errichtet werden. Bei der Anlage handelt es sich um ein Repowering-Projekt. Beim Repowering werden leistungsschwächere Altanlagen zurückgebaut und durch leistungsstärkere Windenergieanlagen ersetzt.

Fondsinitiatorin und Leistungsbilanz

Die Kommanditgesellschaft CEPP Windenergie 2 GmbH & Co. KG, Kurzname:  Windenergieanlage Rapshagen, ist das erste Beteiligungsangebot der 2009 gegründeten Fondsanbieterin CEPP Windinvest GmbH aus Berlin, so dass noch keine Leistungsbilanz vorliegt.
Die Anbieterin ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Holdinggesellschaft Corporate Energies Gr. GmbH & Co. KG aus Berlin, unter deren Dach seit 2008 mehrere Unternehmen gebündelt sind, die verschiedene Kompetenzfelder im Bereich Windenergie abdecken und die teilweise auch für die Kommanditgesellschaft Windenergieanlage Rapshagen tätig sind. Dazu zählen die CEPP Windenergie GmbH & Co. KG (Verkäuferin der Projektrechte), die CEPP Capital AG (Konzeption und geschäftsführende Kommanditistin), die Green Energy World GmbH (Projektvermittlerin) und die Energy Competence Centre GmbH (Betriebsführerin der Windenergieanlage).

Eigenkapitalhöhe und Platzierungsgarantie

Gesamtfinanzierungsvolumen: 5,1 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen: 1,0 Millionen Euro (19,7 Prozent)
Platzierungsgarantie: Nein
Fremdkapitalvolumen: 4,1 Millionen Euro (80,3 Prozent)

Das Eigenkapitalvolumen kann auf bis zu 1,5 Millionen Euro erhöht werden, falls beispielsweise die finanzierende Bank eine höhere Eigenkapitalquote verlangt.
Laut Prospekt liegt eine Finanzierungsbereitschaftserklärung unter Projektprüfungsvorbehalt einer Bank vor. Vorgesehen ist laut der Bankerklärung eine Darlehenslaufzeit von 17 Jahren bei einem jährlichen Darlehenszins von 2,35 Prozent. Für die Zeit nach Ablauf der zehnjährigen Zinsbindung kalkuliert die Anbieterin mit einem Zinssatz von 6,0 Prozent. Laut Prospekt hat die betreffende Bank eine verbindliche Finanzierungsentscheidung bis zum 31. Januar 2013 zugesagt. Derzeit ist nach Aussage der Anbieterin die Entscheidung noch nicht bekannt (Stand: 18. Januar 2013).

Fondsnebenkosten
(in Prozent des Eigenkapitalvolumens ohne Agio)

Agio: 0,0 Prozent
Eigenkapitalvermittlung (ohne Agio): 4,0 Prozent
Projektvermittlung: 7,0 Prozent
Fremdkapitalvermittlung: 4,1 Prozent
Konzeption: 3,0 Prozent
Strukturierung: 4,6 Prozent
Gründungskosten: 0,5 Prozent
Mittelverwendungskontrolle: 0,5 Prozent
Gesamtweichkosten:  23,7 Prozent

Die Weichkostenquote liegt oberhalb der durchschnittlichen Weichkostenquote, die ECOreporter.de innerhalb eines Jahres bei Windfonds ermittelt hat. Die höhere Weichkostenquote stellt in diesem Fall keinen Mangel dar, weil sie rechnerische Gründe hat. Zum einen ist beim vorliegenden Beteiligungsangebot die Eigenkapitalquote gering, und zum anderen ist auch das Eigenkapitalvolumen niedrig. Absolut gesehen sind die Fondsnebenkosten marktüblich. So würde beispielsweise bei einem möglichen Eigenkapitalvolumen von 1,5 Millionen Euro (statt der prospektierten 1 Million Euro) die Weichkostenquote von 23,7 Prozent auf 15,3 Prozent fallen.

Laufende Kosten

Wartung und Instandhaltung (pro Jahr, Prognose): 34.000 Euro/MW
Technische und kaufmännische Betriebsführung (erstes Jahr, Prognose): 9.800 Euro/MW
Fondsgeschäftsführung (inkl. Anlegerbetreuung, erstes Jahr): 4.800 Euro/MW
Pacht (erstes Jahr): 14.000 Euro/MW
Kostensteigerung (pro Jahr, laut Vertrag): 0 Prozent (Betriebsführung, Fondsgeschäftsführung, Pacht); 2,0 Prozent (Wartung und Instandhaltung)

Die vertraglich vereinbarten Vergütungen liegen im marktüblichen Bereich. Sie sind vollständig (Betriebsführung, Fondsgeschäftsführung) bzw. größtenteils (Wartung und Instandhaltung, Pacht) prozentual abhängig vom tatsächlichen Stromerlös. Die Wartung und Instandhaltung des Windparks übernimmt in den ersten 15 Jahren die Enercon GmbH im Rahmen eines Vollwartungsvertrages. Während der Vertragslaufzeit garantiert der Hersteller eine technische Verfügbarkeit der Windenergieanlage von 97 Prozent.

Laufzeit und Ausschüttungen

Laufzeit: bis zum 31. Dezember 2033 (Planung), erstmalige ordentliche Kündigungsmöglichkeit zum 31. Dezember 2033
Gesamtausschüttung (Prospektkalkulation): 302 Prozent (inkl. 100 Prozent Kapitalrückzahlung)
Ausschüttung durch Verkaufserlös (Kalkulation): 13 Prozent
Renditeprognose vor Steuern pro Jahr (IRR, Kalkulation):  8,6 Prozent
Einkunftsart: Einkünfte aus Gewerbebetrieb
Einkaufsfaktor (Gesamtkaufpreis/prognostizierte Stromerlöse erstes Jahr): 8,3
Gesamtfinanzierung: 2.552 Euro/kW
Einspeisevergütung für den produzierten Windstrom: 9,76 Eurocent/kWh (inkl. 0,49 Eurocent/kWh Repowering-Bonus)

Die Gesamtfinanzierung (Eigenkapital und Fremdkapital) je kW liegt deutlich oberhalb des durchschnittlichen Bereichs, den ECOreporter.de in letzten zwei Jahren bei Windfonds ermittelt hat. Trotzdem ist der Einkaufsfaktor (Gesamtkaufpreis/prognostizierte Stromerlöse erstes Jahr) mit 8,3 niedrig, da zum einen aufgrund der als sehr gut prognostizierten Windverhältnisse der Stromertragswert (kWh/kW) überdurchschnittlich hoch ist und zum anderen die Einspeisevergütung aufgrund des Repowering-Bonus höher ist.

Der Anleger schließt mit der Zeichnung des Private Placements gleichzeitig einen Vertrag über den Verkauf seiner Beteiligung zum 31. Dezember 2033 an die CEPP Capital AG. Der Verkaufspreis beträgt ein Prozent der Kommanditkapitals (10.000 Euro). Zusätzlich übernimmt die CEPP Capital AG die Rückbauverpflichtung, so dass die Rückstellung für Rückbau (120.000 Euro) zu Gunsten der Kommanditgesellschaft aufgelöst werden kann. Somit profitieren die Anleger nicht von den Erlösen, die der Windpark aufgrund der um maximal zehn Jahren verlängerbaren Pacht nach 2033 erzielen kann. Auf der anderen Seite müssen die Anleger aufgrund des Verkaufs nach 20 Jahren nicht das Risiko der Rückbaukosten übernehmen.

Technik und Erträge

Bei der Windenergieanlage Rapshagen handelt es sich um eine getriebelose Anlage des deutschen Marktführers Enercon aus Aurich. Die Anlage des Typs E-82/E2 hat eine Nennleistung von zwei MW. Die Anlage ist als Repowering-Projekt genehmigt. Die Genehmigung sieht vor, dass bis zur Inbetriebnahme der neuen Anlage drei kleine Bestandsanlagen (zusammen 0,46 MW) in unmittelbarer Nähe aus dem Jahr 1992 zurückgebaut werden. Generalübernehmer und Projektierer der Windenergieanlage Rapshagen ist die Zopf GmbH aus Brandenburg, die seit 1992 rund 100 MW Windkraftleistung projektiert und errichtet hat.

Die Anlage wird auf einer leichten Anhöhe in der brandenburgischen Prignitz errichtet und hat eine Nabenhöhe von 138 Metern. Dementsprechend erwarten die Gutachter eine hohe mittlere Windgeschwindigkeit von 7,35 m/s auf Nabenhöhe. Für den Windpark wurden zwei Ertragsgutachten von Wind-consult GmbH aus Rostock und der Geo-Net Umweltconsulting GmbH aus Hannover erstellt. Die Anbieterin hat aus den beiden Ertragsprognosen der Gutachter (6.798 MWh, 6.564 MWh,) einen im Verhältnis 30/70 gewichteten Mittelwert (6.634 MWh) gebildet. Für die Prognoserechnung wurde ein Sicherheitsabschlag von zehn Prozent auf den gemittelten Gutachterwert vorgenommen. Zudem berücksichtigt die Prospektkalkulation Verfügbarkeitsverluste von drei Prozent sowie elektrische Verluste von 0,5 Prozent, so dass der prognostizierte Jahres-Energieertrag 5.759 MWh beträgt. Der Abschlag von zusammen 13,5 Prozent liegt deutlich über den von ECOreporter.de bei Windfonds ermittelten durchschnittlichen Abschlag, so dass die Ertragskalkulation der Anbieterin CEPP kaufmännisch überdurchschnittlich konservativ ist.

Ökologische Wirkung

Mit der Strommenge von 6.600 MWh, die die Windenergieanlage Rapshagen laut Gutachter-Mittelwert voraussichtlich erzeugt, können bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3.500 kWh rechnerisch rund 1.900 Haushalte jährlich versorgt werden. Im Vergleich zur Stromgewinnung aus konventionellen Kraftwerken werden durch den Betrieb der Windenergieanlage somit circa 4.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart. Auf jeden Anleger entfallen somit rechnerisch mindestens 200 Tonnen CO2 Ersparnis pro Jahr.

Die Windenergieanlage Rapshagen wird auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche direkt an der Autobahn A24 errichtet. Die nächstgelegene Wohnbebauung befindet sich in einem Mischgebiet in einer Entfernung von ca. 750 Metern zum Standort. Die nächsten Ortschaften sind Rapshagen (1 km nördlich), Falkenhagen (2,3 km südwestlich) und Kuckuck (3 km südöstlich). Schallgutachten, Schattenwurfgutachten, Umweltverträglichkeitsgutachten führten zu keinen Einwänden gegen die Genehmigung.
Die energetische Amortisationszeit der Windenergieanlage Rapshagen liegt bei ungefähr sechs Monaten. In dieser Zeit erzeugen die Windkraftanlagen die Energiemenge, die bei Herstellung, Transport und Wartung der Anlagen verbraucht werden. Die Windenergieanlage Raphagen ist zudem ein Repowering-Projekt. Sie ersetzt drei ältere und leistungsschwächere Anlagen, so dass die Leistung deutlich steigt, ohne dass der Nettoflächenverbrauch steigt. Die moderneren Windenergieanlagen sind zudem trotz einer höheren Leistung zumeist leiser als Altanlagen.

Risiko

Die Windenergieanlage Rapshagen ist laut Prospekt vollständig genehmigt. Sie soll bis Ende 2013 errichtet werden, so dass derzeit noch Fertigstellungs- und Bauherrenrisiken bestehen.
Falls sich die Inbetriebnahme in das Jahr 2014 verschieben sollte, kann nicht ausgeschlossen werden, dass infolge einer von der Bundesregierung als auch von der EU-Kommission angestrebten vollständigen Überarbeitung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) der Windpark eine niedrigere Einspeisevergütung als kalkuliert erhält. Der Generalübernehmervertrag mit der Zopf GmbH als auch der Liefer- und Wartungsvertrag mit der Enercon GmbH sind nach Angaben der Anbieterin zwar endverhandelt, aber derzeit noch nicht unterschrieben, so dass Änderungen nicht vollkommen ausgeschlossen werden können. Die verbindliche Finanzierungsentscheidung hat die Bank bis zum 31. Januar 2013 zugesagt, aktuell liegt sie noch nicht vor (Stand: 18. Januar 2013).

Die Geschäftsführung der Kommanditgesellschaft „Windenergieanlage Rapshagen“ wird von der Komplementärin CEPP GmbH und von der Gründungsgesellschafterin CEPP Capital AG übernommen, welche beide zusammen mittelbar der Kommanditgesellschaft die Projektrechte für die Windenergieanlage Rapshagen verkauft haben. Beide sind zudem Tochtergesellschaften der Corporate Energies Gr. GmbH & Co. KG, der auch die Anbieterin (CEPP Windinvest GmbH,) die Green Energy World GmbH (Projektvermittlerin) und die Energy Competence Centre GmbH (Betriebsführerin der Windenergieanlage) angehören. Aufgrund dieser Verflechtungen besteht ein Potential für Interessenkonflikte.

Stärken                    
Genehmigtes Windenergieprojekt
Kaufmännisch vorsichtige Ertragskalkulation
Überdurchschnittlich hohe Renditeerwartung

Schwächen
Bauherrenrisiko
Kein Mehrerlöspotential nach 20 Jahren

Chancen
Auf mittel- bis langfristige Sicht Mehrerlöse durch Stromverkauf auf dem freien Markt

Risiken
Energieertragsschwankungen

Fazit:

Finanziell


Die bereits genehmigte Windenergieanlage Rapshagen soll bis Ende 2013 in Betrieb gehen, so dass noch Bauherrenrisiken bestehen. Die Stromerträge hat die Anbieterin kaufmännisch konservativ kalkuliert. Gleichwohl liegt die prognostizierte Rendite signifikant über der aktueller, vergleichbarer Windenergieprojekte, da der Standort der Anlage gemäß der Gutachten eine hohe Windernte erwarten lässt, das Projekt von der Repowering-Vergütung profitiert und die niedrige Eigenkapitalquote die Hebelwirkung auf die Rendite verstärkt.

Nachhaltigkeit

Die Windenergieanlage Rapshagen ist überdurchschnittlich nachhaltig, da sie einen hohen Stromertragswert aufweist und als Repowering-Projekt drei veraltete Anlagen ersetzt, so dass die Ressourcen (Fläche, Material, Wind) effizient genutzt werden.

ECOreporter.de-Empfehlung

Die Windenergieanlage Rapshagen ist das erste Beteiligungsangebot von CEPP, so dass Anleger der Anbieterin mit der Zeichnung einen Vertrauensvorschuss gewähren. Die Konzeption und das Rendite/Risiko-Profil des Angebotes sind insgesamt überzeugend.

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Basisdaten

Anbieterin und Prospektverantwortliche: CEPP Windinvest GmbH, Berlin
Fondsgesellschaft (Emittentin): CEPP Windenergie 2 GmbH & Co. KG, Berlin
Komplementärin und Geschäftsführerin: CEPP GmbH, Berlin
Geschäftsführende Kommanditistin: CEPP Capital AG, Berlin
Beteiligungsform: Direktkommanditist

Fondswährung: Euro
Gesamtfinanzierungsvolumen:  5,1 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen (ohne Agio): 1,0 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 60.000 Euro
Agio: 0 Prozent
Laufzeit: bis zum 31. Dezember 2033 (Planung), erstmalige ordentliche Kündigungsmöglichkeit zum 31. Dezember 2033

BaFin-Gestattung: Nein
Leistungsbilanz: Nein
IDW-Prospektprüfungsbericht: Nein
Mittelverwendungskontrolle: AAC Treuaccount Steuerberatungsgesellschaft, Berlin
Sensitivitätsanalyse: Ja
Haftsumme: 10 Prozent der Kommanditeinlage (Außenverhältnis), 100 Prozent (Innenverhältnis)
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