Errichtung eines Offshore-Windparks von Windreich. / Foto: Unternehmen

11.08.15 Anleihen / AIF , Wachhund

Geldmangel bei Windreich – müssen Anleihegläubiger zittern?

Der insolventen Windreich GmbH geht das Geld aus. Weil das Kapital des Windkraftprojektierers nicht mehr dafür ausreiche, um fällige Verbindlichkeiten zu decken, habe Insolvenzverwalter Holger Blümle die drohende Masseunzulänglichkeit angezeigt. Das teilt das Münchner Beraterunternehmen One Square Advisory Services mit, das im Verfahren Gläubigerinteressen vertritt.

Die Insolvenzordnung (InsO) verpflichtet die jeweilige Insolvenzverwaltung generell dazu, eine drohende Masseunzulänglichkeit bei Gericht zu melden. Allerdings gehe der Insolvenzverwalter davon aus, dass der bedrohliche finanzielle Engpass lediglich vorrübergehend sei und  „spätestens mit der Verwertung“ des Nordsee-Windparkvorhabens Merkur Offshore (vormals MEG 1) beseitigt werde. One Square Advisory Services zufolge habe die aktuelle Situation keine Auswirkungen auf die Anleihegläubiger von Windreich und es bestehe daher kein Handlungsbedarf. Tatsächlich überwand die Windreich-Gruppe in der bislang knapp zwei Jahre währenden Insolvenz bereits Anfang 2014 eine drohende Masseunzulänglichkeit.
Allein diese Gläubigergruppe hatte Windreich über zwei Anleihen 149 Millionen Euro anvertraut. Insgesamt sollen die Windreich-Gläubiger 366 Millionen Euro von dem Unternehmen fordern. Einer der größten einzelnen Gläubiger ist die Bank J. Safra Sarasin aus Basel.

Merkur Offshore firmierte bis vor kurzem noch als MEG 1. Das Großprojekt soll nach der Fertigstellung aus 66 Windrädern mit 400 Megawatt (MW) Leistungskapazität bestehen. Der Baubeginn wird derzeit für die erste Jahreshälfte 2016 erwartet (ECOreporter.de  berichtete (Link entfernt)). Ursprünglich sollte das Projekt schon 2014 in Betrieb gehen. Der Verkauf dieses und weiterer Projekte und die daraus resultierende mögliche Insolvenzquote ist einer der zentralen Punkte, über die Windreich-Gründer und Vorstand Willi Balz mit dem Insolvenzverwalter streitet (mehr erfahren Sie  hier). Balz erklärtes Ziel ist es, das laufende Verfahren zu stoppen und neu unter seiner eigenen Regie wieder aufzurollen (ECOreporter.de  berichtete). Allerdings kämpft Balz an vielen Fronten gleichzeitig. Denn auch über sein privates Vermögen läuft ein Insolvenzverfahren und die Staatsanwaltschaft ermittelt noch immer wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation und der Insolvenzverschleppung.

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