Green Bonds sollen nachhaltiges Wachstum fördern, etwa indem über solche Anleihen Naturschutz-Projekte finanziert werden. Die Renditen der grünen Anleihen sind aber in der Regel gering. / Foto: Pexels

06.04.17 Anleihen / AIF

Green Bonds – sollten auch Privatanleger in grüne Anleihen investieren?

Mit grünen Anleihen, sogenannten "Green Bonds", können Investoren ihren eigenen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dies gilt sowohl für Institutionelle als auch für Privatanleger. Der Markt für Green Bonds wächst kräftig und erreicht jedes Jahr neue Rekordvolumina. Aber die Renditen sind gering – lohnt sich das private Investment?


Ob es am Klimaabkommen von Paris liegt, am steigenden grünen Bewusstsein der Anleger oder an Vorbildern wie US-Investor Warren Buffet, der neuerdings grüne Anleihen emittiert? Fest steht: Green Bonds boomen. Es gibt mehr Emittenten – darunter Banken, Länder, Unternehmen – mehr Arten von Green Bonds, mehr Green-Bond-Fonds und seit neuestem auch einen Green-Bond-ETF. "Für das aktuelle Jahr 2017 rechnen wir mit einem Volumenwachstum von 35 Prozent", sagte Meltem Dilber von der SEB AG, einer Tochter der skandinavischen Bank SEB. "Steigendes Interesse beobachten wir insbesondere in Deutschland, dem Land der 'Energiewende', und somit einem Markt mit großem Potenzial."

Die Ratingagentur Moody’s rechnet sogar mit einer Verdoppelung des weltweiten Emissionsvolumens von grünen Anleihen in 2017. Es könnte demnach 206 Milliarden US-Dollar erreichen. Zum Vergleich: 2013 lag das Volumen noch bei mickrigen 3,1 Milliarden Dollar, wie eine Analyse von Bloomberg New Energy Finance zeigt. Trotz des dynamischen Wachstums bleiben Green Bonds weiterhin ein Nischenmarkt. Laut Moody's machte der Bereich 2016 nur 1,4 Prozent des Emissionsvolumens des gesamten Anleihenmarkts aus.

Auch der Anbieter UniCredit erwartet für das laufende Jahr einen Anstieg der Emissionen. "Der Anstieg resultiert auch aus der zunehmenden Vielfalt an Emittenten und Investoren im Bereich Green Bonds", sagte Robert Vielhaber, Green Bond Spezialist in der Research Abteilung von UniCredit. "Beispielsweise dominierten 2016 erstmals chinesische Emittenten den Markt. Gleichzeitig nutzen auch immer mehr Unternehmen sowie Banken die Möglichkeiten von Green Bonds. Auch die Anzahl an speziellen Green Bond Fonds von Asset Managern, Banken und Versicherungen steigt an", so Vielhaber.


Kleine Rendite, dafür gezielter Klimaschutz?

Dabei sind die Renditen bei Green Bonds meist bescheiden, sie bewegen sich Anfang 2017 im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Als Faustregel gilt: Je sicherer es ist, dass man sein Geld zurückerhält, desto geringer ist die Rendite. "Green Bonds haben die gleiche Kreditwürdigkeit wie konventionelle Anleihen, die vom selben Unternehmen emittiert werden", sagte Heike Fürpaß-Peter vom Anbieter Lyxor. Green Bonds könnten eine sinnvolle Ergänzung für Anleger sein, die auf Anleihen im Portfolio nicht verzichten wollen und mit ihren Investments gezielt umweltfreundliche Projekte unterstützen möchten. "Green Bonds sind vor allem deshalb für Privatanleger interessant, weil ein Investor – im Vergleich zu einer non-green Anleihe – sehr genau nachvollziehen kann wofür das investierte Geld verwendet wird", erklärte Robert Vielhaber von UniCredit.

Aber wie grün sind die Green Bonds wirklich? Im Idealfall sollen sich Anleger ein genaues Bild verschaffen können, in welche Klimaschutzprojekte ihr Geld fließt. Ein Kriterium für die Nachhaltigkeit kann sein, ob der Emittent die "Green Bond Principles" befolgt. Diese Leitlinien legen qualitative Mindeststandards fest, von der Projektauswahl bis hin zu den erzielten Umweltwirkungen. Allerdings sind sie unverbindlich. Deswegen fordert etwa das Südwind Institut für Ökonomie und Ökumene aus Bonn eine staatliche Regulierung grüner Anleihen und mehr Transparenz als bisher.

Auch Staaten sind verstärkt im Markt grüner Anleihen aktiv. "Nachdem Polen 2016 als erster Staat einen Green Bonds begeben hat und  Frankreich Anfang des Jahres nachgezogen ist,  erwarten wir, dass das Thema grüne Staatsanleihen 2017 weiter an Bedeutung gewinnt", so Robert Vielhaber von UniCredit. Schweden und einige afrikanische Länder könnten mit ähnlichen Transaktionen folgen. "Die grünen Staatsanleihen richten sich aufgrund ihrer hohen Stückelung vorrangig an institutionelle Anleger. Bisherige grüne Staatsanleihen wurden ausschließlich von institutionellen Anlegern gezeichnet", sagte Vielhaber.

"Staaten, aber auch Unternehmen, haben zuletzt tatsächlich deutlich mehr Green Bonds emittiert", beobachtet auch Heike Fürpaß-Peter. Gleichzeitig habe auch die Vielfalt der Sektoren zugenommen, in welche das Geld fließe. "Für Anleger, auch Privatanleger, ist diese Entwicklung günstig. Sie haben nun eine größere Auswahl und bessere Möglichkeiten das potentielle Ausfallrisiko durch eine breite Streuung zu minimieren", erklärte die Expertin von Lyxor.


Besser auf Fonds statt auf einzelne Anleihe setzen?

Bisher konzentriert sich der Green Bond Markt aufgrund der hohen Stückelung, die in der Regel um die 100.000 Euro liegt, eher auf institutionelle Anleger. "Dies ist aber letztendlich der Nachfrage von Privatinvestoren geschuldet, die beispielsweise über Investmentfonds und Indexfonds an Green Bonds partizipieren", erläuterte Robert Vielhaber von UniCredit. Privatanleger sind also nicht nur auf das direkte Investment in grüne Anleihen angewiesen. Eine Alternative sind Green-Bond-Fonds. Welches Produkt sie wählen sollten, hängt unter anderem ab von ihrem Anlageverhalten. Es gelten dieselben Grundsätze wie bei klassischen Anleihen: "Anleger, die eine Risikostreuung wünschen, setzen auf Fonds. Dort sind die Anleihen mehrerer Emittenten gebündelt. Wer die Wahl einer einzelnen Anleihe bevorzugt, der wählt die Direktanlage", sagte Meltem Dilber von SEB. Der SEB Konzern hat 2015 den SEB Green Bond Fund aufgelegt. Heike Fürpaß-Peter von Lyxor ergänzt: "Aus anlagetechnischer Sicht sollten Anleger in solche Fonds investieren, die ausreichend breit gestreut sind. So lässt sich das potentielle Ausfallrisiko einzelner Anleihen begrenzen."

Genau hinschauen: Beim Investment in Green Bonds sollten Anleger besonderes Augenmerk auf das nachhaltige Konzept der Anbieter legen. / Foto: Pexels


Bei Green-Bond-Fonds ist zudem die Einstiegsschwelle für private Investoren niedriger: Im Gegensatz zu normalen Green Bonds können Anleger hier in der Regel schon ab ein paar hundert Euro einsteigen. Außerdem gibt es bei vielen Anbietern Fondssparpläne. Allerdings empfiehlt Vermögensberater Volker Grimm von der UmweltBank Green-Bonds-Fonds eher für langfristig denkende Anleger: Mittelfristig seien die Kosten etwa beim SEB Green Bond Fund zu hoch, so Grimm.

Erster Green-Bond-ETF reagiert auf Nachfrage

Lyxor hat im März den weltweit ersten Green Bonds ETF auf den Markt gebracht.  "Seine Auflage ist eine Reaktion darauf, dass erstens Anleihen ETFs zunehmend von Investoren nachgefragt werden und zweitens, dass gerade das Interesse von institutionellen Investoren an nachhaltigen Investments in letzter Zeit deutlich zugenommen hat", erklärt Fürpaß-Peter von Lyxor. Der Anbieter geht davon aus, dass auch Privatanleger Green Bonds stärker nachfragen werden. "In der Vergangenheit war es allerdings so, dass der Markt für Green Bonds noch zu klein war, als dass man ihn gut über einen ETF hätte abbilden können."

Fazit:

Grüne Anleihen bieten den Investoren in der Regel das gleiche Risiko-Ertrags-Verhältnis wie andere Anleihen desselben Emittenten. Allerdings ist die Rendite meist gering.

Eine Investition in einen Green-Bond-Fonds kann sinnvoll sein, weil das Risiko breiter gestreut wird. Gleiches gilt für ETFs, bei denen vergleichsweise niedrigere Kosten anfallen. Jedoch sollten Anleger auch hier die Emittenten und deren Green-Bond-Konzepte genau prüfen.


Mehr über Green Bonds erfahren Sie in unserer Serie aus 2016.
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