Die Inhaltsstoffe für L'Occitane-Kosmetik kommen zu großen Teilen immer noch aus der Provence. / Bild: Unternehmen

20.04.18 Aktientipps , Nachhaltige Aktien

Lavendel für die Welt: L’Occitane wächst global

Der Naturkosmetik-Hersteller L'Occitane ist auf Expansionskurs. Dennoch fällt die Aktie - was sollten Anleger tun?

Die Gründungsgeschichte des Kosmetikherstellers L’Occitane könnte den Stoff für einen Hollywood-Film abgeben: Der aus der Provence stammende Olivier Baussan, Literaturstudent und Pflanzenliebhaber, kauft sich 1976 ein gebrauchtes Destilliergerät. Damit stellt der 23-jährige aus provenzalischen Kräutern ätherische Öle her. Er beginnt, die Öle auf den Heimatmärkten in der Provence zu verkaufen - mit großem Erfolg.

Die Nachfrage nach Baussans Produkten steigt so steil an, dass er eine alte Seifenfabrik in Manosque erwirbt und dort im größeren Stil zu produzieren beginnt. Die Eröffnung des ersten Ladens im provenzalischen Volx folgt. Seine Firma nennt der Gründer L’Occitane - "die Frau aus Okzitanien",  eine Anspielung auf den Gründungsort in Südfrankreich.

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Ein Österreicher macht das Unternehmen zu einem global tätigen Konzern

Der Gründer Baussan hat sich in den 1990er Jahren aus dem operativen Geschäft verabschiedet. Mittlerweile führt der Österreicher Reinold Geiger den Kosmetikkonzern. Er hat die Geschäftsführung 1995 übernommen und das Unternehmen zu einem weltweit tätigen Konzern ausgebaut. Man produziert zwar immer noch zum großen Teil in Manosque. Der Firmensitz ist inzwischen im steuerlich günstigeren Luxemburg.

1995, als Geiger das Ruder übernahm, beschäftigte L’Occitane gerade einmal 60 Mitarbeiter. Heute sind es über 8.300. Und L’Occitane betreibt heute in über 90 Ländern mehr als 3.000 Boutiquen - davon knapp die Hälfte in eigener Regie.

Fairer Handel, starkes Engagement

Trotz des beachtlichen Wachstums ist das Unternehmen laut eigenen Angaben seinen Wurzeln treu geblieben. Die Zutaten für die Kosmetik stammen zu einem großen Teil aus zertifizierter ökologischer Landwirtschaft. Tierversuche gibt es auch keine. Eine weitere Besonderheit: Die Rohstoffe bezieht L’Occitane selbst heute noch von Bauern aus Südfrankreich und dem afrikanischen Burkina Faso - und das zu fairen Konditionen.

Dies schlägt sich auch in den Preisen nieder. Eine Tube von L’Occitanes Karité-Handcreme, die zu 20 Prozent Bio-Butter aus den Nüssen des Karité-Baumes enthält, kostet 22 Euro.

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L'Occitane produziert immer noch in der provenzalischen Kleinstadt Manosque. / Foto: Unternehmen

L’Occitane ist auf soziale und ökologische Rücksichtnahme bedacht. Das Unternehmen gibt im Nachhaltigkeitsbericht explizit an, wie viele Menschen mit Behinderung beschäftigt werden: Es waren im Geschäftsjahr 2017 etwas mehr als 8 Prozent. Eigene Produkte liefert der Kosmetikhersteller nur in Ausnahmen mit dem Flieger aus. Und man unterstützt den Anbau von Mandelbäumen und Lavendel in der Provence - zwei regional typischen Pflanzenarten, die profitableren Nutzpflanzen immer stärker weichen müssen.

Darüber hinaus engagiert sich das Unternehmen für die Heilung von Augenkrankheiten. Die unternehmenseigene Stiftung "La Foundation d’Entreprise L’Occitane" gibt hierfür jährlich eine Million Euro aus.

Wirklich nur natürliche Inhaltsstoffe?

Das Online-Nachhaltigkeitsportal "Utopia" hat im April dieses Jahres L’Occitane-Kosmetik genauer unter die Lupe genommen. Laut "Utopia" sind in der L’Occitane-Handcreme "Verveine" halogenorganische Verbindungen nachweisbar. Diese können krebserregend sein.

Zudem enthalte die Handcreme Polymere, also erdölbasierte Kunststoffe, die in Naturkosmetik eigentlich nichts zu suchen haben. Auch andere L’Occitane-Produkte enthalten laut "Utopia" problematische Inhaltsstoffe - auf den ersten Blick kein gutes Zeugnis für einen Naturkosmetikhersteller.

ECOreporter bat L‘Occitane um eine Stellungnahme. Eine Sprecherin des Unternehmens teilte uns mit, dass die Handcreme zu 98 Prozent natürliche Inhaltsstoffe enthalte. Die halogenorganischen Verbindungen, die laut "Utopia" in der Handcreme nachweisbar wären, seien lediglich in minimalen Konzentrationen enthalten. Sie lägen signifikant unter den erlaubten Richtwerten. Die Sprecherin versicherte ferner, dass L’Occitane kein Mineralöl oder Sillikone für die Kosmetik verwende. Dennoch sei nicht auszuschließen, dass sich Spuren in den Produkten auffinden lassen.

Globale Expansion: Südamerika und Asien verheißen weiteres Wachstum

Laut dem letzten vollständigen Geschäftsbericht, der für das Geschäftsjahr 2017 (März 2016 bis März 2017) vorliegt, sind die Umsätze von L‘Occitane gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent auf 1,32 Milliarden Euro gestiegen. Die Unternehmensleitung kündigte im Geschäftsbericht für 2017 an, die Umsätze im laufenden Geschäftsjahr weiter steigern zu wollen.

Doch laut Zwischenbericht für das Geschäftsjahr 2018 (März 2017 bis September 2017) sind die Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (März 2016 bis September 2016) mit 548,2 Millionen Euro um 3,5 Millionen Euro minimal rückläufig.  

Dennoch dürfte L’Occitane langfristig gute Wachstumsperspektiven haben. Im Geschäftsjahr 2017 waren die größten Wachstumsmärkte Brasilien, China, Russland und Japan. In Brasilien betrug das um Währungseffekte bereinigte Umsatzwachstum 18,4 Prozent, in China 11 Prozent. In Russland wuchsen die Umsätze um 6,2 Prozent und in Japan um 4,1 Prozent.

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Es gibt über 3.000 L'Occitane-Boutiquen weltweit. Das Unternehmen setzt jedoch verstärkt auf den Online-Verkauf. / Bild: Unternehmen

Auf dem brasilianischen Markt wurden insgesamt 56,5 Millionen Euro umgesetzt, in China 139 Millionen Euro.  Demgegenüber hat L’Occitane allein auf dem japanischen Markt Kosmetik für 238,8 Millionen Euro verkauft.

Sowohl in Brasilien als auch in China ist noch genügend Wachstumspotential vorhanden. Die konsumfreudige Mittelschicht dürfte, wie Ökonomen prognostizieren, in beiden Ländern über die kommenden Jahre stark anwachsen. Und das bedeutet: mehr zahlungskräftige Kunden, die es in die Boutiquen des Kosmetikherstellers treiben dürfte.

Trotz mehr Umsatz gleicher Gewinn

L’Occitane hat in den Geschäftsjahren 2010 bis 2015 zusammen mit den Umsätzen die Gewinne konstant gesteigert. Auch im letzten Geschäftsjahr 2017 konnte der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden - er betrug 132,4 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 113,6 Millionen Euro. Die gesteigerten Gewinne gehen allerdings auf eine günstigere Besteuerung zurück. Dies beweist auch ein Blick auf den operativen Gewinn (EBIT), der 2017 mit 168,3 Millionen Euro fast konstant gegenüber dem Vorjahr geblieben ist.

Die Unternehmensführung von L’Occitane hat 2017 eine Dividende pro Aktie von 0,03 Euro ausgeschüttet, was einer Dividendenrendite von 1,72 Prozent bei einem Aktienkurs von 1,83 Euro (29.9.17) entspricht. Die Ausschüttungsquote betrug 35 Prozent - eine gesunde Quote, die genug Kapital im Unternehmen lässt, um weiteres Wachstum zu finanzieren.

Kann L‘Occitane profitabler werden und die Bekanntheit weiter steigern?

Das Management von L’Occitane will die Profitabilität des Unternehmens steigern und den Online-Verkauf stärker ausbauen. Produkte über den eigenen Webshop zu verkaufen, ist sehr viel kostengünstiger als sie über eigene Ladenlokale zu veräußern. Die eigenen Läden befinden sich meist in teuren Innenstadtlagen und verfügen über eine hochwertige Ausstattung - beides drückt stark auf die Margen. Zudem hält L’Occitane die Waren nicht mehr so lange im Lager. Dadurch steht dem Unternehmen schneller Kapital für Wachstum zur Verfügung.

Die Marketingausgaben hat der Kosmetikhersteller ebenfalls hochgefahren. Im Geschäftsjahr 2017 stieg der Marketingetat um 10 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr auf knapp 171 Millionen Euro. Insbesondere in Asien soll die Marke noch bekannter werden. In Japan setzt das Unternehmen laut Geschäftsbericht 2017 auf Fernsehwerbung. In China sind wirksame Werbekampagnen angelaufen - und mit dem Boygroup-Star Lu Han verpflichtete der Kosmetikkonzern einen Markenbotschafter, der im Reich der Mitte sehr bekannt ist.

Wie ist die Aktie zu bewerten?

Momentan notiert die Aktie bei 1,45 Euro (18.4.2018) - nahezu auf dem Jahrestief. Bei einem zu erwartenden Ergebnis von 0,08 Euro pro Aktie liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei 18,69. Im Geschäftsjahr 2017 betrug das KGV 19,89. In den Jahren davor zahlten Anleger teilweise fast das 24-fache (2014) oder gar das 33-fache (2013) des Gewinns für die Aktie.

L’Occitane ist trotz des gesunkenen Kurses ein gesundes Unternehmen. Und vor allem gilt: Der Markt mit Naturkosmetik boomt weltweit. L’Occitane dürfte in den kommenden Jahren die Umsätze und Gewinne weiter steigern. Längerfristig betrachtet ist der Naturkosmetikhersteller nach wie vor auf Wachstumskurs. Denn die Produkte sind beliebt, und vor allem Länder wie Brasilien und China dürften für Wachstumsschübe sorgen.   

Fazit: L’Occitane hat gute langfristige Wachstumsaussichten. Die Aktie ist in den vergangenen Jahren im Kurs stark gesunken - über die letzten drei Jahre um 25 Prozent. Anleger sollten den Titel beobachten und bei weiteren Kursrückschlägen beginnen, kleine Positionen aufzubauen. Langfristig sind höhere Kurse zu erwarten.

L'Occitane International SA: ISIN LU0501835309 / WKN A1CXL1

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