Das Schienensystem für diese Stadtbahn im thailändischen Bangkok stammt von der Vossloh AG. / Foto: Unternehmen

11.01.16 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Jahresrückblick nachhaltige Aktien: Bis zu 80 Prozent Kurszuwachs

Nachhaltige Aktien haben sich im vergangenen Jahr sehr unterschiedlich entwickelt. Selbst innerhalb der einzelnen Branchen, etwa innerhalb des Biolebensmittelsektors oder im Bereich der nachhaltigen Mobilität, gab es sowohl Aktien mit enormen Wertzuwächsen als auch mit hohen Verlusten. Das Spektrum reichte von rund 80 Prozent Plus bis über 80 Prozent Minus. ECOreporter.de gibt einen Überblick über die Entwicklung ausgewählter nachhaltiger Aktien, die in unseren Jahresrückblicken auf  Bioenergieaktien, Solaraktien  und  Windaktien  nicht zur Sprache gekommen sind.

Moderate Zuwächse erreichte in 2015 die Aktie des Bahntechnikkonzerns Vossloh AG, die im Jahresverlauf um mehr als elf Prozent kletterte. Das Unternehmen aus Werdohl im Sauerland durchlief eine umfassende Restrukturierung, bei der es einige Fortschritte gab. So will Vossloh die Lokomotiven-Sparte abstoßen. Die in Spanien ansässige Sparte „Rail Vehicles“ wurde zum Jahreswechsel verkauft. Ohne die Lokomotiven-Sparte wies Vossloh nach den ersten drei Quartalen beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen aus (EBIT) 29,3 Millionen Euro Gewinn aus, mit ihr fiel ein dreistelliger Millionenverlust an.

Eine weitere Aktie aus dem Bereich der nachhaltigen Mobilität ist die init innovation in traffic systmens AG aus Karlsruhe. Sie ist auf Technologie für die Organisation von öffentlichem Personennahverkehr spezialisiert , bietet dafür etwa Hard- und Software für Verkehrslenkungssysteme an. Die Gesellschaft erreichte in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum zwar ein Umsatzwachstum von 5,2 Prozent auf 73,2 Millionen Euro. Das EBIT sank aber von 10,1 Millionen auf 6,1 Millionen Euro. Der Vorstand räumte ein, dass init ihr Gewinnziel für 2015 von 17 Millionen bis 19 Millionen Euro wohl verfehlen wird. Er rechnet nun mit einem EBIT von 10 Millionen bis 12 Millionen Euro. Die enttäuschende Entwicklung vor allem im dritten Quartal, in dem der Gewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als ein Drittel gesunken war, erklärte der Vorstand mit negativen Währungseffekten, vor allem aber mit erhöhten Kosten etwa für Aufwendungen für die Markterschließung in Asien. Die Börsianer straften das Unternehmen ab, die Aktie verlor im Jahresverlauf fast 20 Prozent an Wert.

Zu den nachhaltigen Aktien aus dem Bausektor gehört Steico SE. Die Produkte der Dämmstoffspezialistin aus Feldkirchen verbessern die Energieeffizienz von Gebäuden. Unter anderem aufgrund des Ausbaus der Produktion hat das Unternehmen in den ersten neun Monaten 2015 den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,9 Prozent auf 142,4 Millionen Euro verbessert. Das EBIT stieg um 5,6 Prozent auf 9,4 Millionen Euro. Das Unternehmen profitierte davon, dass die Nachfrage nach ökologischen Bauprodukten kontinuierlich wächst. Für das Gesamtjahr und auch für 2014 stellte der Steico-Vorstand ein „Umsatzwachstum im oberen einstelligen Prozentbereich“ in Aussicht sowie einen EBIT-Anstieg gegenüber 2014 um drei bis fünf Prozent. im Vergleich zum Vorjahr. Die Aktie legte im Jahresverlauf um über 38 Prozent zu.

Dagegen verzeichnete der Anteilsschein von Sto SE einen Wertverlust um über acht Prozent. Die Gesellschaft aus Stühlingen im Naturpark Südschwarzwald ist spezialisiert auf Gebäudebeschichtungen, die die Energieeffizienz von Gebäuden verbessern. Sie hat ihre Ziele für Umsatz und Ergebnis in den ersten drei Quartalen verfehlt. Das geschah nach eigenen Angaben unter anderem aufgrund der anhaltenden Unklarheit über Steuervergünstigungen für Investitionen in energetische Sanierungsmaßnahmen. Ursprünglich hatte die Sto-Führung den Gesamtjahresumsatz gegenüber 2014 um fünf Prozent steigern wollen. Im November 2015 rechnete sie nur noch damit, mit 1,209 Milliarden Euro das Niveau von 2014 zu erreichen. Die Umsatzrendite 2015 werde voraussichtlich zwischen 5,9 und 6,7 Prozent liegen anstatt 7,1 und 7,9 Prozent, teilte sie weiter mit. Beim EBIT kürzte sie die Prognose von 92 Millionen bis 102 Millionen Euro auf 73 Millionen und 83 Millionen Euro. Sto hatte in 2014 ein EBIT von 97 Millionen Euro erreicht nach 99,9 Millionen Euro in 2013. Die Sto-Aktie der Öko-Baustoffspezialistin gab im Jahresverlauf um rund acht Prozent nach.

Der Aktienkurs der UmweltBank AG steigt und steigt

Die UmweltBank AG finanziert Umweltprojekte, vor allem im Bereich der erneuerbaren Energien. Im ersten Halbjahr 2015 entfiel aber auch fast ein Drittel ihres Kreditvolumens auf ökologische Baufinanzierungen. Das Finanzinstitut aus Nürnberg ist die einzige deutsche Nachhaltigkeitsbank, die an der Börse notiert ist. Seit jahren gewinnt der Anteilsschein kräftig an Wert. Mit einem Plus von 66 Prozent gehörte die Aktie der UmweltBank AG auch 2015 zu den Gewinnern des Jahres. Das Unternehmen erreichte zur Jahresmitte ein Kreditvolumen rund 2,44 Milliarden Euro, das eine Steigerung von zwölf Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2014 bedeutete. Das Geschäftsvolumen der Umweltbank wuchs in den ersten sechs Monaten im Jahresvergleich um 9,6 Prozent auf über drei Milliarden Euro. Die Bilanzsumme verbesserte sich um 2,4 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis vor Gewinnverwendung kletterte um 35,2 Prozent auf 16,6 Millionen Euro. Das Ergebnis je Aktie wuchs um 35,6 Prozent auf 3,01 Euro.
Horst P. Popp, der Gründer und langjährige Vorstandsvorsitzende, hatte sich im Mai 2015 aus dem Vorstand der UmweltBank zurückgezogen. Eine Doppelspitze hat das Ruder übernommen. Im  November 2015 stellt sich das neue Führungsteam Goran Bašić und Stefan Weber in einem  ECOreporter.de-Interview  vor.

Bildhinweis: Der Firmensitz der UmweltBank in Nürnberg. / Foto: Unternehmen

Börsendebüt der Chorus Clean Energy AG

Auch die Capital Stage AG hat 2015 ihren Aktionären viel Freude bereitet. Die Aktie des Solar-und Windparkbetreibers aus Hamburg verteuerte sich im Jahresverlauf um 64 Prozent. Sie wuchs durch massive Investitionen in neue Projekte, die sie vor allem im europäischen Ausland tätigte. Damit hat die Capital Stage AG ihre Einnahmen erheblich verbessert. Umsatz und Ergebnis kletterten in den ersten neun Monaten von 2015 jeweils um rund 60 Prozent. Der Wind- und Solarparkbetreiber hat zudem die Prognose für das Gesamtjahr abermals angehoben. Der Umsatz soll von 77,8 Millionen Euro in 2014 auf 110 Millionen Euro wachsen und das EBIT von 46,4 Millionen Euro auf 51 Millionen Euro steigen.

Ein ähnliches Geschäftsmodell wie die Capital Stage AG verfolgt die Chorus Clean Energy AG aus Neubiberg bei München, die im Oktober 2015 ihr Börsendebüt gab. Der Start verlief holprig, denn einen ersten Anlauf zum Börsenparkett hatte das Unternehmen im Juli erst verschieben und dann abbrechen müssen. Die Unternehmensführung hatte diesen Schritt mit einem schwachen Kapitalmarktumfeld begründet, dann aber im Oktober 2015 mit Erfolg einen weiteren Versuch unternommen. Die Chorus Clean Energy AG war bis zur Umwandlung in eine AG ein auf Ökostromprojekte spezialisiertes Emissionshaus. 6.500 Anleger von 22 geschlossenen Fonds hatten der Umwandlung auf Vorschlag der Führung in der zweiten Jahreshälfte 2014 mehrheitlich zugestimmt und ihre Fondsanteile in Aktien getauscht. Der Emissionspreis für die angebotenen Anteilsscheine hatte bei 9,75 Euro je Stück gelegen. Zunächst stürzte der Aktienkurs nach dem Börsengang in Frankfurt auf 8,10 Euro ab, um dann aber bis zum Jahresende wieder die Marke von 9,75 Euro zu erreichen. Die Chorus Clean Energy AG erreichte in den ersten neun Monaten 2015 einen Umsatz von rund 49 Millionen Euro und ein Nettoergebnis von über 12 Millionen Euro - bereinigt um die Kosten des Börsengangs.

In weitaus größerem Maßstab betreibt die US-amerikanische SunEdison Photovoltaik- und Windkraftprojekte. Sie ist vor allem in Amerika aktiv. Zum Ende der ersten neun Monate von 2015 verfügte der Konzern über ein Projekt-Portfolio mit 7,9 Gigawatt (GW). Die Erlöse beliefen sich auf 476 Millionen Dollar beziehungsweise 1,24 Milliarden Dollar. Aber für die ersten drei Quartale fiel auch ein Nettoverlust von 919 Millionen Dollar an. SunEdison hat massiv in den Zukauf von neuen Projekten investiert und damit Milliarden-Schulden aufgetürmt. Zwar trat das Management im Herbst auf die Kostenbremse und hat es auch Abstriche bei seinen weiteren Expansionsplänen gemacht. Immer mehr Börsianer verloren aber das Vertrauen in die Aktie, die im Jahresverlauf zwei Drittel ihres Werter einbüßte.

Ebenfalls auf den Betrieb von Ökostromkraftwerken setzt Ormat Technologies aus dem US-Bundesstaat Nevada. Der Konzern beschränkt sich hierbei aber auf Geothermiekraftwerke. Das Unternehmen ist auf Wachstumskurs, hat etwa im Dezember 2015 in der Karibik eine Reihe von Projekten erworben. Mit dem japanischen Technologieriesen Toshiba als neuen Partner will Ormat, die bislang vor allem in Amerika aktiv ist, auch weltweit geothermische Großkraftwerke planen und realisieren. Die Konzernführung erhöhte die Jahresprognose auf 570 bis 580 Millionen Dollar Umsatz und ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) von 282 bis 292 Millionen Dollar. Die Aktie klettere in 2015 um 34 Prozent.

Biolebensmittelaktie Royal Wessanen ist die Gewinnerin des Jahres

Der niederländische Biolebensmittelhändler Royal Wessanen hat 2015 eine umfassende Restrukturierung beendet, die Kosten stark verringert und wieder Gewinne eingefahren. Für die ersten neun Monate verbuchte Royal Wessanen einen EBIT-Anstieg um 21 Prozent auf 23,6 Millionen Euro, bei  einem Umsatzanstieg um 6,4 Prozent auf 433,5 Millionen Euro. Die Aktie verteuerte sich im Jahresverlauf um über 78 Prozent und wurde damit zum Spitzenreiter in diesem Jahresrückblick.

Bildhinweis: Tee-Produkte von Wessanen. / Foto: Unternehmen

Dagegen gehört die Aktie von Whole Foods Market zu den Verlierern des Jahres. Die Aktie des Bio-Lebensmittelhändlers aus den USA verbilligte sich um ein Drittel. Das Unternehmen mit Hauptsitz im texanischen Austin betreibt Filialen vor allem in den USA, wo es der größte Bio-Lebensanbieter ist, in Kanada und Großbritannien. Aber in den USA ist die Konkurrenz stark gewachsen, etwa durch herkömmliche Wettbewerber, die Bio-Lebensmittel neben ihrem sonstigen Sortiment anbieten und das zu geringeren Preisen. Ferner beeinträchtigten Imageprobleme die Geschäfte des Bio-Lebensmittelhändlers. Im Juni musste er einräumen, dass bei einer großen Filiale in New York verpackte Waren falsch abgewogen und daher überhöhte Preise etikettiert worden waren. Das kostete ebenso Kundenvertrauen wie Rückrufaktionen, die das Unternehmen durchführte, nachdem Listerien Käse und Fertigsalate von Whole Foods Market befallen hatten. All dies trug dazu bei, dass der Jahresumsatz auf Einnahmebasis der länger etablierten Filialen im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 2,5 Prozent auf 15,39 Milliarden Dollar wuchs. Das Unternehmen hatte lange ein Umsatzplus von über fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr in Aussicht gestellt und erst Ende Juli die Umsatzprognose für das Gesamtjahr gekürzt. Der Jahresgewinn belief sich auf 536 Millionen Dollar oder 1,49 Dollarcent je Aktie. Er lag damit 43 Millionen Dollar oder acht Dollarcent je Aktie unter dem Vorjahresgewinn.

Whole Foods Market gehört zu den wichtigsten Kunden von United Natural Foods, einem Großhändler für Bio-Lebensmittel. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Providence im Bundesstaat Rhode Island hat das Geschäftsjahr 2014/2015 Ende Juli abgeschlossen und dabei die Prognose verfehlt. Dabei hatte CEO Steven Spinner im März die bereits die ursprüngliche Prognose für das Gesamtjahr auf 8,29 Milliarden Dollar Umsatz und einen Nettogewinn von 2,90 bis 2,99 Dollar je Aktie verringert. Am Ende erreichte United Natural Foods Umsatz nur 8,18 Milliarden Dollar. Das war zwar gegenüber dem Vorjahr ein Plus von rund 20,5 Prozent. Auch kletterte der Nettogewinn um 10,6 Prozent auf 2,76 Dollar je Aktie. Aber die Börsianer verübelten, dass gleich mehrfach die Erwartungen enttäuscht wurden. Die Aktie verlor 2015 fast die Hälfte ihres Wertes.

Noch schlimmer verlief das Jahr für die Anteilseigner der Teak Holz International (THI) AG aus dem österreichischen Linz. Das auf nachhaltige Teakholz-Plantagen in Mittelamerika spezialisierte Unternehmen musste Insolvenz beantragen. Die Aktie verlor über 80 Prozent an Wert. Wie sich herausstellte, besaß die Gesellschaft nur halb so viele Bäume auf ihren Plantagen wie angenommen, nämlich knapp 660.000 anstatt 1,3 Millionen. Vor einer Ende 2014 durchgeführten Inventur hatte die THI den Wert ihrer  Plantagenbeteiligungen in Costa Rica noch mit 63,5 Millionen Euro angegeben. Tatsächlich waren es nur 5,6 Millionen Euro. Im September meldete das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2013/14 einen Jahresfehlbetrag von 64,3 Millionen Euro.
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