Elektorfahrrad aus dem Sortiment von MIFA. / Quelle: Unternehmen

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Hiobsbotschaft für Investoren des Fahrradherstellers MIFA

Die MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG hat im Geschäftsjahr 2013 voraussichtlich einen Fehlbetrag von etwa 15 Millionen Euro erwirtschaftet. Das gab das Unternehmen aus Sangershausen in Sachsen-Anhalt heute bekannt und erklärte dies vor allem mit nicht erfüllten Umsatzerwartungen. Es kam aber noch dicker: Im Zusammenhang mit der Einführung eines neuen Buchungssystems im zweiten Quartal 2013 sei das Vorratsvermögen buchhalterisch falsch erfasst, teilte MIFA mit. „Dadurch wurde der Materialaufwand bereits in den Quartalsabschlüssen für das zweite und dritte Quartal 2013 zu niedrig ausgewiesen“, hieß es. Da das Unternehmen keine unterjährige Inventur durchführe, habe man die Fehlbuchungen erst bei der Ermittlung des Jahresabschlusses erkannt.

Die Angaben über den Jahresfehlbetrag sind nur vorläufig, er könnte also durchaus höher ausfallen. Für das erste Quartal 2014 erwartet MIFA ein ausgeglichenes Ergebnis. Eine belastbare Aussage für das Gesamtjahr 2014 kann die Gesellschaft nach eigener Aussage erst nach Aufarbeitung des Jahresfehlbetrags geben. Vor der Ausgabe der Anleihe im August 2013 hatte sie für das erste Halbjahr 2013 mit 82,6 Millionen Euro noch 3,3 Prozent mehr Umsatz als in der Vorjahreshälfte und einen leichten Anstieg des Gewinns vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf 5,5 Millionen Euro bekannt gegeben. Später, im Dezember, kassierte der Vorstand dann die Prognose für das Gesamtjahr. Er hatte ursprünglich für 2013 einen Jahresumsatz von 120 Millionen bis 130  Millionen Euro in Aussicht gestellt, nach 111,3 Millionen Euro in 2012. Aufgrund von „kundenspezifischen Abnahmeverzögerungen“ werde man aber wohl nur 115 Millionen Euro Umsatz erreichen, teilte er kurz vor Weihnachten mit. Zum Gewinn oder Verlust machte MIFA damals keine Angaben. In 2012 hatte MIFA 2,9 Millionen Euro Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) erzielt.

Der Aktienkurs des Fahrradherstellers brach bis zum Mittag im Xetra um fast 36 Prozent ein. Mit 4,25 Euro notiert der Anteilsschein auf Jahressicht jetzt mit fünf Prozent im Minus, hat also die zwischenzeitlichen Kursgewinne wieder eingebüßt. Steil nach unten ging es auch für den Kurs der im Entry Standard notierten MIFA-Anleihe (WKN A1X25B). Diese verbilligte sich heute ebenfalls um über 30 Prozent und notiert keine Acht Monate nach der Emission nur noch bei rund 70 Prozent ihres Ausgangswertes. Über das im August 2018 fällige Wertpapier hatte MIFA 25 Millionen Euro bei Großinvestoren eingeworben, um Bankverbindlichkeiten zu verringern und Kapital für Investitionen zu erlangen.

Die Ratingagentur Feri EuroRating Services AG hat damals die Bonität der MIFA mit der Note BBB- beurteilt. Das bedeutet „erhöhtes Verlustrisiko“. Die heutigen Nachrichten sind für die Investoren der MIFA-Anleihe besonders wichtig, weil sie nun möglicherweise von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen und ihr Kapital zurückfordern können. Das Unternehmen prüft nach eigenen Angaben, ob der Einbruch beim Ergebnis so groß ausgefallen ist, dass entsprechende Klauseln in den Anleihebedingungen in Kraft treten. Dann werde man eine Versammlung der Anleihegläubiger einberufen, um über eine entsprechende Änderung der Anleihebedingungen abzustimmen, kündigte die Führung von MIFA an. Es ist aber offen, ob sie eine solche Zustimmung erlangt. Wir haben heute darüber  berichtet (Link entfernt), dass Anlegerschützer derzeit im Fall der Anleihe des Biogas-Unternehmens MT Energie GmbH davon abraten. Diese will ihre Anleihegläubiger dazu bewegen, auf ein Sonderkündigungsrecht zu verzichten, wenn durch anhaltende Verlsute die Eigenkapitalquote eine feste Mindestgröße unterschreitet.

Wenn die Investoren der Anleihe ihr Kapital zurück fordern können, droht der MIFA ein starker Mittelabfluss. Aber nicht nur das. Der Fahrradhersteller prüft nach eigenen Angaben, ob durch die schlechte Ergebnisentwicklung auch Kreditbedingungen verletzt wurden und also auch die Banken Darlehen streichen können. In diesem Fall werde Mifa weitere Refinanzierungsmöglichkeiten prüfen, hieß es dazu. "Der vorläufige Verlust hat keine Auswirkungen auf die operative Leistungsfähigkeit von MIFA. Die Auftragslage im ersten Quartal 2014 ist sehr gut und wir verfügen über eine ausreichende Liquidität für das laufende Geschäft", betonte Vorstandsmitglied Hans-Peter Barth, der mit sofortiger Wirkung zum neuen Finanzchef von MIFA berufen worden ist. Barth weiter: "Wir erwarten aufgrund der operativ soliden Situation von MIFA keine Beeinträchtigungen der im August fälligen Zinszahlungen für die ausstehende Anleihe."

Für die geplante strategische Partnerschaft mit dem indischen Fahrradhersteller HERO Cycles meldete MIFA Fortschritte. Man habe in einer Absichtserklärung eine Eigenkapitalbeteiligung in Höhe von 15 Millionen Euro von HERO an MIFA vereinbart. Diese Vereinbarung stehe noch unter Vorbehalt von abschließenden Verhandlungen. Die aktuelle Entwicklung dürfte die Verhandlungsposition des Fahrradherstellers nicht verbessert haben.

MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG: ISIN DE000A0B95Y8 / WKN A0B95Y
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