Bauarbeiten an einem Photovoltaikprojekt von Phoenix Solar. / Foto: Unternehmen

08.01.16 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Jahresrückblick Solaraktien in 2015, Teil 2: Licht und Schatten bei deutschen Solaraktien, 245 Prozent Kurszuwachs für den Spitzenreiter

Die Solaraktie mit der besten Wertentwicklung in 2015 kommt aus Deutschland. Es legten zwei Anteilsscheine von deutschen Solarunternehmen im Laufe des vergangenen Jahres dreistellig zu, die beste satte 245 Prozent. Aber nicht alle deutschen Solarwerte konnten 2015 überzeugen. Wie sich börsennotierte Photovoltaikspezialisten aus Deutschland geschlagen haben, erläutern wir in der Fortsetzung unseres Jahresrückblicks.  Hier  lesen Sie den ersten Teil des Jahresrückblicks Solaraktien, der sich mit der internationalen Entwicklung des Photovoltaikmarktes beschäftigt und beleuchtet, wie sich Solaraktien aus Asien und aus Nordamerika entwickelt haben.

Stark auf den nordamerikanischen Markt setzen die beiden deutschen Solarfirmen Phoenix Solar aus dem bayrischen Sulzemoos und die SolarWorld AG aus Bonn. Für beide haben sich die Perspektiven durch die Verlängerung der Solarförderung in den Vereinigten Staaten deutlich verbessert. Dennoch entwickelten sich ihre Solaraktien in 2015 sehr unterschiedlich. Der Anteilsschein von SolarWorld verbilligte sich im Jahresverlauf um 30 Prozent, wogegen der von Phoenix Solar 136 Prozent zulegte. Auf den ersten Blick überrascht dieser Kursabsturz von SolarWorld, hatte der Konzern doch in 2015 eine positive Geschäftsentwicklung gezeigt, vor allem dank einer hohen Nachfrage aus den USA. Bis Anfang Dezember hatte der Konzern bereits Solarmodule mit 1.000 MW abgesetzt, mehr als jemals zuvor in einem Jahr und mehr als angekündigt. Die Unternehmensführung korrigierte daraufhin die Absatzprognose für 2015 nach oben. Sie geht davon aus, dass in 2015 der Vorjahresabsatz von 849 MW um 25 Prozent übertroffen wurde.
Aber der Solarkonzern hat den Anschluss an die wichtigsten Wettbewerber verloren. Die größten Solarhersteller, zu denen SolarWorld schon lange nicht mehr zählt, produzieren in weitaus größeren Mengen und können dadurch aufgrund geringerer Stückkosten ihren Preisvorteil weiter ausbauen. Sie verfügen zudem über ausreichend Kapital, um in wachstumsträchtigen Photovoltaikmärkten ein margenstarkes Projektgeschäft aufzubauen. Konkurrenten wie First Solar und SunPower haben schon vor Jahren damit begonnen, als Solarprojektierer die Abhängigkeit von den Einnahmen als Solarhersteller zu verringern und zugleich durch diese Projekte die eigene Produktion zu wachsenden Teilen sicher mit der eigenen Nachfrage auszulasten. Im Vergleich verfügt SolarWorld über ein deutlich geringes Wachstumspotential. Entsprechend gering sind auf längere Sicht auch die Aussichten auf nennenswerte Kurszuwächse der Aktie.

Phoenix Solar kletterte dagegen aus dem Kurskeller empor, in dem die Solaraktie versunken war, nachdem dem Unternehmen das Geschäft mit Solarparks im Heimatmarkt Deutschland weggebrochen war. Einschnitte beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) haben dazu geführt, dass die in Deutschland pro Jahr neu installierte Photovoltaikkapazität von über sieben Gigawatt (GW) in 2012 bis 2014 auf unter zwei GW gesunken ist. In 2015 wurden in Deutschland voraussichtliche Solarstromanlagen mit einer Gesamtkapazität von nur noch knapp 1,5 GW neu ans Netz gebracht.
Diese Entwicklung zwang Phoenix Solar zum Aufbau eines Auslandsgeschäftes, wo sich 2015 erste Erfolge abzeichneten. Das Photovoltaiksystemhaus hat in den ersten drei Quartalen 2015 mit 82,2 Millionen Euro viermal so viel Umsatz erzielt wie im Vorjahreszeitraum und mehr als doppelt so viel wie im Gesamtjahr 2014. Zugleich reduzierte die Phoenix Solar AG den Verlust beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) der ersten neun Monate im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 38 Prozent auf 3,5 Millionen Euro. Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit der ersten neun Monate  drehte ins Positive. Hier erreichte das Unternehmen 2,3 Millionen Euro nach einem Defizit von 4,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Phoenix Solar könnte im Gesamtjahr nach eigener Prognose wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt sein. Der dreistellige Kurszuwachs der Aktie in 2015 signalisiert, dass die Börsianer eine weiter positive Entwicklung erwarten.

SMA Solar Technology AG war der Gewinner des Jahres
 
Eine noch bessere Entwicklung zeigte in 2016 die SMA Solar Technology AG aus dem hessischen Niestetal. Ihr gelang schon nach drei Quartalen die Rückkehr in die Gewinnzone. Die Unternehmensführung fuhr nach einer längeren und tief greifenden Restrukturierung die Ernte ein. Sie konnte im Jahresverlauf gleich mehrmals die Prognose für das Gesamtjahr 2015 erhöhen, was jedes Mal der Aktie neuen Schub gab. Der Anteilsschein legte 245 Prozent zu und damit weit mehr als jede andere Solaraktie im vergangenen Jahr.
 Die SMA Solar Technology AG ist auf Steuerungssysteme für Solaranlagen spezialisiert, produziert vor allem Wechselrichter, die Solarstrom in netzfähigen Wechselstrom umwandeln. Der Preisverfall für solche Systeme hatte das Unternehmen zu erheblichen Kosteneinsparungen gezwungen. Es wirtschaftet nun deutlich effizienter, bei stark wachsender Nachfrage. Die Gesellschaft hat in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres 699,2 Millionen Euro Umsatz erzielt. Gemessen am Vorjahreszeitraum bedeutet das einen Anstieg um 27 Prozent. Zugleich erwirtschaftete die SMA Solar Technology AG 3,4 Millionen Euro Gewinn beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT). Im ersten Dreivierteljahr 2014 war noch ein EBIT-Verlust von 72,7 Millionen Euro angefallen. Träger dieser starken Entwicklung  war vor allem das internationale Geschäft mit Wechselrichtern für große Solarparks. Die letzte Prognose vom November 2015 stellte für das Gesamtjahr bis zu 975 Millionen Euro Umsatz in Aussicht und  bis zu 30 Millionen Euro EBIT. Ursprünglich hatte der Vorstand nach zuvor hohen Verlusten allenfalls mit einem ausgeglichenen EBIT gerechnet.

Bildhinweis: Wechselrichter von SMA. / Foto: Unternehmen

Von einer solchen Trendwende ist die Singulus Technologies AG aus Kahl am Main noch weit entfernt. Der Maschinenbauer rüstet unter anderem Solarhersteller mit Produktionstechnik aus. Der Auftragseingang entwickelte sich in den letzten Jahren aber sehr schwach. Das führte zu einem Umsatzeinbruch und herbe Verlusten; schließlich war im Jahresverlauf 2015 die Hälfte des Grundkapitals aufgebraucht. Die Barreserven von Singulus Technologies schmolzen während der ersten neun Monate von 2015 ab von 35,8 Millionen auf 16,6 Millionen Euro und der Vorstand kündigte für das Gesamtjahr einen weiteren hohen Millionenverlust an. Die Aktie stürzte im Jahresverlauf um 57 Prozent ab, auch weil für das vom Vorstand entwickelte Sanierungskonzept die Aktionäre die Zeche zahlen sollen. Es sieht vor, dass die Anleihe-Gläubiger von Singulus ihre Forderungen gegen neue Aktien tauschen und so Miteigentümer des Unternehmens werden, während die Altaktionäre leer ausgehen.

Deutlich besser steht die Wacker Chemie AG aus München da, auch wenn deren Aktie in 2015 fast 15 Prozent an Wert verlor. Dabei hat der Hersteller von Silizium für die Solarindustrie von Januar bis September den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent verbessert und das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) um 6,7 Prozent. Doch die Zwischenbilanz für das dritte Quartal enttäuschte.  Hier fiel das EBIT mit 125,5 Millionen Euro um 36,1 Prozent niedriger aus als im Vorjahreszeitraum. Höhere Anlaufkosten für Siliziumproduktion in USA und ein Preisverfall beim Silizium waren die Gründe dafür. Wacker Chemie ist einer der weltweit größten Hersteller dieses wichtigsten Rohstoffes für die Produktion von Solarmodulen. Für das Gesamtjahr 2015 erwartet die Konzernführung nur eine leichte Gewinnsteigerung gegenüber 2014. Diese Prognose war zu schwach, um die durch den Gewinneinbruch im dritten Quartal genährte Skepsis der Börsianer zu beschwichtigen.

Bildhinweis: Silizium wird zu Ingots gebrannt, aus denen Solarhersteller Wafer schneiden, um daraus Solarzellen zu fertigen und sie in Solarmodulen zu bündeln. / Foto: Wacker Chemie AG

Ein trauriges Jahr war 2015 für die Freiburger Solar-Fabrik AG. Sie musste im Frühjahr einen Insolvenzantrag stellen. Das Unternehmen zählte zu den Pionieren der deutschen Solarbranche, hatte aber in den letzten Jahren der Konkurrenz aus Fernost immer weniger entgegenzusetzen. Der Wachstumseinbruch des deutschen und des europäischen Solarmarktes gab ihm den Rest. Ende Juni stoppte die Solar-Fabrik AG den Betrieb endgültig, 18 Jahre nach der Aufnahme der Produktion von Solarmodulen und 13 Jahre nach dem Börsengang. Das Unternehmen setzt damit die traurige Reihe ehemaliger Börsenstars der deutschen Solarbranche fort, zu der Firmen wie Centrosolar, Conergy, Solon und Q-Cells gehören, die alle pleite gingen oder zerschlagen wurden. Die Aktie der Solar-Fabrik AG hat sich 2015 in Frankfurt um rund 80 Prozent verbilligt.
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