Kohlehalde vor einem Wärmekraftwerk der ATCO Group. Die Aktie des kanadischen Mischkonzerns ist nur ein problematischer Wert im ETF. / Foto: imao images, ZUMA Wire

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ETF-Test: Lyxor MSCI World ESG Trend Leaders ETF

767 Aktien, und alles echte Vorbilder für Nachhaltigkeit, das ganze Paket verschnürt in einem einzigen ETF: Was will man mehr? Der Lyxor MSCI World ESG Trend Leaders ETF verspricht viel. Der ETF-Test zeigt, was in Wirklichkeit im Paket eingepackt ist.

Anbieter des ETFs ist Lyxor, eine Tochter der französischen Großbank Société Générale. Die Bank selbst investiert auch in Öl, Gas und Kohle. Erst ab 2030 will Lyxor kein Geld mehr in klimaschädliche Kohlebergwerke und Kohlekraftwerke anlegen. Bereits bestehende Kohleinvestments sollen sogar noch bis 2040 bleiben dürfen – fast zwei Jahrzehnte also.

Finanzen/Risiko

Der ETF startete im Mai 2018. Da er noch keine drei Jahre am Markt ist, erhält er keine ECOreporter-Finanznote. Auf ein Jahr gesehen hat der ETF 33,6 Prozent an Wert gewonnen. Der weltweite Aktienindex MSCI World liegt im selben Zeitraum 34,1 Prozent im Plus. Seit seiner Auflegung hat der ETF 44,6 Prozent zugelegt (MSCI World: 42,7 Prozent).

Die Jahresgebühren von 0,2 Prozent sind ETF-typisch günstig.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF bildet einen Index des US-Finanzdienstleisters MSCI ab und legt weltweit nach dem Best-in-Class-Prinzip an. Dieses ist hier allerdings nur ein „Bessere-Hälfte-Prinzip": In bis zu 50 Prozent der Unternehmen einer Branche darf der ETF investieren. Ausgeschlossen ist mit anderen Worten gerade mal die schlechtere Hälfte. Die Bewertung der Nachhaltigkeit stammt von MSCI.

Der ETF verspricht Investments in „ESG Trend Leaders“, Vorreitern bei der Nachhaltigkeit also. ESG steht für die Leistung in den Kriterien Umwelt (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance).

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt auf den ersten Blick Investments in Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Kernenergie und Waffen aus. Das Kleingedruckte zeigt aber: All diese Ausschlüsse gelten erst, wenn ein Unternehmen in dem entsprechenden Bereich 50 Prozent seiner Umsätze erzielt. 50 Prozent – das ist eine der höchsten „Toleranzgrenzen“, die ECOreporter je in einem Test festgestellt hat.

Kohle und Erdöl sind zudem gar nicht ausgeschlossen. Komplett tabu sind nur kontroverse Waffen, etwa Streumunition oder Anti-Personen-Minen.

Wie nachhaltig ist dieser ETF?

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Der ETF hält Aktien des kanadischen Mischkonzerns Canadian Utilities und des finnischen Papierkonzerns UPM-Kymmene. Beide betreiben Kohlekraftwerke. UPM-Kymmene ist über die Tochter UPM Energy außerdem an einem Atomkraftwerk beteiligt. Der ETF investiert ebenfalls in den kanadischen Bergbaukonzern Franco-Nevada, der Kohleminen betreibt.

Diverse im ETF vertretene Unternehmen bieten nach Erkenntnissen der Nachhaltigkeits-Ratingagentur V.E (früher: Vigeo Eiris) Technik für die Öl- und Gasförderung an (Canadian Utilities, CSX, Inter Pipeline u.a.) oder sind Zulieferer für das Militär (Atos, Caterpillar, CNH Industrial u.a.) und dabei im Bereich Schlüsseltechnologien für Waffen aktiv.

Der ETF investiert insgesamt in konventionelle Unternehmen, einige davon besitzen eine gute Nachhaltigkeitsbilanz: etwa der Münchner Industriekonzern Siemens, der US-Chipriese Intel und der US-Konsumgüterhersteller Procter & Gamble. Letztere gehören auch zu den zehn größten Positionen des ETFs, unter denen beispielsweise auch der umstrittene US-Tech-Konzern Alphabet (Google) ist.

Transparenz

Anlegerinnen und Anleger können alle Aktien des ETFs auf der Internetseite des Anbieters Lyxor einsehen. Das Auswahlverfahren ist in den Unterlagen zum ETF knapp beschrieben. Weitere Angaben gibt es beim Indexanbieter MSCI. Zur Nachhaltigkeit der Unternehmen, deren Aktien der ETF hält, finden Anlegerinnen und Anleger in den öffentlich zugänglichen Dokumenten des ETFs mit vertretbarem Zeitaufwand keine Informationen.

Nachhaltige Wirkung

Lyxor übt nach eigenen Angaben Stimmrechte aus und tritt in Dialog mit Unternehmen, auch zu Nachhaltigkeitsthemen. Anlegerinnen und Anleger finden mit vertretbarem Zeitaufwand aber keine konkreten Forderungen an Unternehmen oder Informationen zu Dialogen. Eine nachhaltige Wirkung ist daher hier nicht ausreichend nachgewiesen.

Stärken:

  • Günstige Gebühren
  • Breite Streuung

Schwächen:

  • Schwaches Auswahlverfahren für Nachhaltigkeit
  • Sehr dehnbare Ausschlusskriterien
  • Investments in Kohle- und Atomstrom
  • Investments in Zulieferer für Militär und Ölindustrie

Fazit

Nachhaltigkeit? Beim heutigen Stand des Klimawandels können beispielsweise Investments in Kohle nicht mehr als nachhaltig gelten. Selbst das Bundesaufsichtsamt für Finanzen, sonst eher unverdächtig, ökologischer Vorreiter zu sein, warnt vor den Klimarisiken solcher Industrien. Wer wirklich nachhaltig investieren will, macht besser einen weiten Bogen um diesen ETF.

Die ECOreporter-Noten:

Finanzen: --

Nachhaltigkeit: 6

Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Daten und Fakten

Stichtag des Tests Nachhaltigkeit: 20.4.2021

Stichtag des Tests Finanzen: 20.4.2021

Name des ETFs: Lyxor MSCI World ESG Trend Leaders (DR) UCITS ETF - Acc

ISIN: LU1792117779 / WKN: LYX0YL

Nachgebildeter Index: MSCI World Select ESG Rating and Trend Leaders Net Return EUR Index

Start des ETFs: 14.5.2018

Jährliche Gebühren: 0,20% (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 269,4 Millionen Euro (4/2021)

Internet: lyxoretf.de

Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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