Die Geschäftszahlen von Hain Celestial sind schwach ausgefallen, aus mehreren Gründen. Wie glaubhaft ist die positive Prognose der Biolebensmittel-Spezialistin aus dem Bundesstaat New York? Im Bild Produkte des Unternehmens. / Foto: Hain Celestial

30.08.17 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Hain Celestial: Sollten Anleger trotz schwacher Zahlen investieren?

Biolebensmittel sind auch in den USA stark gefragt. Ein Trend, von dem die auf Bioprodukte spezialisierte Hain Celestial eigentlich profitieren müsste. Doch die Zahlen für das Fiskaljahr 2017 sprechen eine andere Sprache. Umsatz und Gewinn sind demnach leicht rückläufig. Was sind die Gründe dafür? Ist ein Einstieg bei der Aktie dennoch empfehlenswert?

Für Hain Celestial aus dem Bundesstaat New York endete das vierte Quartal 2017 am 30. Juni. Sowohl die Quartalszahlen als auch die Bilanz für das gesamte Fiskaljahr zeigen einen Rückgang bei mUmsatz und Ergebnis. Im vierten Quartal schrumpfte der Erlös um 2 Prozent auf 725,1 Millionen US-Dollar, umgerechnet etwa 607,3 Millionen Euro.

Das bereinigte EBITDA (Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) sank im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 Prozent auf 86,0 Millionen Dollar, das sind 71,9 Millionen Euro. Gegenüber dem ersten Quartal 2015/2016 blieb das Ergebnis je Aktie gleich, es betrug 0,43 Dollar (rund 0,36 Euro).

12-Monats-Bilanz: Drastischer Rückgang beim Ergebnis je Aktie

Im Gesamtjahr fiel der Umsatz von Hain Celestial um 1 Prozent gegenüber 2015/2016, auf nun 2,8 Milliarden Dollar (rund 2,4 Milliarden Euro). Einen deutlichen Rückgang von 27 Prozent gab es beim EBITDA, von 379 Millionen Dollar im Vorjahr auf nun 275,0 Millionen, das entspricht etwa 230,2 Millionen Euro. Entsprechend fiel das bereinigte Ergebnis je Aktie von 1,85 auf 1,22 Dollar (1,02 Euro).

Laut Hain Celestial haben Wechselkurs-Effekte den Umsatz und das Ergebnis für Quartal und Gesamtjahr negativ beeinflusst. Auch die Produkt-Rationalisierung, also Maßnahmen, die zu einer kostengünstigeren Produktion führen, habe eine Rolle gespielt, hieß es. Unternehmenschef Irwin D. Simon will die Kosten durch Einsparungen künftig deutlich verringern (mehr darüber erfahren Sie hier). Gegenüber dem Vorjahr sind die Herstellungskosten um 1,9 Prozent gestiegen.

Zudem setzt die Unternehmensführung auf ein Wachstum durch Übernahmen und nimmt dafür auch ein Absinken des Gewinns in Kauf.  Zuletzt hatte Hain Celestial einen Hersteller von Bohnen-Produkten übernommen.  

Überaus positiver Ausblick für 2018

Die Biolebensmittel-Spezialistin rechnet für das Fiskaljahr 2018 mit einem Umsatz zwischen 2,96 und 3,03 Milliarden Dollar (2,25 und 2,54 Milliarden Euro), das wäre ein Plus von zwischen 4 und 6 Prozent gegenüber 2017. Das bereinigte EBITDA soll in einem Spektrum von 350 und 375 Millionen Dollar (292,9 bzw. 313,8 Millionen Euro) liegen, es soll also zwischen 27 und 36 Prozent steigen. Einen Anstieg von 34 bis 48 Prozent erwartet Hain Celestial auch beim bereinigten Ergebnis je Aktie, die Prognose lautet 1,63 bis 1,80 Dollar je Anteil, umgerechnet zwischen 1,36 und 1,50 Euro.

Dazu ist anzumerken, dass das Unternehmen seine Prognosen für die vergangenen beiden Jahre korrigieren musste oder nicht einhalten konnte. Im Januar 2015 hatte Firmenchef Irwin D. Simon die Umsatzprognose für 2015/2016 gekürzt, die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr wurde sogar verfehlt. Und auch in 2014/2015 konnte Hain Celestial die vorherige Prognose nicht erfüllen.  Bei der verspäteten Vorlage der Geschäftszahlen für 2015/2016 hatte Simon einen leichten Anstieg bei Umsatz und Gewinn in 2018 verkündet.  Doch die Glaubwürdigkeit seiner Ankündigungen hat durch die Patzer stark gelitten.

Biolebensmittel-Aktie auf Jahressicht im Plus

Nach Bekanntgabe der Unternehmenszahlen sackte die Aktie von Hain Celestial an der US-Börse Nasdaq leicht ab. Sie notierte dort vor Börsenschluss bei 40,05 Dollar (33,51 Euro), ein Verlust von 1,4 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Jahressicht legte die Aktie rund 7,7 Prozent an Wert zu (Stand: 29. August). Es gab allerdings deutliche Schwankungen im Kursverlauf. Anfang August 2016 war die Aktie noch für rund 55 Dollar, etwa 46 Euro, gehandelt worden.

Ein Grund dafür dürfte auch das Chaos bei den Geschäftszahlen sein. Im Juni 2017 hatte der Konzern erstmals seit Mai 2016 eine offizielle Bilanz veröffentlicht. Im Vorjahr stellte Hain Celestial nämlich fest, dass Einnahmen aus Konzessionen an Vertriebspartner wohl falsch verbucht worden waren. Vor kurzem hat das Unternehmen erneut einen blauen Brief von der US-Börse Nasdaq erhalten,  weil nicht in der vorgegebenen Frist eine Hauptversammlung durchgeführt wurde.

Zuletzt hatte der Einstieg des kalifornischen Hedgefonds Engaged Capital die Aktie beflügelt. Der Hedgefonds drängte auf eine deutliche Umbesetzung der Führung von Hain Celestial und verlangte, nach einem Käufer zu suchen (wir berichteten). Engaged Capital verfügt über knapp 10 Prozent der Aktien von Hain Celestial und hat entsprechend viel Einfluss.

Fazit: Risiken bei der Aktie bleiben hoch

ECOreporter.de rät sicherheitsorientierten Anlegern weiterhin von dem Investment in die Biolebensmittel-Aktie ab. Für das Unternehmen spricht zwar, dass es nach wie vor profitabel wirtschaftet und einiges unternimmt, um Kosten zu sparen. Aber ob Hain Celestial die ehrgeizige Prognose für 2018 wirklich erfüllen kann, ist derzeit noch mehr als fragwürdig.

Hinzu kommen die Probleme mit der US-Börse Nasdaq und der Machtkampf zwischen dem Großaktionär Engaged Capital und der Unternehmensführung. Hier steht insbesondere der umstrittene Gründer Irwin D. Simon unter Beschuss. Es gibt also viele Unsicherheiten, die den Kurs der Aktie negativ beeinflussen können.

Hain Celestial Group Inc.: ISIN US4052171000 / WKN 908170

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