Eine Wasserstoff-Produktionsanlage von Linde: Die Spezialisitin für Industriegase aus München fusioniert mit dem US-Konkurrenten Praxair. Das hat auch Folgen für die Linde-Aktie, die ECOreporter als nachhaltige Favoriten-Aktie für das Depot empfiehlt. / Foto: Linde AG

07.06.17 Aktientipps , Aktien-Favoriten

Linde AG: Fusion mit Praxair unter Dach und Fach – muss die Aktie neu bewertet werden?

Der Gas- und Technologiekonzern Linde AG hat sich mit dem US-Konzern Praxair zusammengetan. Durch die Fusion mit dem Konkurrenten soll ein neuer Konzern entstehen. Was bedeutet das für Linde-Aktionäre – und für unsere Bewertung von Linde als  nachhaltige ECOreporter-Favoriten-Aktie? (Link entfernt)  


Aufsichtsrat genehmigt Fusion – ein knappes Ergebnis

Die Fusion war im Vorfeld kontrovers diskutiert worden.  Nun hat der Aufsichtsrat der Linde AG den Zusammenschluss mit Praxair genehmigt. In einer Sondersitzung mit zwölf Aufsichtsräten votierte am Ende die Hälfte dafür. Das reichte, weil ein Arbeitnehmer-Vertreter sich der Stimme enthielt. Alle weiteren Mitglieder der Arbeitnehmerseite stimmten gegen die Fusion mit Praxair.

Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle hatte bereits erwogen, sein doppeltes Stimmrecht zu nutzen, sollte die Arbeitnehmerseite gegen die Fusion stimmen. Reitzle war von Anfang an für den Zusammenschluss mit Praxair.

Ein neuer Konzern entsteht

Der Linde-Vorstand unterschrieb noch am Tag der Abstimmung den Fusionsvertrag. Durch den Zusammenschluss entsteht ein neues Unternehmen mit dem Schwerpunkt Industriegase, mit über 85.000 Mitarbeitern und mit einem Börsenwert von twa 70 Milliarden US-Dollar (66 Milliarden Euro). Es soll einen jährlichen Gesamtumsatz von mehr als 29 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 27 Milliarden Euro) erzielen. LInde und Praxair erhoffen sich durch den Zusammenschluss Kosteneinsparungen in Höhe von etwa 1,2 Milliarden US-Dollar (1,1 Milliarden Euro).

Aufnahme der Aktie in namhafte Indizes geplant   

Das zusammengeführte Unternehmen soll vom bisherigen Praxair-Vorstandschef, Steve Angel, geleitet werden und den Namen Linde tragen. Dadurch bleibt die weltweit bekannte Industriegas-Marke erhalten. Sitz der neuen Holding-Gesellschaft ist Irland, während das operative Geschäft und die wichtigsten Bereiche von Großbritannien aus geleitet werden sollen. Dort soll auch der Vorstand sitzen.

Die unternehmerischen Funktionen der Holding, etwa der Vertrieb, werden auf die Standorte Danbury im US-Bundesstaat Connecticut und München, dem bisherigen Firmensitz von Linde, verteilt. Die Aktien der neuen Linde-Holding sollen an der New York Stock Exchange und der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt werden. Geplant ist eine Aufnahme in den deutschen Aktienindex Dax sowie in den US-Index S&P 500. 

Umtausch von Linde-Aktien und Praxair-Aktien


Linde und Praxair unterzeichneten ein sogenanntes Business Combination Agreement (BCA). Das BCA regelt unter anderem die prozentuale Verteilung der Linde- und Praxair-Aktien von Aktionären, die neue Aktien der Linde-Holding kaufen wollen.

Die Vereinbarung legt fest, dass Linde-Aktionäre 1,54 Aktien der neuen Holding-Gesellschaft je Linde-Aktie und Praxair-Aktionäre eine Aktie der neuen Holding-Gesellschaft je Praxair-Aktie erhalten. Der Zusammenschluss und Aktienumtausch soll bis spätestens Ende 2018 abgeschlossen sein.   

Kritik an der Fusion ebbt nicht ab

Gegner der Fusion fürchteten im Vorfeld, der neu entstehende Konzern könnte zu mächtig werden: Sie halten es für möglich, dass die Kartellbehörden deshalb das Vorhaben blockieren und es letztendlich noch scheitert. Noch haben die Behörden dem Deal nicht zugestimmt. Zudem verstärkten Gerüchte um Insidergeschäfte und Manipulation von Ad-hoc-Meldungen bei Linde die Bedenken. Untersuchungen der BaFin (Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen) dazu sind noch nicht abgeschlossen.   

Die Arbeitnehmervertreter, vertreten durch den Aufsichtsrat, sehen den vollzogenen Zusammenschluss kritisch. In ihren Augen ist die Fusion ein "Bruch mit der deutschen Industriegeschichte". Die Entscheidung sei aufgrund der knappen Stimmenmehrheit "brachial herbeigeführt" worden.  

Fazit

Wir bewerten die Fusion der beiden Global Player für Industriegase positiv. Die neue Holding mit dem Namen Linde bietet bisherigen Linde-Aktionären mehr Vor- als Nachteile. Praxair, ehemals größter Konkurrent von Linde, vertritt nun gemeinsame Interessen. Stärken beider Unternehmen werden gebündelt und geschäftliche Ziele können schneller umgesetzt werden. Die Produkte und Dienstleistungen von Linde und Praxair ergänzen sich gut.     

Linde-Aktionäre sollten an ihren Aktien bei einem Kurs von 174,80 Euro und einer Dividendenrendite von 2,2 Prozent festhalten (Xetra-Kurs, Stand 6.6.). Der Konzern schüttet für 2016 eine Dividende von 3,70 Euro je Anteilsschein aus Das ist eine Steigerung von 7,2 Prozent im Vergleich zum Jahr 2015 (3,45 Euro je Aktie).

Für die kommenden Jahre soll die Dividende erhöht werden, so der Plan des Vorstandes der neuen Linde-Holding. Zukünftige Aktionäre von Linde können daran teilhaben.    

Die Linde AG aus München ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Reihe nachhaltiger Dividendenkönige. (Link entfernt)  Mehr über Linde erfahren Sie in unserem Unternehmensportrait.  

Linde AG: ISIN DE0006483001 / WKN 648300
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