First Solar kappt die Produktionskosten und hat dafür einen hohen Jahresverlust in 2016 in Kauf genommen. Ob diese Strategie aufgeht, ist noch offen. Der Kurs der Solaraktie hat sich aber zuletzt deutlich erholt. / Foto: First Solar

22.02.17 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

First Solar knietief im Minus, aber die Solar-Aktie steigt

First Solar hat das Gesamtjahr 2016 besser abgeschlossen als erwartet. Zudem hat sich der Aktienkurs stabilisiert, zuletzt ging es für ihn sogar deutlich aufwärts. Im  ECOreporter-Aktientipp vom November 2016  hatten wir geraten, die Solaraktie zu halten. Sollten Anleger auf eine nachhaltige Kurserholung setzen und jetzt in die Solaraktie investieren?

Der Solarkonzern aus Tempe in Arizona erlöste in 2016 einen Jahresumsatz von 3,6 Milliarden Dollar. Dieser ist damit gegenüber dem Vorjahr zwar um rund 20 Prozent geschrumpft. Der Jahresumsatz lag aber klar über der Konzernprognose von 2,8 bis 2,9 Milliarden Dollar. Auch das Jahresergebnis fiel besser bzw. weniger schlecht aus als Konzernchef Mark R. Widmar im November 2016 angekündigt hatte. Damals rechnete der Chief Executive Officer (CEO) mit einem Nettoverlust je Aktie von bis zu 4,0 Dollar in 2016. Nun bezifferte er den Fehlbetrag mit 3,48 Dollar je Aktie.

Widmar hatte die Prognose im zweiten Halbjahr 2016 mehrfach kürzen müssen. Hauptgrund war der massive Preisverfall bei Solarmodulen im Weltmarkt. Im Jahresverlauf sank der Durchschnittspreis um mehr als ein Drittel. Das zwang viele Solarkonzerne zu massiven Kosteneinsparungen. Widmar, erst seit Sommer 2016 der CEO von First Solar, entschied sich für einen harten Schnitt und beschloss, die Fertigung massiv zu modernisieren. Er kündigte an, die Modulfertigung schneller als bislang angestrebt auf die effizientere Serie 6 umzustellen. Die derzeitige Produktion der Serie 4 soll 2018 auslaufen und gleich durch die Serie 6 ersetzt werden. Die vorbereitete Serienfertigung 5 wird nicht gestartet, sondern übersprungen.

Zudem stellt First Solar die Produktion von kristallinen TetraSun-Siliziummodulen in Malaysia um auf Dünnschichtmodule auf Basis von Cadmium Telluride (CdTe), die der Solarkonzern bislang überwiegend, aber nicht ausschließlich produzierte. Dünnschichtmodule kommen ohne den Rohstoff Silizium aus, den die meisten Modulhersteller einsetzen. Das ermöglicht First Solar geringere Produktionskosten. Zwar sind Dünnschicht-Solarmodule nicht so leistungsstark wie Silizium-Module. Aber bei großen Photovoltaikprojekten in sonnenreichen Gegenden ist der Kostenfaktor für Investoren oftmals wichtiger als die Leistung der Module, da sie mit einem überreichen Sonnenscheinangebot rechnen können. First Solar ist der weltweit größte Hersteller von Dünnschicht-Solarmodulen.

Hohe einmalige Kosten verhagelten die Bilanz für das vierte Quartal
 
Diese Maßnahmen sollen die Wettbewerbsfähigkeit des Solarkonzerns steigern und den Abbau von 1600 Arbeitsplätzen ermöglichen, was etwa einem Viertel des Solarkonzerns entspricht. Widmar erhofft sich davon mittelfristig starke Kostensenkungen. Kurzfristig erfordern die Einschnitte aber extrem hohe Aufwendungen, etwa um die Entlassungen für die Mitarbeiter finanziell abzufedern. Die Kosten für diese Maßnahmen fielen überwiegend im vierten Quartal an.

Widmar bezifferte die im letzten Vierteljahr von 2016 geleisteten Aufwendungen dafür mit 729 Millionen Dollar. Sie verursachten einen Quartalsverlust von netto 719,9 Millionen Dollar oder 6,92 Dollar Nettoverlust je Aktie. Im vierten Quartal 2015 hatte First Solar noch einen Nettogewinn je Aktie von 1,62 Dollar erwirtschaftet. Der Quartalsumsatz hat sich durch die verringerte Produktion auf 480,4 Millionen Dollar mehr als halbiert.

Die Solaraktie hat ihre Talfahrt beendet – nur vorerst?

Die US-Börsianer reagierten positiv auf die Jahresbilanz, die First Solar vorgelegt hat. Die Solaraktie sprang am Dienstagabend nach der Veröffentlichung der Zahlen um 5 Prozent auf 36,6 Dollar. Ihr Wert hat sich damit in den letzten drei Monaten um ein Viertel erhöht. Sie notiert an der Nasdaq jetzt 42 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Der Kurs der Solaraktie bewegt sich nun ungefähr auf dem Niveau von Anfang 2013, als First Solar die vorangegangene Absatzkrise im Weltmarkt für Solarmodule hinter sich ließ und die Aktie zum Kursanstieg ansetzte, der sie bis Anfang 2016 auf Kurse über 60 Dollar führte.

Dennoch erscheint es verfrüht, schon jetzt neu in First Solar zu investieren. Zwar verfügt das Unternehmen weiterhin über eine starke Marktstellung. Mit 1,8 Milliarden Dollar an frei verfügbaren Mitteln hat First Solar auch eine große finanzielle Schlagkraft, kann damit Einnahmeeinbrüche im Gegensatz zu vielen Konkurrenten gut überbrücken und hat genug Kapital, um die angestrebten Modernisierungen und den Bau weiterer Solarparks umzusetzen. Doch für eine nachhaltige Kurserholung muss der Solarkonzern wieder profitabel wirtschaften und es ist ungewiss, wann First Solar diesen Wendepunkt erreichen wird. Neue Kursrückschläge sind jederzeit möglich, etwa wenn sich der Start der Serienfertigung 6 verzögert.

Bildhinweis: Bauarbeiten an einem Solarpark von First Solar. / Foto: Unternehmen

2017 wird für First Solar wohl lediglich ein Übergangsjahr

CEO Mark R. Widmar hat zwar jetzt seine Umsatzprognose für 2017 erhöht. Ihm zufolge soll der Jahresumsatz sich nur auf 2,8 bis 2,9 Milliarden Dollar verringern und nicht wie noch im November angekündigt auf 2,5 bis 2,6 Milliarden Dollar absinken. Der Konzernchef rechnet aber nicht mehr damit, dass First Solar das Jahr 2017 mit einem Nettogewinn abschließen wird.

Im November hatte er für 2017 noch einen leichten Nettogewinn in Aussicht gestellt. Seine Prognose reichte damals von 0,10 Dollar Nettoverlust bis 0,45 Nettogewinn je Aktie in 2017. Diese Einschätzung hat Widmar bei der Vorlage der Jahresbilanz revidiert. Er geht davon aus, dass sich die Gewinnspanne gegenüber 2016 weiter verringern wird, von auf 11 bis 13 Prozent. Zuvor hatte er bis zu 14,5 Prozent in Aussicht gestellt. Seine aktuelle Jahresprognose sagt nun einen Jahresverlust je Aktie von 0,05 bis 0,80 Dollar je Aktie voraus.

Zudem läuft auch das Projektgeschäft von First Solar nicht rund. Der Konzern ist einer der größten Solarprojektierer weltweit. Im Indianerreservat Fort Mojave in Arizona wollte er eine riesige Solarfarm mit einer Gesamtkapazität von 300 Megawatt (MW) umsetzen. Es war auch bereits ein Stromabnahmevertrag mit dem Versorger Southern California Edison abgeschlossen. Wie Firmenchef Widmar aber nun einräumen musste, kann First Solar den Solarpark nicht bauen und wurde der Vertrag mit dem Versorger aufgelöst. Man habe dem Widerstand der ansässigen Indianer gegen das Projekt nachgegeben, stellte der CEO dazu fest. Damit entgehen First Solar große Einnahmen, die ein Verkauf oder zumindest der Betrieb des Solarkraftwerkes eingebracht hätte.

Anleger müssen also nicht nur die noch immer hohen Kursrisiken von Solaraktien im Blick haben. Niemand kann sagen, wann das Überangebot im Weltmarkt für Solarmodule so weit abgebaut ist, dass sich die Preise wieder stabilisieren. Dieses Überangebot hatte 2016 den Preisverfall ausgelöst und hängt wesentlich von der Marktentwicklung in China ab. Dort war die Solarförderung Mitte 2016 stark gekappt worden, worauf die Nachfrage in den größten Solarmarkt der Welt absank. Die chinesischen Solarhersteller drängten daraufhin mit Billigangeboten in andere Märkte und lösten einen intensiven Preiskampf aus.

Ein solches Überangebot gab es bereits in den Jahren 2011 und 2012. Es folgte eine Marktbereinigung, aus der First Solar als einer der Gewinner hervor ging. Vieles spricht dafür, dass das Unternehmen in Zukunft wieder gute Geschäfte machen wird. Aber bis dahin kann es noch dauern. CEO Mark R. Widmar stufte 2017 bei der Vorlage der Zahlen für 2016 als Übergangsjahr ein. Erst wenn es konkrete Anzeichen dafür gibt, dass First Solar 2018 wieder schwarze Zahlen schreiben kann, sollten Anleger den Kauf der Solaraktie wagen. Vorerst bleiben wir jedoch bei unserer Empfehlung, die Beteiligung zu halten.

First Solar Inc: ISIN US3364331070 / WKN A0LEKM
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