Der ETF investiert in nachhaltige Unternehmen wie den Windturbinenbauer Vestas – aber auch in kritischere Werte. / Foto: Vestas

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ETF-Test: Xtrackers MSCI Europe ESG

Der Xtrackers MSCI Europe ESG UCITS ETF investiert in 165 europäische Aktiengesellschaften, die besonders nachhaltig sein und besonders wenig CO2 produzieren sollen. Sind die Ansprüche des ETFs streng genug, um wirklich vorbildlich zu investieren? Das erfahren Sie im ECOreporter-Test.

Der Anbieter des ETFs ist eine Tochter der Fondsgesellschaft DWS, die zur Deutschen Bank gehört. Ein bedeutender Teil des Geldes, das Xtrackers und die DWS anlegen, steckt in Kohle, Erdöl und Rüstung.

Finanzen/Risiko

Der ETF startete im Mai 2018. Da der ETF damit noch keine drei Jahre am Markt ist, erhält er keine Finanznote. Auf ein Jahr gesehen hat der ETF 12,2 Prozent an Wert gewonnen, der weltweite Aktienindex MSCI World ist im selben Zeitraum 29,5 Prozent im Plus. Seit Auflegung hat der ETF 17,2 Prozent zugelegt (MSCI World: 37,1).

Die Jahresgebühren von 0,2 Prozent sind auch für einen ETF günstig.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF bildet einen Index des US-Finanzdienstleisters MSCI ab und legt nach dem "Best-in-Class-Prinzip" an. Für den Auswahlprozess kommen dabei zwei voneinander unabhängige Methoden zum Einsatz: Die Unternehmen müssen nach einer ESG-Bewertung nur zu besseren Hälfte ihrer Branche gehören. ESG steht für Umwelt (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance). Und sie sollen zu den 50 Prozent der Unternehmen gehören, die am wenigsten CO2-Emissionen verursachen.

Ein sehr schwaches ESG-Verfahren wird also durch engagiertere Anforderungen an Emissionseinsparungen ergänzt. Die Aktienauswahl wird vierteljährlich überprüft, für die Auswahl und Bewertung der Aktien ist MSCI verantwortlich.

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Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Investments in Unternehmen aus, die mindestens 5 Prozent ihres Umsatzes mit Alkohol, Glücksspiel, Waffen, Tabakwaren und Atomkraft machen. Für Geschäfte mit Kohle gilt eine Umsatzschwelle von 15 Prozent. Komplett tabu sind lediglich Investments in kontroverse Waffen, etwa Streumunition, Atomwaffen oder Anti-Personen-Minen.

So nachhaltig ist dieser ETF

Der ETF investiert unter anderem in den finnischen Papierhersteller UPM-Kymmene, der über Tochtergesellschaften an der Erzeugung von Kohle- und Atomstrom beteiligt ist. Nach Erkenntnissen der Nachhaltigkeits-Ratingagentur V.E (früher: Vigeo Eiris) liegt der auf die Muttergesellschaft entfallende Umsatzanteil aber unter 5 Prozent – somit sind die Kriterien des ETFs nicht verletzt.

Auch im ETF: Der Chemiekonzern BASF mit Sitz in Ludwigshafen hält die Mehrheit am Öl- und Gasproduzenten Wintershall Dea. BASF führt auch Tierversuche durch und stellt Pestizide sowie genetisch manipuliertes Saatgut her. BASF ist zudem Zulieferer fürs Militär und die Nuklearindustrie.

Etliche weitere Unternehmen im ETF, beispielsweise Akzo Nobel, Atos, Schneider Electric und andere, machen Geschäfte als Zulieferer für Nuklearindustrie und Militär. Andere wie Danone und Merck führen Tierversuche durch, sofern sie gesetzlich vorgeschrieben sind – etwa für medizinische Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel.

Immerhin, auch in den dänischen Windanlagenbauer Vestas oder den grünen österreichischen Energieversorger Verbund investiert der ETF. Er hält auch Aktien des vorbildlich nachhaltigen dänischen Gesundheitskonzerns Coloplast und weiterer nachhaltiger Konzerne, etwa Unibail-Rodamco-Westfield (Frankreich; Immobilien) und Henkel (Düsseldorf, Chemie). Es finden sich aber auch Aktien von Adidas (Herzogenaurach) und Coca-Cola European Partners (Großbritannien).

Transparenz

Der Anbieter veröffentlicht alle aktuellen Aktienpositionen des ETFs. In den Unterlagen zum ETF wird das Auswahlverfahren knapp beschrieben. Auf der Internetseite des Indexanbieters MSCI erfahren Anlegerinnen und Anleger mehr über das Auswahlprinzip des nachgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der Aktien gibt es im Factsheet des ETFs keine Informationen.

Nachhaltige Wirkung

Die DWS stellt auf ihrer Internetseite ihr Stimmverhalten und Fragen auf Aktionärsversammlungen sowie einen Leitfaden für Dialoge mit Unternehmen transparent und deutlich dar. Das ist auch ausführlicher als bei vergleichbaren ETFs. Zu einzelnen Unternehmen können Anlegerinnen und Anleger übersichtliche Fragenkataloge einsehen und herunterladen – das ist ein Pluspunkt.

Stärken:

  • Niedrige Gebühren
  • Informationen über Stimmverhalten 

Schwächen:

  • Investitionen in Kohle- und Atomstrom
  • Investitionen in Öl und Gas
  • Investitionen in Zulieferer für Militär und Nuklearindustrie

Fazit

Kerngrün ist dieser ETF nicht, und über Umwege investiert er in geringem Ausmaß auch in Atomkraft und Kohlestrom. Zudem hält er etliche Aktien, bei denen es um kritische Geschäftsfelder geht. Der ETF investiert aber auch in nachhaltige Unternehmen. Verglichen mit nachhaltigen Aktienfonds ist das nichts Besonderes. Bei den ETFs gehört der Xtrackers MSCI Europe ESG damit aber schon zu den aus Nachhaltigkeitssicht Besten.

Die ECOreporter-Noten:
Finanzen: --
Nachhaltigkeit: 3,0

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Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Daten und Fakten

Stichtag des Tests Nachhaltigkeit: 2.2.2021

Stichtag des Tests Finanzen: 3.2.2021

Name des ETFs: Xtrackers MSCI Europe ESG UCITS ETF 1C

ISIN: IE00BFMNHK08 / WKN: A2JHSG

Nachgebildeter Index: MSCI Europe Low Carbon SRI Leaders Index

Start des ETFs: 8.5.2018

Jährliche Gebühren: 0,2% (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 185 Millionen Euro (3/2021)

Internet: etf.dws.com

Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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