Die Hesse Newman Capital AG bietet Beteiligungen an als nachhaltig zertifizierten Immobilien an. Im Bild ein Investitionsobjekt am Stammsitz des Emissionshauses in Hamburg. / Quelle: Unternehmen

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Emissionshaus Hesse Newman Capital spürt die Branchenkrise – müssen Anleger zittern?

Eine Verlustanzeige hat die Aktie des Hamburger Emissionshauses Hesse Newman Capital AG vorrübergehend in ein Tief gestürzt. Die Hälfte des Grundkapitals des auf Immobilienbeteiligungen spezialisierten Unternehmens ist aufgezehrt. Wie prekär ist die Lage des Fondsinitiators, der mehrere GreenBuilding-Fonds und ein GreenBuilding-Genussrecht  auf den Markt gebracht hat? Und was bedeutet das für die Anleger dieser Beteiligungen? Die Hesse Newman Capital AG nimmt Stellung.

Das Emissionshaus Hesse Newman Capital AG hat seit 2009  zwölf Beteiligungen auf den Markt gebracht, hauptsächlich geschlossene Immobilienfonds. Speziell bei den jüngeren Angeboten setzt der Fondsinitiator auf nachhaltige Immobilienfonds, also Investitionen in Gebäude, die energetischen und bautechnischen Nachhaltigkeitsstandards entsprechen und deshalb als GreenBuilding zertifiziert sind. Aktuell können Anleger sich über ein Genussrecht und einen geschlossenen Fonds beteiligen (hier  finden Sie einen ECOanlagecheck zum Genussrecht-Angebot).

In einer Pflichtmitteilung, mit der das börsennotierte Emissionshaus den Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals anzeigt, verweist der Vorstand unter anderem darauf, dass das Marktumfeld 2013 schwierig gewesen sei. Denn immer weniger Privatanleger würden Geld in geschlossene Beteiligungen investieren. Weil dies 2013 auch auf die Angebote von Hesse Newman Capital zutraf, habe der Vorstand entschieden, den Wert einer Beteiligungsgesellschaft deutlich herabzusetzen und gehe davon aus, 2013 mit einem Jahresfehlbetrag in zweistelliger Millionenhöhe zu beschließen. Insolvenzgefahr? Dem tritt Unternehmenssprecherin Christiane Pieper entschieden entgegen: „Die Verlustanzeige ist eine Vorgabe des Aktienrechts für den Fall, dass das Eigenkapital einer Aktiengesellschaft die Hälfte des Grundkapitals unterschreitet. Dies hat nichts mit einer Insolvenz zu tun“, betont sie.

„Fonds und Genussrechtskapital von Fehlbetrag nicht betroffen“

„Hesse Newman hatte mit Auflage des ersten Fonds im Jahr 2009 unter Effizienzgesichtspunkten entschieden, Teile der Anlegerverwaltung an eine Dienstleistungsgesellschaft zu vergeben, an der Hesse Newman beteiligt ist. Im heutigen Marktumfeld erscheint es wirtschaftlich sinnvoller, alle Leistungen direkt aus der Hesse-Newman-Gruppe zu erbringen. Dies hat zur Folge, dass die Beteiligung an dem Dienstleister deutlich abgewertet werden musste“, erklärt Pieper den Hintergrund der Verlustanzeige. Diese Wertberichtigung sei die Hauptursache für den zu erwartenden Fehlbetrag in der Bilanz, so Pieper. Zukünftig werde diese Umstellung aber dazu beitragen, dass das Emissionshaus seine Ertragslage verbessern werde. Die Wertberichtigung sei eine „rein bilanzielle, nicht liquiditätswirksame Maßnahme, die auf die Fondsgesellschaften keinerlei Auswirkungen hat“, erläutert die Unternehmenssprecherin. Schließlich handele es sich bei den geschlossenen Fonds ebenso wie bei dem Unternehmen, das das jüngste Genussrecht auf den Markt gebracht hat, um Gesellschaften, die wirtschaftlich unabhängig von der Hesse Newman Capital AG agierten. „Die Einlagen unserer Anleger sind von der Reduzierung des Eigenkapitals unserer AG nicht betroffen. Sämtliche Hesse Newman-Immobilienfonds entwickeln sich gut und zahlen plangemäß aus. Auch die Anleger des GreenBuilding-Genussrechts haben ihre Zinsen für das Geschäftsjahr 2013 in Höhe von 5 Prozent p. a. plangemäß Anfang 2014 erhalten“, sagt Pieper.

Verhaltener Optimismus für die Zukunft

Allerdings geht die Hesse Newman Capital AG davon aus, dass das Marktumfeld für die gesamte Branche der Sachwertinvestments vorerst schwierig bleibe: „Die Zahlen des Branchenverbands bsi zeigen, dass die Platzierungszahlen bei Privatanlegern immer noch rückläufig sind. Das liegt sicher auch an der Verunsicherung der Anleger durch die zahlreichen Betrugsvorfälle“, sagt Pieper. Manchem Anleger mögen an dieser Stelle Skandale wie etwa bei der Infinus AG oder bei der Fall Wölbern Invest AG in den Sinn kommen. In beiden Fällen wird wegen des Verdachts des millionenschweren Anlagebetrugs ermittelt, und beide Unternehmen sind mittlerweile insolvent (wir berichteten über  Wölbern  und  Infinus). „Hier wird die Regulierung hilfreich sein, der Imagewandel aber Zeit brauchen“, so Pieper.  „Immobilien-Beteiligungen sind nach wie vor am stärksten nachgefragt, wie wir selbst bei der raschen Vollplatzierung unseres München-Fonds Anfang dieses Jahres feststellen durften“, sagt sie. „Auch die Jahre 2014 und 2015 werden unserer Ansicht nach für die Branche der Sachwertfonds noch schwierig bleiben. Wir haben mit Joint Ventures in unserer Kapitalverwaltungsgesellschaft und dem Vertrieb Vorkehrungen getroffen, alle Markanforderungen frühzeitig zu erfüllen“, sagt Pieper.

Bildnachweis: GreenBuilding einer Beteiligung von Hesse Newman Capital. / Quelle: Unternehmen


Um die Aktionäre über die aktuelle Situation der Hesse Newman Capital AG zu informieren, hat das Emissionshaus für Donnerstag, den 15. Mai 2014, um 10 Uhr zur außerordentlichen Hauptversammlung geladen. Veranstaltungsort ist der Firmensitz, Gorch-Fock-Wall 3 in  Hamburg. Wer teilnehmen möchte, muss sich vorher schriftlich anmelden. Näheres erfahren Sie in dieser  Original-Meldung des Unternehmens.
Ein Portrait des Emissionshauses Hesse Newman Capital finden Sie  hier (Link entfernt).
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