Leonidas-Geschäftsführer Max-Robert Hug beantwortet im ECOreporter-Interview Fragen zu Problemen bei Solarfonds und Windfonds von Leonidas. / Foto: Unternehmen

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Leonidas Associates: Die Geschäftsführung antwortet detailliert auf Fragen zu den Solarfonds und Windfonds

Leonidas Associates hat Probleme bei etlichen Solarfonds und Windfonds bekannt gegeben. Max-Robert Hug, geschäftsführender Gesellschafter von Leonidas Associates, antwortet in diesem Interview nun auf Detailfragen zum Frankreich-Solarfonds Leonidas Associates V, zum Leonidas Associates VI – Solaranlagen Italien, zum Leonidas Associates VIII – Windkraft Normandie, zum Leonidas Associates X – Windenergie Frankreich, zum Leonidas Associates XI – Windenergie Frankreich und zum Leonidas Associates XIII – Windenergie Frankreich.

Mitte August hatte ECOreporter.de über die Situation bei Leonidas zwei Mal berichtet:  Leonidas Associates: Solarfonds und Windfonds haben Probleme mit Ausschüttungen. Und:  Leonidas Associates: Diese Solarfonds und Windfonds leisten die volle Ausschüttung für 2015.

Frankreich-Solarfonds Leonidas Associates V:

ECOreporter.de: Die finanzierende Bank hat eine Sondertilgung in Höhe von 500.000 Euro in Anspruch genommen – warum?

Max-Robert Hug:  Das große Solarprojekt Apollo hat eine Sondertilgung von ca. 500.000 Euro vorgenommen. Diese Zahlung war von Anfang an im Rahmen der Finanzierung mit der Bank vereinbart. Unser Fondsmanagement hätte dieses Geld zu Beginn der Laufzeit der Beteiligung auch als Liquiditätsreserve auf einem Konto „parken“ und nun für die Sondertilgung einsetzen können.

Aber wir verstehen es nach wie vor als unseren Auftrag, das Geld aller Anleger in Projekte zu investieren und nicht auf ein Konto zu legen. Allerdings hätten wir diesen Fakt nach dem Abschluss der Finanzierung seinerzeit entsprechend deutlich kommunizieren sollen. Daher sieht es jetzt so aus, als sei es „plötzlich“ passiert.

Leonidas macht Schäden bei der Versicherung geltend für Reparaturen sowie Kosten für Gutachter und Rechtsanwälte. Wie schätzen Sie die Aussichten ein, dass die Versicherung bezahlen wird, um welche Summen geht es?

Hug:  Wir haben 2015 für die Enfinity Projekte 52.000 Euro für Rechtsberatung und 3.300 Euro für Gutachterkosten ausgegeben. Bisher wurden nur sehr einfache Notreparaturen durchgeführt, die keinen großen Kostenaufwand darstellen.
Insbesondere beim Projekt PV 9 ist eine umfassende Dachsanierung notwendig. Die vorliegenden Kostenvorschläge hierfür bewegen sich zwischen 490.000 und 775.000 Euro. Unser Ziel ist es, dass die Versicherungen diese Reparatur von Anfang an bezahlen. Da das Risiko besteht, dass wir zunächst die Reparatur vorfinanzieren müssen, sind wir hier zurückhaltend mit einer Ausschüttung.
In Frankreich muss ein Handwerker bei Arbeiten am Dach eine Versicherung abschließen, die bezahlt eventuelle Schäden während der ersten zehn Jahre. Daneben haben die Eigentümer (Verpächter) der Dächer entsprechende Versicherungen. Dies führt dazu, dass oft zunächst geklärt werden muss, welche Versicherung nun welchen Anteil übernehmen muss. Hieraus resultiert das Risiko, dass wir unter Umständen in Vorleistung gehen müssen für die Reparaturkosten, um eine Kündigung des Mietvertrages aufgrund der Dachundichtigkeit zu verhindern.

Leonidas Associates VI – Solaranlagen Italien:

Nach einem Tornadoschaden musste das Solarkraftwerk Givoni neu aufgebaut werden. Wie ist der Stand jetzt?

Hug:  Das Kraftwerk Givoni ist vollständig zerstört worden. Es wurde mittlerweile neu aufgebaut mit Wechselrichtern von SMA und Modulen von SolarWorld. Der Aufbau und auch die Ertragsausfälle wurden übernommen.

Leonidas Associates VIII – Windkraft Normandie:

Bei dem Windpark sollen Studien zur Belastung der Umgebung durch Lärm und Lichtimmission erstellt werden – was ist die Folge?

Hug:  Bevor wir die Rechte zur Errichtung eines Windparks kaufen, erstellen wir eine eigene Due Diligence. Auch die finanzierende Bank macht eine Due Diligence und beauftragt von sich aus meist zusätzlich eine externe Gesellschaft mit einer Prüfung der Unterlagen. Auch eine von uns beauftragte, spezialisierte Großkanzlei kontrolliert das Projekt. Mit bei den Unterlagen, die geprüft werden, ist immer eine Lärmstudie verbunden. Diese basiert auf Annahmen und Einschätzungen der Experten, die sich zum Beispiel auf die Herstellerangaben bei den Turbinen und anderes beziehen. Ist das Projekt gebaut, muss immer eine zweite Lärmstudie erstellt werden, die die Schätzung aus dem ersten Gutachten mit der Praxis abgleicht.

Bei allen anderen Projekten, die wir betreiben, hatten wir mit dem zweiten Geräuschgutachten keine Probleme. Nur beim Projekt Montbray ist nach Ansicht der zuständigen Behörde (DREAL) der Betrieb der Anlagen zu laut. Uns selbst hat dieses Ergebnis überrascht, da sich die Anlagen entlang einer Autobahn befinden, die ein entsprechendes Geräuschniveau entfaltet. Wir selbst wissen davon erst seit kurzem. Ändern können wir aber an der Entscheidung leider nichts mehr. Auch können wir das erste Lärmgutachten nicht anfechten, um Schadenersatz zu erlangen, da es nicht fehlerhaft ist.

Auf Anordnung der Behörde müssen wir nun das Geräuschniveau der Anlagen senken. Das können wir zum Glück, indem wir eine Art „Spoilerlippen“ an den Rotorblättern befestigen. Die Leistung der Turbinen selbst wird dadurch nicht beeinträchtigt. Aber wir müssen, um den Anforderungen der Behörden nachzukommen, die Leistung zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten reduzieren. Die Umrüstung aller 30 Rotorblätter wird auf 500.000 Euro geschätzt. Die günstigste uns bisher vorliegende Offerte liegt bei 400.000 Euro. Die Investition, um die Auflagen aus der Stroboskopie einzuhalten, liegt bei ca. 103.000 Euro. Auch hier müssen wir zusätzlich die Leistung reduzieren, um die Auflagen einzuhalten. Das soll laut dem Windgutachten die Einnahmen um 35.000 Euro pro Jahr reduzieren. Bei einer geplanten Ausschüttung von 760.000 Euro (8 Prozent von 9,5 Millionen Euro) gibt die finanzierende Bank aber keine Ausschüttung frei, da sie einen Sicherheitspuffer für sich einplant. Natürlich können die Arbeiten auch noch günstiger werden. Damit würde ein wenig mehr Liquidität übrigbleiben, die wir beim nächsten Mal mit ausschütten könnten.

Bildhinweis: WIndkraftprojekt von Leonidas. / Foto: Unternehmen

Leonidas Associates X – Windenergie Frankreich:

Die Stromproduktion des Windparks ist 2015 geringer ausgefallen als angenommen. Woran lag das?

Hug:  Geringfügig geringer, ja. Das lag am Wind; die Abweichung in der Stromausbeute war aber nicht drastisch.

Leonidas Associates XI – Windenergie Frankreich:

Der Windpark La Voie Romaine hat weniger Strom erzeugt als vorab kalkuliert. Sie sagen, Sie sprechen mit dem Turbinenhersteller zur Vergütung der von ihm zu verantwortenden Mindereinnahmen, auch für das Vorjahr. Der Fehler soll inzwischen behoben sein. Wie hoch sind die Mindereinnahmen?

Hug:  Wir können den Ausfall der Einnahmen durch die Minderleistung der fünf Turbinen im Moment nur schätzen. Es muss auch alles noch genauer untersucht werden.

Leonidas berichtete, die Höhe der Einspeisevergütung für den Windstrom sei geringer gewesen als zuvor berechnet. Warum war die Höhe bis zur Erstellung des Prospektes noch nicht bekannt?

Hug:  Diese Aussage ist sehr missverständlich. Dafür entschuldigen wir uns. Die Kollegen wollten damit zum Ausdruck bringen, dass die Kalkulation im Prospekt des Leonidas XI auf einem Muster-Projekt basiert. Dieses Musterprojekt weist einen Einspeisetarif von 8,62 Cent/kWh aus. Tatsächlich investiert haben wir in die Projekte La Voie Romaine und La Guenelle. Beide haben einen Einspeisetarif im ersten Jahr von 8,471 Cent/kWh. Die Kollegen wollten durch den entsprechenden Passus im Anschreiben zu den Ausschüttungen auf diesen Umstand hinweisen.

Leonidas Associates XIII – Windenergie Frankreich:

Nach Angaben von Leonidas stehen über 500.000 Euro Einnahmen des Windparks Saulces nicht für Ausschüttungen für 2015 zur Verfügung. Dieses Geld sei auf das Schuldendienstreservekonto eingezahlt worden. Das hätten die finanzierenden Banken verlangt. Warum haben die Banken das verlangt, haben Sie Sorgen um den Park?

Hug:  Nein, das war so im Rahmen der Finanzierung vereinbart. Auch hier sehen wir es als unsere Aufgabe an, alles Geld zu Beginn einer Investition in die Windparks zu stecken und nicht unnötig Liquidität zu halten. Das kann der Kunde auch alleine ohne uns und die Gebühren einer Beteiligung. Gerade für den Kurzläufer ist dieses Vorgehen sinnvoll, da wir nach dreieinhalb Jahren ja bereits verkaufen wollen – so viele Anteile an einem Windpark wie möglich.

200.000 Euro sind für offene Baukosten angefallen – was sind "offene Baukosten"?

Hug:  Alles Mögliche: Arbeiten an den Wegen, Restzahlungen an den Turbinenhersteller, etc..

Leonidas stellte den Investoren nun eine Ausschüttung für 2015 in Höhe von 3,5 Prozent in Aussicht statt der prognostizierten acht Prozent – werden die fehlenden 4,5 Prozent nachgezahlt?

Hug:  Bei einer Beteiligung kann immer nur das ausgeschüttet werden, was als Liquidität vorhanden ist und von der finanzierenden Bank freigegeben wird. Von einem „Nachholen" kann man daher nicht sprechen.

Herr Hug, wir danken Ihnen für die Antworten!
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