Biogasanlage der Grüne Werte Energie GmbH: Investoren haben bei dem Unternehmen solche Anlagen über Nachrangdarlehen finanziert. Seit Ende Dezember warten fast 200 Kleinanleger auf ihre Zinsen. ECOreporter.de hat Geschäftsführer Ulrich Zemke dazu befragt. Er nennt zwei wesentliche Gründe für den Verzug. / Foto: Unternehmen

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Grüne Werte mit Zinsen in Verzug – was steckt dahinter?

Über Nachrangdarlehen der Grüne Werte Energie GmbH aus dem bayrischen Ismaning haben Anleger unter anderem Biogasanlagen in Italien und Lettland finanziert. Seit Ende Dezember warten allerdings fast 200 Investoren auf ihre Zinsen. Grüne Werte musste den Zahlungstermin mehrfach verschieben. ECOreporter.de sprach mit Ulrich Zemke, Geschäftsführer Grüne Werte Energie GmbH, über die Ursachen für die Verzögerung bei den Auszahlungen.


ECOreporter: Herr Zemke, vertraglich vereinbarte Zinszahlungen sind von Grüne Werte nicht vollständig an die Anleger geleistet worden. Was steckt dahinter?

Ulrich Zemke:  Erst einmal muss ich sagen, dass es sich bei dem betroffenen Anlageprodukt um ein einfaches Nachrangdarlehen handelt. Der Vertrag beinhaltet, dass Zinsen verspätet ausgezahlt werden dürfen, wenn es die Umstände erfordern, beispielsweise um mit dem Unternehmen wieder "in ruhigeres Fahrwasser" zu gelangen. Wir haben die letzten Jahre immer pünktlich und vollständig gezahlt.

Wie viele Anleger sind betroffen, und wie hoch waren die Ausfälle?

Betroffen sind ca. 180 Anleger, die teilweise in mehrere der Kleinanleger-Tranchen Wertzins Klassik 1 bis 3 investiert haben. Es handelt sich je nach Art der Auszahlung um unterschiedliche Summen, bei monatlicher Auszahlung sind es zwischen 50 und 200 Euro. Die anderen Tranchen des Nachrangdarlehens "Wertzins Klassik" waren nicht betroffen. In 2016 wurden die Zinsen an alle anderen Tranchen vertragsgemäß ausbezahlt. Die Außenstände für die Zinsausschüttungen der Kleinanleger betragen bis zu 20 Prozent der geplanten Auszahlung.

Warum konnte Grüne Werte diesmal nicht pünktlich zahlen?

Zum 31. Dezember 2016 hätten wir eine Auszahlung von der staatlichen italienischen Energieagentur (GSE) erhalten sollen. Es handelt sich um die Einspeisevergütung für eine Biogasanlage, die wir in Italien betreiben. Allerdings ist es bei der Auszahlung dieser Vergütung zu einer Verzögerung gekommen, weshalb uns das Geld für die Ausschüttungen fehlte.

Woran lag das genau?

Wir haben in 2016 einen Tarifwechsel beantragt, der uns eine verlängerte Einspeisevergütung bis zum Jahr 2036 garantiert. Einen solchen Wechsel können Betreiber in Italien jedes Quartal über ein Online-Portal beantragen und offenbar ist aber bei diesem Antrag ein Fehler unterlaufen, der zu den genannten Verzögerungen geführt hat. Mit Bekanntwerden der Verzögerung haben wir uns umgehend um die Korrektur bemüht und unsere Anleger über die Verspätung der zu erwartenden Zahlung informiert. Zusätzlich haben wir dann Anfang Januar einen Anwalt eingeschaltet. Mit dem Anwalt sind wir in der zweiten Januarwoche nach Bologna gefahren, da es schwierig ist, mit der Behörde zu telefonieren: Das meiste wird dort wie gesagt online abgewickelt.

Dürfen Anleger also auf Zinszahlungen zum 31. März 2017 hoffen?

Wir haben neben den oben genannten Maßnahmen eine weitere strategische Entscheidung getroffen, um unser Ziel der Nachholung der Zahlung schnellstmöglich zu erreichen. 


Ein weiterer Grund für die Probleme bei den Auszahlungen war die Situation in Lettland, wo Grüne Werte Projekte betreibt. Was ist dort vorgefallen?

Normalerweise bedienen wir die Zinszahlungen aus den Erträgen der Erneuerbare-Energien-Anlagen. Eigentlich sind unsere Anlageprodukte nicht so "knapp gestrickt", dass die Zinsausschüttung allein aufgrund der Probleme in Italien hätte verschoben werden müssen. Eng wurde es, als auch noch der mit einer lettischen Bank beantragte Kredit ausgefallen ist. Es handelt sich im einen sogenannten Betriebsmittelkredit, den wir im Rahmen einer Investition in Lettland aufgenommen haben.

Worum geht es bei dem Projekt in Lettland?

Wir haben dort eine Biogasanlage gekauft und auch unsere Anbauflächen deutlich erweitert. Die Flächen, auf denen wir die Rohstoffe für den Betrieb der Anlage anbauen, müssen allerdings rekultiviert werden. Die hierzu benötigten Mittel sind zu einem großen Teil aus Anlegergeldern finanziert worden. Dass wir zusätzlich den Betriebsmittelkredit beantragt haben, war eine Ausnahme, um die saisonal erhöhten Kultivierungsaufwendungen zu überbrücken.

Was ging dann schief?

Der uns von diesem Sachbearbeiter regelmäßig positiv beschiedene Kreditwunsch wurde leider verzögert und verspätet bearbeitet, obwohl wir eine mündliche Zusage für die pünktliche Überweisung hatten. Ansonsten haben wir aber mit den Investitionen in Lettland sehr gute Erfahrungen gemacht. Dort ist alles problemlos digital machbar, zum Beispiel Einträge ins Grundbuch oder beim Katasteramt, auch sprechen viele Menschen Deutsch und Englisch. Das Land ist sehr fortschrittlich.

Was spricht denn für Investments in Italien?

Das Potential für Biogas in Italien ist sehr hoch, es gibt dort aktuell etwa 1.000 Anlagen, während in Deutschland der Markt gesättigt ist – auch weil die Rohstoffpreise massiv gestiegen sind. In Italien gibt es viel Biomasse, eine verlässliche Gesetzgebung und eine gute Einspeisevergütung. Eine Biogas- und Kraft-Wärme-Anlage betreiben wir bereits jetzt in Kooperation mit Landwirten bei Bologna. Sie wird mit Mist betrieben – das ist ökologisch sehr sinnvoll. Wir planen eine Erweiterung des Projekts, daran sollen vermutlich auch Landwirte beteiligt werden, die uns mit Gülle beliefern. Eventuell ist eine Direktbeteiligung von Anlegern vorgesehen. Bis wir so weit sind, wird es aber noch etwa ein Dreivierteljahr dauern.
Vorgesehen ist auch eine Zusammenarbeit mit Lamborghini, ein Werk befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Der Autobauer soll künftig das für seine Produktion benötigte Erdgas komplett durch unser Biogas ersetzen.

Herr Zemke, wir danken Ihnen für das Gespräch!
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