Wie nachhaltig ist der Recycling-ETF von Wisdom Tree? / Foto: Pixabay

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ETF-Test: WisdomTree Recycling Decarbonisation ETF

Weltweit investieren in Recycling-Aktien, mit zusätzlichem Fokus auf alternative Kraftstoffe und Energieerzeugung aus Abfall: Der WisdomTree Recycling Decarbonisation ETF hat eine spannende Ausrichtung. Doch wie nachhaltig ist er zusammengestellt? ECOreporter hat geprüft, welche Unternehmen hier Teil einer modernen Kreislaufwirtschaft sein sollen.

Der US-Vermögensverwalter WisdomTree ist einer der größten ETF-Anbieter in den USA. WisdomTree berücksichtigt nach eigenen Angaben für alle Investments ESG-Kriterien. ESG steht für (nicht verbindlich definierte) Leistungen in den Bereichen Ökologie (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance). Seine ESG-Politik spiegelt sich für WisdomTree besonders in der Anwendung bestimmter Ausschlüsse wider. Diese sind aber nicht sehr streng. Näheres lesen Sie weiter unten unter dem Punkt "Ausschlusskriterien". 

WisdomTree ist neben ETFs vor allem auf börsengehandelte Rohstoffe (Exchange Traded Commodities, ETC), etwa Öl oder Gold spezialisiert. Nach eigenen Angaben bietet das Unternehmen Europas größte Auswahl an Gold-ETCs an – dabei muss das gehandelte Gold die sogenannte "Good Delivery"-Zertifizierung der britischen Rohstoffbörse London Bullion Market besitzen. Dies soll Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Menschenrechtsverletzungen verhindern.

Finanzen/Risiko

Der ETF startete am 22. April 2022. Da er damit noch keine drei Jahre am Markt ist, erhält er keine Finanznote.

Hier finden Sie den aktuellen Kurs des ETFs bei ECOreporter und Details zur Wertentwicklung

Die Jahresgebühren sind mit 0,45 Prozent eher teuer für einen ETF, im Vergleich etwa zu aktiv gemanagten Fonds aber immer noch günstig. ECOreporter empfiehlt angesichts der geringen Zahl von nur 44 Aktien im ETF eine Haltedauer von sieben, besser zehn Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF investiert weltweit in Unternehmen, die in den Bereichen Abfallverwertung und Recycling tätig sind. Das umfasst auch das Erzeugen von Energie aus Biomasse (Waste-to-Energy) sowie die Produktion von erneuerbarem Erdgas, Diesel und Ethanol.

Die Unternehmen müssen dabei mindestens 20 Prozent ihres Umsatzes in entsprechenden Geschäftsbereichen generieren. Anders ausgedrückt: 80 Prozent der Umsätze können aus Geschäften stammen, die mit der Ausrichtung des ETFs nichts zu tun haben. Für einen Themen-ETF ist das schwach. Immerhin: Die Gewichtung im Portfolio erfolgt nach Recyclingquote oder Anteil des Waste-to-Energy-Geschäfts und der Höhe der Kohlenstoffemissionen. Heißt: Wer mehr recycelt und weniger CO2 ausstößt, ist mit einer größeren Position vertreten. Die Nachhaltigkeit der Investments soll zudem über Ausschlusskriterien gesichert werden.

Besonders vermissen dürften anspruchsvolle Anlegerinnen und Anleger bei dem ETF Positivkriterien. Diese könnten etwa eine messbare Reduzierung von Energieverbrauch und Emissionen verlangen oder bei Entsorgern steigende Recyclingquoten und sinkende Deponiemüllanteile. Leider bleibt diese Chance trotz eines überschaubaren Aktienkorbs mit nur 44 Werten ungenutzt.

Unklar ist zudem, worin genau der im ETF-Namen WisdomTree Recycling Decarbonisation formulierte Beitrag zur „Dekarbonisierung“ bestehen soll. Dieser scheint sich rein darauf zu beziehen, dass auch alternative Kraftstoffhersteller Teil des Aktienpakets sind.

Der ETF bildet einen Index der britischen Investmentgesellschaft Tortoise Ecofin ab. Tortoise lässt den Index durch den Frankfurter Dienstleister Solactive erstellen, der dafür auf Daten der Nachhaltigkeitsratingagentur ISS ESG zurückgreift.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Unternehmen aus, die an Geschäften mit geächteten Waffen beteiligt sind oder gegen den UN Global Compact verstoßen, also etwa Menschen- und Arbeitsrechte verletzen.

Ebenfalls tabu sind Unternehmen, wenn sie mehr als 5 Prozent ihrer Einnahmen aus Aktivitäten im Zusammenhang mit Tabak, Kohle, Ölsand, Schieferenergie, arktischer Öl- und Gasexploration oder Handfeuerwaffen für den zivilen Markt erzielen.

Nicht ausgeschlossen sind etwa Atomkraft, Alkohol, Glücksspiel, die konventionelle Öl- und Gasförderung sowie Einnahmen aus Militärverträgen. Eine vollständige Übersicht zu den Ausschlusskriterien erhalten Sie im Premium-Bereich.

Wie nachhaltig ist dieser ETF?

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