Produktion des chinesischen Konzerns JA Solar aus Shanghai / Quelle: Unternehmen

28.05.13 Erneuerbare Energie

Kommen Chinas Solarhersteller noch um EU-Strafzölle herum?

Kurz vor der geplanten Einführung vorläufiger Anti-Dumping-Zölle auf den Import von Solartechnik aus chinesischer Herstellung in die EU wachsen die Zweifel der Mitgliedsstaaten. Können die Importzölle den westlichen Herstellern überhaupt noch helfen?

Chinesische Solarkonzerne exportieren jährlich Solartechnik im Wert von 21 Milliarden Euro nach Europa, den immer noch größten Absatzmarkt der Welt. Mit Unterstützung billiger Kredite staatlicher Banken wurde China zum größten Solartechniklieferanten weltweit. Überproduktion führte zu einer Absatzkrise und zu rasantem Preisverfall. Nach monatelangen Untersuchungen ist die EU-Kommission zu dem Zwischenergebnis gekommen, dass Chinas Hersteller Preisdumping betreiben. Deshalb sollen am 6. Juni, also in knapp zehn Tagen vorläufige Strafzölle eingeführt werden. Im Durchschnitt werden dann 47 Prozent Importzoll fällig  für Solartechnik made in China, in der Spitze sogar bis zu 70 Prozent (ECOreporter.de berichtete).

Doch nun wenden sich offenbar immer mehr EU-Staaten von den Sterafzöllen ab. Den Abfang machte Deutschland. Sowohl Bundeskanzlerin Merkel (CDU) als auch Bundeswwirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sprachen sich beim Deutschlandbesuch des neun chinesischen  Ministerpräsidenten Li Keqiang nochmals gegen Strafzölle aus. Nun ergab eine aktuelle Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter EU-Diplomaten, dass derzeit 15 von 27 Staaten gegen permanent eingeführte Strafzölle sind. Damit scheint den Befürwortern der Anti-Dumping-Zölle, allen voran dem Herstellerverband EU ProSun, bei dem auch die SolarWorld AG federführend mitwirkt, die Rückendeckung zu schwinden.  Äußerungen von chinesischer Seite, man werde „notwendige Schritte unternehmen, um chinesische Interessen zu schützen“, dürften zu dem aktuellen Meinungsbild unter den Diplomaten beigetragen haben.

Die Photovoltaikbranche ist zum Thema Importzölle entzweit. Das gilt auchfür die  deutschen Unternehmen. „Ein Blick in die Jahresabschlüsse chinesischer Anbieter zeigt, dass sie nicht besser wirtschaften, sondern ihre PV-Module lediglich unter Herstellungskosten verkaufen. Teilweise sind ihre Verluste genauso hoch wie die Umsätze“, erklärt Dr. Thomas Hillig, von deutsch-skandinavischen Modulanbieter Innotech Solar mit Hauptsitz in Norwegen. Udo Möhrstedt, Vorstandsvorsitzender von IBC Solar aus München sieht das anders: "Der Widerstand aus 18 Mitgliedsstaaten der EU ist ein Hoffnungsschimmer für die deutsche Solarwirtschaft. Handelskommissar Karel de Gucht muss jetzt einlenken und auf die vorläufigen Zölle verzichten. Sie wären nur ein Papiertiger, denn endgültige Zölle sind gegen die Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten nicht durchzusetzen. Auch inhaltlich wären die vorläufigen Schutzzölle falsch. Sie würden den Markt verwüsten und damit zuallererst den Modulherstellern und dann dem Rest der Solarwirtschaft – dem Maschinenbau, dem Handwerk und dem Handel – schaden", sagt er. Ob tatsächlich langfristige EU-Strafzölle eingeführt werden ist tatsächlich fraglich. Dazu äußerte sich ECOreporter.de-Chefredakteur Jörg Weber in diesem TV-Interview.


Kommen die EU-Strafzölle zu spät?

Nach Berechnungen der US-Marktforschungsagentur IHS iSuppli aus Kalifornien würden die Strafzölle chinesische Waren im Wert von 20 Milliarden Euro treffen, die zu Dumping-Preisen angeboten werden. Aus der Sicht des IHS-Analysten Ash Sharma wäre das nicht genug um den darbenden westlichen Herstellern wirklich zu helfen. „Es ist zu spät, um mit Importzöllen einen positiven Effekt zu erzielen“, so das Urteil des Analysten. Zahlrieche Hersteller hätten ihre Produktion bereits stark zurückgefahren oder seien ganz vom Markt verschwunden, so Sharma.

In einer aktuellen Studie geht seine Agentur davon aus, dass die Investitionen am Photovoltaik-Weltmarkt im laufenden Jahr historisches Tief erleben werden. Insgesamt, so die IHS-Studie sollen 2,3Milliarden Dollar in die gesamte Wertschöpfungskette der Photovoltaik-Unternehmen fließen. Das meint Hersteller von Modulen, Solarzellen sowie Wafern, Ingots und Solarsilizium. Das wäre so wenig wie seit sieben Jahren nicht mehr. 2006 kam die Branche IHS-Zahlen zufolge auf 2,4 Milliarden Dollar. Damit würden die Investitionen zum zweiten Mal in Folge zurückgehen.

Allerdings gibt es dem Report zufolge Anzeichen, dass das Tal durchschritten und die Abwärtsspirale bei den Preisen an einen Endpunkt gelangt sei. Damit stehen IHS zufolge auch die Chancen gut, dass auch die Investitionen in die Wertschöpfungskette der Photrovoltaikproduzenten und Zulieferer nach 2013 nicht weiter fallen. Die schwierige Marktlage bei den Herstellern wirkte sich ebenso schwer auf Solarausrüster aus. Die Forscher von IHS vertreten den Standpunkt dass die Weiterentwicklung der Photovoltaik-Technologie, beispielsweise im Bereich Wirkungsgrade auch hier neue Investirtionen auslösen wird.
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