Umweltversand Waschbär

04.06.14 Finanzdienstleister

Ethische Banken: Der Umweltversand Waschbär - ein Projekt der Triodos Bank

Umweltbewusst, fair, nachhaltig leben: mittlerweile ein Trend, auch in der Mitte der Gesellschaft. Wer diesen Trend näher untersucht, wird irgendwann auf ein Unternehmen in einem Gewerbegebiet in Freiburg stoßen.

Von einem 16.000 Quadratmeter großen Lager aus versorgen 350 Mitarbeiter die Nation mit Mode, Möbeln, Textilien, Kinderspielzeug, Haushaltswerkzeugen und vielem mehr. Die rund 7.000 Artikel im Angebot haben eines gemeinsam – sie sind nachhaltig. Und sie sind es schon immer gewesen.

Waschbär startete 1987 als Garagenfirma innovativer Ökos. „Leo Pröstler, der damals das Freiburger Ökoinstitut leitete, gründete Waschbär aus einer politischen Notwendigkeit heraus. Er wollte Waren anbieten, die den Alltag nachhaltiger gestalten“, sagt Barbara Engel, Leiterin des Bereichs Nachhaltigkeit bei Waschbär. Warum heißt ein Katalogversand, der heute vor allem für faire und ökologische Mode, Textilien und Schuhe steht, Waschbär? Auch das liegt in den Anfängen begründet. „Alles begann mit der Waschbär-Ökoputzkiste. Es ging darum, Wasch- und Putzmittel umweltverträglicher zu machen; die aggressive Chemie durch ökologisch abbaubare Substanzen zu ersetzen“, sagt Engel. Heute hat die Ökoputzkiste Kultstatus. Ein Exemplar steht hinter Glas im Waschbär-Logistik-Zentrum - gemeinsam mit dem ersten 16-seitigen Katalog. Der aktuelle Katalog umfasst 350 Seiten.

Waschbär fordert Transparenz von Lieferanten.
Mittlerweile sind Mode, Textilien und Schuhe die Zugpferde des Waschbär-Versandhandels. Verwendet werden ausschließlich Naturfasern. Um nicht nur ökologisch, sondern auch sozial-ethisch einwandfreie Produkte anbieten zu können, geht Waschbär eigene Wege, die für die Mode- und Textilindustrie außergewöhnlich sind. Eine große Herausforderung dabei: Wo und wie wird produziert? Bei der Herstellung von Textilien, insbesondere beim Nähen ist viel Handarbeit gefragt. „Wir lassen weltweit produzieren. Leider gibt es nur noch wenige Textilbetriebe, die in Deutschland fertigen. Insbesondere bei Strickwaren gibt es aber noch Produzenten, mit denen wir schon lange eng zusammenarbeiten“, sagt Engel. Der Großteil der Textilien wird heute importiert. „Wir konzentrieren uns auf Nähereien in und um Europa, etwa in der Türkei oder Bosnien-Herzegowina“, sagt sie. „In Bangladesch lassen wir nichts produzieren“, erklärt sie. Seide bezieht Waschbär aus China. Es handle sich um die weltweit einzige zertifizierte Bio-Seide, so Engel weiter, Produzent ist eine schweizerisch-deutsch-chinesische Kooperation. Sie pflanzt und pflegt Maulbeerbäume nach strengen biologisch-dynamischen Richtlinien. Die Blätter der Bäume dienen als Futter für die Seidenraupen. Diese verpuppen sich dann in den kostbaren Kokons.

Um sicherzustellen, dass die Zulieferer möglichst nachhaltig arbeiten, verlangt Waschbär hohe Transparenz. Für alle Warengruppen hat das Unternehmen Artikelpässe entwickelt. Das ist bei Textilien ein zehnseitiges Formular mit Fragen, das die Zulieferer ausfüllen und unterschreiben müssen, wenn sie mit Waschbär ins Geschäft kommen wollen. „Nur wenige sind bereit oder in der Lage, den Artikelpass komplett auszufüllen, weil sie das nicht wollen oder nicht genug wissen“, erklärt Engel. Das macht die Suche nach neuen Lieferanten nicht einfach. Gefragt wird unter anderem nach der Herkunft der Rohstoffe, der Art der Weiterverarbeitung im Detail und nach Schadstoffkontrollen. Anerkannte Label, wie der „Global Organic Textile Standard“, der als strengstes Biosiegel für Textilwaren gilt, erleichtern es dem Waschbär-Team. Zusätzlich kontrolliert Waschbär anhand von regelmäßigen Laborprüfungen die Angaben der Lieferanten. Wichtiger Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie ist die 2011 begonnene Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation. Die Fair Wear Foundation setzt sich weltweit für bessere Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie ein. Sie begleitet und kontrolliert Ihre Mitglieder bei der Prüfung und Umsetzung von Sozialstandards.

Nicht weniger bemerkenswert: Die Waschbär-Azubis machen jedes Jahr Praktika in sozialen Einrichtungen Freiburgs. Bei diesem „Seitenwechsel“ sammeln die jungen Menschen wertvolle Erfahrungen über den reinen Ausbildungsinhalt hinaus, sagt Ernst Schütz. Der aus Bern stammende Schweizer, ein gelernter Demeter-Landwirt, legte den Grundstein für die bis heute anhaltende Verbindung von Waschbär zur Triodos Bank. Ernst Schütz kam im Mai 2000 von Hess Natur zu Waschbär. Bei Hess Natur hatte er die Zusammenstellung der Kollektionen sowie Vertrieb und Marketing verantwortet. Zu diesem Zeitpunkt steckte Waschbär tiefer in der Krise als Schütz geahnt hatte: Waschbär hatte immer mehr Unternehmen zugekauft, sich daran verhoben - und meldete im Juni 2001 Insolvenz an. Ernst Schütz wurde unter dem Insolvenzverwalter Geschäftsführer. „Es gelang mir, Waschbär in sechs Monaten zurück in schwarze Zahlen zu bringen“, blickt er zurück. Im Dezember 2001 übernahm der Triodos Venture Capital Funds Waschbär. „Die Fonds-Verantwortlichen waren alle von der Triodos Bank“, so Schütz. Das Nachhaltigkeitsverständnis der Bank herrsche auch im Fonds. „Es ging Triodos nie darum, maximalen Profit aus dem Unternehmen herauszupressen, sondern um eine wirtschaftlich gesunde Entwicklung“, sagt Ernst Schütz. Waschbär habe die Freiheit bekommen, die man brauche, um ein Unternehmen zu entwickeln, so Schütz. „Ich habe mal einen Fünf-Jahresplan erstellt. Den haben wir ohne Druck übererfüllt.“ Die Gespräche mit Triodos über Pläne und Ziele hätten immer auf Augenhöhe stattgefunden, betont er. Nach sieben Jahren sei der Fonds planmäßig aufgelöst worden. Ernst Schütz wurde Alleineigentümer. Die Verbindung zur Triodos Bank besteht jedoch weiter: Waschbär hat hier Konten und bezieht auch einen Kredit von der niederländischen Nachhaltigkeitsbank.
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