Die eno energy GmbH produziert selbst Windräder, plant und baut Windparks und betreibt auch Windkraftanlagen. / Foto: Unternehmen

04.09.15 Anleihen / AIF

Kritik an Anleihe-Plänen von eno energy wird lauter – gibt es einen dritten Weg?

Die Anleihe-Anleger der eno energy GmbH stimmen seit heute darüber ab, ob sie der Rostocker Windkraftspezialistin ihr Kapital drei Jahre länger überlassen als ursprünglich geplant. Eigentlich lautete die Frage dazu „Ja oder Nein“? Abgestimmt wird jetzt aber auch über einen dritten Weg, den die eno energy GmbH ablehnt. Möglich macht das ein kurzfristig eingereichter Gegenantrag.

Seit heute läuft die virtuelle Abstimmung über die Laufzeitverlängerung einer Anleihe der eno energy GmbH. Es geht um eine Schuldverschreibung mit 7,375 Prozent Verzinsung, die 2011 auf den Markt kam und Ende Juni 2016 zur Rückzahlung fällig ist. Ursprünglich wollte die eno energy GmbH über die Anleihe 25 Millionen Euro einwerben. Anleger investierten 10,1 Millionen Euro. eno energy hat die Anleihe-Anleger zur Abstimmung gebeten, um die Schuldverschreibung bei  gleichen Konditionen bis 2019 – also um drei Jahre zu verlängern. Die Windkraftspezialistin hat mit ihren Banken ein neues Finanzierungskonzept ausgehandelt, das ebenfalls bis 2019 laufen soll. Dabei geht es insgesamt um rund 75 Millionen Euro. Allerdings haben die Banken eno zufolge die Verlängerung der Anleihe zu einer Bedingung für die neue Finanzierung gemacht (ECOreporter.de berichtete).

Die Pläne stießen auf Kritik – unter anderem von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Die SdK steht auf dem Standpunkt, dass eno energy verpflichtet sei, die ursprünglichen Vereinbarungen mit ihren Anlegern einzuhalten. Weil eno sich in keiner wirtschaftlichen Schielflage befinde, sei auch der Weg einer virtuellen Abstimmung ohne Gläubigerversammlung nicht der richtige. Dies sei ein Instrument für Unternehmen, die sich mit ihren Gläubigern einigen wollen, um eine Insolvenz zu verhindern, kritisieren die Anlegerschützer. (mehr lesen Sie  hier). Diese kritischen Stimmen mehren sich. Die One Square Advisory Services GmbH ist eine Beraterfirma, die bei zahlreichen Anleihe-Emittenten mit Sanierungsbedarf als Interessenvertreterin der Anleihegläubiger auftritt. Sie lehnt die Pläne von eno ebenfalls ab und nimmt die Kritik der SdK auf. One Square Advisory hat einen Gegenantrag eingereicht. Damit stimmen die Anleihe-Anleger nun über einen möglichen dritten Weg ab: eine wesentlich kürzere Laufzeitverlängerung der Anleihe.

Laufverlängerung um sechs Monate anstatt um drei Jahre?

One Square Advisory Services setzt sich mit diesem Antrag dafür ein, dass die Anleihe nicht um drei Jahre sondern lediglich um sechs Monate verlängert wird.  Außerdem fordert sie darin, dass bis spätestens April 2016 eine Gläubigerversammlung einberufen wird. Nach den Vorstellungen von One Square Advisory Services sollen die Anleihe-Anleger dort einen gemeinsamen Vertreter wählen, um über ein Finanzkonzept zu verhandeln, das die Anleihe „in das Besicherungskonzept einbezieht“. One Square Advisory zufolge ist unklar, ob die Laufzeitverlängerung die Anleger schlechter stellt. Es müsse sichergestellt werden, dass die heutige Rangposition in den Finanzverbindlichkeiten erhalten bleibe, so das Beraterunternehmen. Zugleich bringt sich One Square Advisory in Position und bietet die Kandidatur für den Posten des gemeinsamen Vertreters an.

eno energy: Laufzeitverlängerung um drei Jahre oder gar nicht

eno energy kontert in einer Stellungnahme: Die Verlängerung der Anleihelaufzeit um drei Jahre verschlechtere die Position der Anleger nicht. Eine Verlängerung der Anleihe um sechs Monate mache keinen Sinn, da eno energy genug Zeit bleibe, um im Fall der Fälle mit den Banken gegebenenfalls nach zu verhandeln und die Anleihe wie ursprünglich geplant fristgerecht zum 30. Juni 2016 zurückzuzahlen. Allerdings könne die Finanzierung dann möglicherweise deutlich kleiner ausfallen. Das schränke dann auch den und der dadurch erhofften neuen wirtschaftliche Spielraum ein. Dass für die begonnene Abstimmung keine Gläubigerversammlung einberufen wurde, ergebe sich aus den 2011 veröffentlichten Anleihebedingungen, so  eno energy weiter.  Die Bestellung eines gemeinsamen Interessenvertreters der Anleihe-Anleger lehnt eno mit dem Verweis auf zusätzlichen Aufwand und zusätzliche Kosten ab. Sollte die Laufzeitverlängerung um drei Jahre abgelehnt, so die eno-Führung, werde die Anleihe fristgemäß zum 30. Juni 2016 zurückgezahlt.

Neue Anleihe zu teuer und zu aufwendig?

Nicht selten legen Unternehmen neue Anleihen auf, um ältere Anleihen damit zu refinanzieren. Für eno ist dies trotz der derzeitigen Niedrigzinsphase jedoch keine Option. „Die Kosten für eine Neuemission wären in Relation zum Volumen unverhältnismäßig hoch“, erklärt das Unternehmen dazu. Außerdem erfordere der gewählte Weg im Unterschied zu einer neuen Anleihe  keine Billigung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die Online-Abstimmung endet am 10. September um 24 Uhr.
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