Die eno energy GmbH plant und errichtert Windparks. Zudem stellt sie auch selbst Windräder her. / Foto: Unternehmen

17.09.15 Anleihen / AIF , Fonds / ETF

Großinvestor sieht eno energy als „attraktives Investment“

Das Ringen um die Verlängerung der Windkraftanleihe der eno energy GmbH geht weiter. Die virtuelle Abstimmung der Anleihegläubiger ist gescheitert – mangels Beteiligung. Ob eno energy im zweiten Anlauf grünes Licht für ihre Pläne bekommt, ist fraglich. Damit bleibt ebenso offen, ob und wie die Banken die Kredite von eno energy wie gewünscht verlängern und erweitern. Klar ist: es steht eine klassische Gläubigerversammlung an, dem Vernehmen nach im Oktober 2015.

Möglichst geräuschlos und ohne Gläubigerversammlung wollte die Windkraftspezialistin eno energy GmbH aus Rostock ihre aktuelle Anleihe (ISIN DE000A1H3V53) bei gleichbleibenden Konditionen (7,375 Prozent Verzinsung pro Jahr) um drei Jahre bis 2019 verlängern. Daraus wird vorerst nichts.  Die Online-Abstimmung darüber endete in dieser Woche. Das Ergebnis: Es haben viel zu wenige Anleger teilgenommen, um beschlussfähig zu sein.

eno energy hatte 2010 insgesamt 10.291 Anleihen zu je 1.000 Euro ausgegeben und rund 10,3 Millionen Euro bei Anlegern eingeworben. Jede Anleihe entsprach dabei einem Stimmrecht. Um beschlussfähig zu sein, hätte 50 Prozent dieses investierten Anleihekapitals bei der Abstimmung vertreten sein müssen. Tatsächlich abgegeben wurden aber lediglich 1.735 Stimmen. Das sind nur rund 17 Prozent. Das geht aus dem offiziellen Ergebnis der Abstimmung hervor, das eno energy veröffentlichte.

Gläubigerversammlung ist jetzt Pflicht

Damit steht nun fest, dass es eine klassische Gläubigerversammlung – also eine Präsenzveranstaltung -  geben wird. Dabei muss nochmals abgestimmt werden. An der Entscheidung hängt sehr viel für die eno energy GmbH. Das Unternehmen braucht Geld für weiteres Wachstum. Dazu sollen laufende Kredite bis 2019 verlängert, vereinfacht und aufgestockt werden. Der Haken: Die Hausbanken haben die Verlängerung der Anleihe bis 2019 zur Bedingung für das neue Finanzkonzept gemacht ( hier  haben wir die Pläne ausführlich vorgestellt).

Über den Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland ist Murphy&Spitz einer der Anteilseigner an der eno energy GmbH. Der Fonds verfügt über 5,3 Millionen Euro Gesamtvolumen. Ende August 2015 waren rund 5,5 Prozent davon in die eno-Anleihe investiert. Fondsmanager Andrew Murphy: „An der virtuellen Abstimmung über die Laufzeitverlängerung der Anleihe 2011/2016 bis 2019  haben wir nicht teilgenommen. Außerdem haben wir allen unseren Anlegern dazu geraten, dies ebenfalls nicht zu tun“, sagt er.
Bild: Andrew Murphy von Murphy&Spitz. / Foto: Unternehmen

„Uns ist es wichtig, dass es jetzt zu einer Präsenzveranstaltung kommen wird, um offene Fragen zu klären. Aus unserer Sicht steht die eno energy GmbH  zwar vor Herausforderungen. Dennoch bleibt die Anleihe mit einem Kupon von 7,375 Prozent ein attraktives Investment", so Murphy weiter. Grund sei der aktuelle Boom des Windmarkts in Deutschland. „Dies ist der Markt, in dem eno energy vorrangig aktiv ist. Wir gehen davon aus, dass die Geschäfte der deutschen Branche bis 2017 weiter gut laufen werden. Die geplante Abkehr von der festen Einspeisevergütung und die Einführung des Ausschreibungsmodells werden sich erst ab 2018 am Markt niederschlagen“, erläutert Murphy. Wie bewertet der Fondsmanager die Pläne von eno energy? „Wir haben Verständnis dafür, dass die Banken die neue Finanzierung bis 2019 an die Bedingung knüpfen, dass es 2016 nicht zu einem Kapitalabfluss in Höhe von 10 Millionen Euro kommt. Ebenso haben wir Verständnis dafür, dass eno energy angesichts der aktuellen Marktsituation Working Capital erhalten will und die Anleihe gern über 2016 hinaus verlängern würde“, erklärt der Fondsmanager.

Kommt noch ein weiterer  Alternativplan auf die Agenda?

Bei der kommenden Gläubigerversammlung steht auch die Verlängerung der Anleihe um sechs Monate bis Ende 2016 zur Abstimmung auf der Tagesordnung. Der Vorschlag kommt von der Beraterfirma One Square Advisors GmbH aus München, die zu den Kritikern der eno-Pläne gehört (mehr zu der Kritik lesen Sie  hier). Andrew Murphy hält von dieser Variante der Verlängerung wenig: „Die Anleihe lediglich um ein halbes Jahr zu verlängern macht aus unserer Sicht wirtschaftlich keinen Sinn“, sagt er: „Als einer der Anleger der eno energy GmbH pflegen wir einen konstruktiven Dialog mit der Unternehmensführung. Wir arbeiten an einem alternativen Vorschlag zum Umgang mit der Anleihe.“ Ziel sei es, eine zufriedenstellende Lösung für alle Parteien zu finden. „Die Gespräche dazu sind noch nicht abgeschlossen“, sagt Fondsmanager Murphy.

eno energy: Anleihe wird auch ohne Fristverlängerung bedient

Ein Termin für die Gläubigerversammlung steht noch nicht fest. Das bestätigte eno energy auf Nachfrage von ECOreporter.de. Dem Vernehmen nach soll die Veranstaltung im Oktober 2015 stattfinden. Die eno energy geht weiter davon aus, dass auch ein Nein zur Laufzeitverlängerung kein Beinbruch für das Unternehmen darstellen wird. In diesem Falle bleibe genug Zeit, um mit den Banken ein alternatives Finanzkonzept auszuhandeln und die Anleihe firstgerecht zum 30. Juni 2016 zurückzuzahlen, hieß es.
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