Die Biotreibstoff-Branche sieht sich einem unfairen Wettbewerb mit argentinischem und indonesischem Biodiesel ausgesetzt. / Foto: David Buettner, Fotolia

03.01.18 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Jahresrückblick: Bioenergie-Aktien teilweise mit Kursgewinn

Für die in den letzten Jahren gebeutelte Biogasanlagen-Branche war das überarbeitete Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2017 ein Hoffnungsschimmer: An den Ausschreibungen für neue Anlagen dürfen auch Anlagen teilnehmen, die bereits in Betrieb sind, aber nach 20 Jahren Laufzeit keine EEG-Einspeisevergütung mehr beanspruchen können. Im Rahmen des EEG 2017 müssen sich die Anlagenbetreiber auf Ausschreibungen bewerben, um eine feste Vergütung für jede Kilowattstunde (kWh) Strom zu erhalten.

Die Inbetriebnahme von neuen Biogasanlagen war aber auch 2017 sehr überschaubar - allen politischen Verkündungen von der Energiewende zum Trotz. Dabei liefern die Biogasanlagen selbst dann Strom, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint.

Und die gebeutelte Biotreibstoff-Branche? Anfang September hatte die EU-Kommission auf Druck der Welthandelsorganisation WTO die 2013 verhängten Anti-Dumping-Strafzölle auf Soja-Biodiesel aus Argentinien halbiert. Da praktisch gleichzeitig die USA für argentinischen Soja-Biodiesel ab Anfang 2018 Strafzölle verhängt haben, ist davon auszugehen, dass Europa mit dem Produkt überschwemmt werden könnte. Das dürfte die Wettbewerbsfähigkeit für Biodiesel aus einheimischem Rapsöl erheblich beeinträchtigen. Im Ergebnis könnte der Rapspreis massiv unter Druck geraten.

Ein ähnliches Verfahren für Palmöl-Biodieselimporte aus Indonesien ist bei der WTO anhängig, derzeit aber noch nicht entschieden. Für die heimische Bioenergie-Branche ist das problematisch. Aber die Unternehmen, die überlebt haben, sind politische Zickzack-Kurse mittlerweile gewohnt.


EnviTec: Künftig Biogas als Kraftstoff - Eigenbetrieb von Biogasanlagen stärkt das Firmenrückgrat

Mit 7,45 Euro in das Jahr 2017 gestartet, mit 7,27 Euro das Börsenjahr beendet: Kein bewegendes Jahr für Aktionäre der EnviTec Biogas AG aus Lohne, könnte man vermuten. Stimmt aber nicht. Immerhin hatte der Kurs Ende Juni fast 9 Euro erreicht. Im ersten Halbjahr 2017 hat die Envitec ihren Wachstumskurs fortgesetzt.

Die Umsätze stiegen in dem Halbjahr auf Konzernebene um 15,5 Prozent auf 78,6 Millionen Euro. Vor allem die Segmente Service und Eigenbetrieb hatten sich positiv entwickelt. Deutlich negativ auf die operative Entwicklung der EnviTec Gruppe im ersten Halbjahr 2017 wirkten sich aber Kosten- und Terminüberschreitungen bei mehreren Projekten im Anlagenbau aus. In der Folge stiegen die Materialkosten, ein wesentlicher Aufwandsposten im Konzern, um 20,5 Prozent auf 71,3 Millionen Euro.

Vor Zinsen und Steuern erwirtschaftete der EnviTec Konzern in den ersten sechs Monaten von 2017 ein positives operatives Ergebnis (EBIT) in Höhe von 0,6 Millionen Euro (Vorjahr: 0,9 Millionen). Nach Steuern erzielte das Unternehmen ein Ergebnis in Höhe von 0,7 Millionen Euro (Vorjahr: -0,1 Millionen). Im Herbst gab EnviTec bekannt, dass es seine Umsatz- und Ergebnisziele im Anlagenbau in 2017 nicht erreichen werde.
Die EnviTec Biogas AG mit ihren gut 460 Mitarbeitern plant und baut Biogasanlagen und Biogasaufbereitungsanlagen, übernimmt den Service sowie die Betriebsführung.   Daneben betreibt EnviTec auch eigene Biogasanlagen und vermarktet aufbereitetes Biomethan sowie Grünstrom- und Regelenergie. Für 2018 rechnet der EnviTec-Vorstand nach eigenen Angaben mit einer weiterhin positiven Geschäftsentwicklung. EnviTec will künftig auch die Nutzung von Biogas als Kraftstoff im Verkehrssektor als bioCNG (Compressed Natural Gas aus Biomethan) fördern.

Bildhinweis: Eine Biogasanlage von EnviTec. / Foto: Unternehmen


2G Energy: Umsatz und Gewinn liegen im Plan - aber der Aktienkurs ist im Sinkflug

2G Energy AG, die Spezialistin für Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen aus Heek bei Münster, hat von Januar bis September 2017 den Umsatz und den Gewinn gegenüber dem Vorjahr gesteigert. In den ersten neun Monaten erlöste das Unternehmen, dessen Anlagen oft mit Biogas betrieben werden, rund 110,6 Millionen Euro Umsatz, rund 19 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum.

Die Gesamtleistung erreichte 127,9 Millionen Euro, ein Plus von fast 7 Prozent. Beim operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) konnte sich 2G Energy um 0,3 Millionen auf 0,5 Millionen Euro verbessern. Der Vorstand ging für das vierte Quartal von hohen Umsatz- und Ergebnisbeiträgen aus. Auch Auftragsbestand und Auftragseingänge lagen über dem Niveau des Vorjahres. Der Auslandsanteil lag bei 37 Prozent und war damit leicht rückläufig.

USA, Japan und Frankreich sind die stärksten Auslandsmärkte für 2G Energy. Für das Gesamtjahr 2017 konkretisierte der Vorstand seine Prognose für die EBIT-Marge - also die Gewinnspanne - auf 3 bis 3,5 Prozent. Der Vorstand bestätigte zudem die Umsatzerwartung in einer Bandbreite von 174 bis 180 Millionen Euro.

Seit November ist der Kurs der Aktie deutlich gesunken - wohl, weil die Gewinne des Unternehmens am unteren Ende der Spanne liegen, die erwartet worden war. Mit 18,48 Euro war die Aktie in das Jahr gestartet, der  Jahreshöchstkurs lag Mitte April bei 24,90. Bis zum Jahresende fiel die Aktie auf 17,70 Euro.

CropEnergies: Bioethanol-Aktie trumpft 2017 auf, kann aber die Spitze nicht halten

CropEnergies stellt Bioethanol, also reinen Alkohol, sowie Lebens- und Futtermittel her. Damit hat das Unternehmen aus Mannheim, eine Südzucker-Tochter, in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2017/2018 (das Geschäftsjahr entspricht nicht dem Kalenderjahr und endet am 28. Februar) einen Umsatz von 679 Millionen Euro erzielt. Im Vorjahreszeitraum waren es 565 Millionen.

Das operative Ergebnis sank im Vergleich zum zweiten Quartal von 18 auf jetzt 12 Millionen. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2017/2018 verdiente CropEnergies operativ 59 Millionen, so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Noch im Oktober 2017 hatte das Unternehmen seine Prognose für das operative Ergebnis für das Gesamtjahr auf 60 bis 90 Millionen angehoben. Im November 2017 lautete die präzisierte Erwartung 60 bis 85 Millionen. Ende September hatte die Aktie mit 11,65 Euro ihren Jahreshöchstwert erreicht. Die Aktie ging mit nur 7,79 Euro aus dem Jahr hinaus - das sind aber über 50 Prozent mehr als zu Jahresanfang 2017 (5,10 Euro).

Trotz Gegenwind aus der EU: Verbio weiter erfolgreich

Die Verbio Vereinigte BioEnergie AG aus Leipzig hat den Umsatz und das Ergebnis im Geschäftsjahr 2016/2017 deutlich gesteigert. Bei dem Unternehmen fallen Geschäfts- und Kalenderjahr nicht zusammen. Das Unternehmen steigerte zum dritten Mal hintereinander seine Ergebnisse und setzte 20 Cent je dividendenberechtigte Aktie als Ausschüttung an.

Der Konzernumsatz stieg im Geschäftsjahr 2016/2017 gegenüber dem Vorjahresvergleichswert um 10 Prozent auf 726,4 Millionen Euro.   Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag bei 92,4 Millionen Euro und damit um 26 Prozent über dem Vorjahr. Die Gesamtproduktion an Biodiesel und Bioethanol erreichte im abgeschlossenen Geschäftsjahr 722.137 Tonnen.
"Solange Brüssel aus ideologischen Gründen weiter über ein Ende der konventionellen Biokraftstoffproduktion nachdenkt, während die Biokraftstoffproduktion weltweit wächst, ist die Expansion außerhalb Europas eine logische Konsequenz", erklärte der Vorstandsvorsitzende Claus Sauter. Das Konzernergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) stieg um 36 Prozent und betrug 70,7 Millionen Euro.

Bildhinweis: Mitarbeiter von Verbio in einer Biogasanlage. / Foto: Unternehmen


Auch das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres 2017/2018 verlief für Verbio erfolgreich, wie das Unternehmen im November meldete. Das Unternehmen erzielte von Juli bis Ende September 2017 mehr Umsatz, der Gewinn blieb gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu unverändert.

Maßgeblich für die Entwicklung waren niedrigere Margen beim Biodiesel, teilte Verbio mit. Die Produktionsanlagen waren jedoch sowohl beim Biodiesel als auch beim Bioethanol hoch ausgelastet. Die gegenüber dem Vergleichsquartal geringere Produktion von Biomethan sei auf einen nun behobenen Brandschaden in der Anlage Schwedt (Oder) zurückzuführen, hieß es. Am Standort Pinnow hat Verbio mit dem Bau einer 10-Megawatt-Stroh-Biomethananlage begonnen, die im Verlauf des zweiten Halbjahres 2018 in Betrieb gehen soll.

Die Verbio-Aktie startete mit 7,75 Euro in das Jahr 2017, hatte den Jahreshöchstkurs Mitte September bei 13,80 Euro und war bis zum Jahresende 2017 wieder auf 8,15 Euro gefallen.
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