Mikrofinanzfonds vergeben Darlehen an Mikrofinanzinstitute in armen Weltgegenden, damit diese Mikrokredite an Kleinstunternehmer wie diese Händlerin aus Tadschikistan finanzieren können. Der ECOfondstest hat analysiert, wie rentabel und wie nachhaltig das Investment in Mikrofinanzfonds ist. / Foto: Invest in Visions GmbH

21.12.16 Fonds / ETF , ECOfondstest

Mikrofinanzfonds im ECOreporter-Fondstest: Wer liegt vorn?

Mikrofinanzen haben Jubiläum: Vor zehn Jahren,  im Dezember 2006, haben Muhammad Yunus und die von ihm gegründete Grameen-Bank den Friedensnobelpreis bekommen. Anleger können über Mikrofinanzfonds in Armutsbekämpfung investieren. Vier Mikrofinanzfonds hat ECOreporter.de einem Vergleichstest unterzogen: Wie stehen sie da in den Punkten Rendite, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Transparenz? Wie schneiden die beiden älteren Mikrofinanzfonds IIV Mikrofinanzfonds und Dual Return Fund - Vision Microfinance gegenüber den Neulingen GLS Alternative Investments – Mikrofinanzfonds und KCD Mikrofinanzfonds der Bank im Bistum Essen (BiB) ab?


Geld anlegen und damit Gutes tun. Das erhoffen sich Anleger, die in Mikrofinanzfonds investieren. Denn solche Fonds sammeln Kapital, um in armen Weltgegenden Mikrokredite zu finanzieren. Das sind Darlehen an Kleinstunternehmer, die sich damit aus der Armut herausarbeiten können. Lange war in Deutschland nur ein Mikrofinanzfonds zum Vertrieb zugelassen, der in 2011 aufgelegte IIV Mikrofinanzfonds. Die von Edda Schröder gegründete und geleitete Invest in Visions GmbH hat ihn entwickelt. Anfang 2015 startete dann die Bank im Bistum Essen (BiB) ihren KCD Mikrofinanzfonds - III. Die katholische Kirchenbank investiert selbst seit vielen Jahren im Bereich Mikrofinanz. Im Dezember 2015 folgte der GLS Alternative Investments - Mikrofinanzfonds. Der bereits 2006 aufgelegte Dual Return Fund - Vision Microfinance der C-Quadrat Asset Management GmbH aus Wien ist zwar der älteste Mikrofinanzfonds im Test. In Deutschland ist er jedoch erst seit Juni 2016 zum Vertrieb zugelassen. C-Quadrat Asset Management gehört zur C-Quadrat Gruppe, einem international operierenden Vermögensverwalter.

Mikrofinanzfonds erreichen stabile Jahresrenditen

Alle vier Mikrofinanzfonds sind 2016 auf starkes Anlegerinteresse gestoßen, Anleger haben bei ihnen viel Geld investiert. Wohl auch, weil Mikrofinanzfonds als vergleichswiese sicheres Investment gelten. Sie verleihen das Geld der Anleger an Mikrofinanz-Dachorganisationen. Diese wiederum vergeben es an Mikrofinanzinstitutionen – also an eine Mikrofinanzbank, etwa in Peru. Deren Mitarbeiter sind die Kundenberater, die das Geld zu den Kunden bringen und später wieder abholen, samt Zinsen. Dadurch, dass ein Mikrofinanzfonds in der Regel mit Dutzenden von Mikrofinanzinstituten zusammenarbeitet, verteilen sich die Risiken. Hin und wieder gerät trotzdem einmal ein Mikrofinanzinstitut in Probleme. Insgesamt haben sich die Mikrofinanzfonds in den letzten Jahren jedoch als sehr sicher erwiesen. Auch wegen der extrem guten Rückzahlungsmoral der Kreditnehmer. Schließlich ist ein Mikrokredit für viele Menschen ohne Zugang zu Finanzdienstleistungen eine meist einmalige Chance, sich aus der Armut zu befreien.

Keiner der getesteten Mikrofinanzfonds erlitt bisher einen Jahresverlust. Die beiden älteren Fonds, der IIV Mikrofinanzfonds und der Dual Return Fund - Vision Microfinance, haben pro Jahr im Schnitt zwischen zwei und drei Prozent an Wert gewonnen. In den letzten fünf Jahren verbesserten sie sich insgesamt um rund 13 Prozent. Der Anfang 2015 gestartete KCD Mikrofinanzfonds legte in seinem ersten Jahr rund drei Prozent zu. Der Mikrofinanzfonds der GLS Bank war zum Testzeitpunkt (1.12.) noch nicht ganz ein Jahr am Markt, lag aber klar im Plus.

2016 war für die vier Fonds ein eher schwieriges Jahr – eben weil Anleger 2016 in kurzer Zeit sehr viel Geld in die Mikrofinanzfonds investierten. Mikrofinanzfonds benötigen Zeit, um seriöse Mikrofinanzinstitute finden, die das Geld an Kreditnehmer weitergeben. Die Mikrofinanzinstitute sollen beispielsweise gewährleisten, dass die Kreditnehmer sich nicht überschulden, dass sie keine umweltschädlichen Geschäftsideen finanzieren. Dieser Prüfungsaufwand hinderte die Mikrofinanzfonds teilweise daran, das Geld der Anleger direkt weiterzugeben. Sie mussten Teile des neuen Geldes parken, das so aber keine Rendite einbringen konnte. Der IIV Mikrofinanzfonds nahm sogar drei Monate lang kein neues Geld von Anlegern an.  

Bemerkenswert: Trotz dieser Probleme fielen die nur gelegentlichen Monatsverluste in 2016 gering aus, und auf Jahressicht liegen alle vier Mikrofinanzfonds klar im Plus. Sie verzeichneten zum Testzeitpunkt auf Sicht von zwölf Monaten 1,4 bis 1,9 Prozent Wertzuwachs. Unsere Kursgrafiken in den einzelnen Fondstests zeigen die Wertentwicklung der Fonds.

Kein schneller Ausstieg aus den Mikrofinanzfonds möglich

Einen Aktienfonds kann man von einem Werktag auf den anderen verkaufen. Bei den Mikrofinanzfonds ist die Rückgabe von Fondsanteilen nicht so kurzfristig möglich. Die Anteile des GLS Fonds sind beispielsweise nur Ende Juni und Ende Dezember zurückzugeben, vorher ist noch die dreimonatige Kündigungsfrist zu beachten. Das heißt: Wer im November kündigt, erhält sein Geld erst im darauf folgenden Juni wieder heraus. Die GLS Bank erklärt dies damit, dass sie möglichst viel Kapital in Mikrokrediten binden wolle und daher frühzeitig wissen müsse, ob Anleger Kapital zurückfordern. Bei den anderen Fonds ist der Verkauf monatlich bzw. pro Quartal möglich. Kaufen können Anleger dagegen bei allen vier Fonds in jedem Monat. Der jeweilige Preis der Fondsanteile ergibt sich aus zweierlei: Zu einen aus wirtschaftlichen Kennzahlen der Mikrofinanzinstitute, in die die Fonds investieren, zum anderen bewerten unabhängige Dienstleister die Darlehen.
 
Die Jahresgebühren sind fast so hoch wie die Rendite
 
Mikrofinanzfonds verursachen einen hohen Verwaltungsaufwand. Hier geht es schließlich nicht um schlichte Aktienkäufe, sondern darum, Geld an Mikrofinanzinstitute in meist fernen Ländern zu verleihen. Das führt zu hohen Personalkosten im Fondsmanagement. Die Gesamtkosten der Mikrofinanzfonds liegen daher pro Jahr bei etwa zwei Prozent der Anlagesumme – nicht wenig angesichts von insgesamt zwei bis drei Prozent Wertsteigerung, die nach Abzug der Kosten für den Anleger in der Regel noch übrig bleiben. Die bei jedem Fonds angegebenen Gesamtkosten pro Jahr (TER, Total Expense Ratio) beinhalten die Summe aller Kosten: Verwaltungsgebühren, Betriebskosten, Depotbankgebühren und andere.

In diesen Kosten nicht enthalten ist der einmalige Ausgabeaufschlag, der bei dem Investment in einen Fonds anfällt. Er beträgt beim GLS Alternative Investments – Mikrofinanzfonds 2,5 Prozent und bei den drei anderen Fonds jeweils 3,0 Prozent.

Bildhinweis: Vertreter von Mikrofinanzfonds sprechen mit Kunden von Mikrofinanzinstituten vor Ort darüber, wie fair und kompetent sie als Mikrokreditnehmer betreut werden. Das aufwändige Prüfverfahren treibt die Jahreskosten von Mikrofinanzfonds hoch, soll aber die Nachhaltigkeit des Investments garantieren. / Foto: BiB

Mikrofinanzfonds bringen Sicherheit ins Anlegerdepot

Mikrofinanzfonds weisen nur geringe Wertschwankungen auf. Alle getesteten Fonds schütten anfallende Jahresgewinne an die Anleger aus. Das Geschäft mit Mikrokrediten verläuft weitgehend unabhängig von den Börsen - im Gegensatz zu Investments in Aktien oder Anleihen. Daher eignen sich Mikrofinanzfonds auch für Anleger mit höherem Sicherheitsbedürfnis. Für spekulativ ausgerichtete Investoren, die Wert auf eine hohe Rendite legen, kommen Mikrofinanzfonds dagegen nicht in Frage.

Nachhaltigkeit: hohe soziale Wirkung
 
Alle vier getesteten Fonds punkten bei der Nachhaltigkeit. Das Geld der Anleger wirkt bei ihnen sozial: Denn in armen Regionen der Welt kann eine Schneiderin oft schon mit einem kleinen Kredit eine Nähmaschine erwerben und sich selbstständig machen. Herkömmliche Banken vergeben aber solche Kleinstkredite meist nicht. Sie befürchten dabei mehr Aufwand als Ertrag. Vor allem aber leben in Schwellen- und Entwicklungsländern viele Menschen nicht in der Nähe einer Bank. Stattdessen könnten sie sich vielleicht Geld bei einem lokalen Kredithai leihen, die Zinsen sind dann exorbitant hoch. Mikrofinanzen helfen hier.
 
Dabei sind auch solche Mikrokredite nicht billig, sie werden meist mit 15 bis 30 Prozent pro Jahr verzinst, zuweilen noch höher. Das ist stattlich, liegt aber noch weit unter den Tarifen lokaler Geldverleiher. Die Zinsen sind meist auch nur prozentual sehr hoch – die realen Summen sind oft niedrig. Denn wenn ein Kreditsachbearbeiter per Moped 500-Dollar zu einem Kunden im Dschungel herausbringt, entstehen erhebliche Kosten – der Zinsaufwand liegt dennoch bei einem halben Jahr und 20 Prozent nur bei 50 Dollar. Dicke Gewinne erbringt das für das Mikrofinanzinstitut nicht, allein schon wegen der Spritkosten des Kreditsachbearbeiters.
 
Experten prüfen, an wen das Geld verliehen wird
 
Alle vier Fonds im Test erhielten gute Noten im Bereich „Auswahlprinzip“. Sie wählen die Mikrofinanzinstitute, mit denen sie zusammenarbeiten, nach eingehenden Prüfungen aus. Die Mikrofinanzfonds legen Wert darauf, dass die Mikrofinanzinstitute außer Krediten weitere Dienstleistungen anbieten, zum Beispiel Sparmöglichkeiten und Versicherungen, etwa gegen Ernteausfall. Die Mikrofinanzinstitute müssen belegen, dass ihre Zinsen angemessen sind und dass sie Mikrokreditnehmer kompetent betreuen. Wenn die Mikrokredite der Umwelt nutzen, fließt das in die Bewertung durch die Fondsmanager ein. Entscheidend ist aber der soziale Nutzen der Darlehen.

Die Bank im Bistum Essen (BiB) baut bei der Auswahl der Mikrofinanzinstitute für den KCD Mikrofinanzfonds auf die umfassende Erfahrung ihrer eigenen Experten. Die übrigen Fonds setzen stark auf die Unterstützung durch auf Mikrofinanz spezialisierte Agenturen. Einen Beirat mit externen Fachleuten gibt es nur beim GLS Alternative Investments – Mikrofinanzfonds. Das gab Pluspunkte bei unserer Bewertung der „Management-Qualität“.

Die Jahres- und Halbjahresberichte der Anbieter listen die Mikrofinanzinstitute auf, an die die Mikrofinanzfonds Darlehen vergeben haben. Die Anbieter des IIV Mikrofinanzfonds und der Dual Return Fund - Vision Microfinance informieren auf der Homepage und in den Monatsberichten über einige ausgewählte Mikrofinanzinstitute und einzelne Kunden. Anleger des KCD Mikrofinanzfonds erhalten weniger Angaben. Die beste Note im Bereich „Transparenz“ erhielt der GLS-Fonds für besonders umfassende Informationen: Ein jährlicher Investitionsbericht stellt die Mikrofinanzinstitute vor, in die der Fonds investiert, erläutert die Rahmenbedingungen in den einzelnen Mikrofinanzmärkten und den Anlageprozess.

Welche Bewertungen die getesteten Mikrofinanzfonds in einzelnen Bereichen erhielten und welche Gesamtnote, das lesen Sie in den einzelnen Testanalysen. Geprüft haben wir den  KCD Mikrofinanzfonds - III, den  IIV Mikrofinanzfonds,  den  Dual Return Fund - Vision Microfinance und den   GLS Alternative Investments-Mikrofinanzfonds der GLS Bank (Link entfernt).

Wie ECOreporter.de bei den Bewertungen vorgegangen ist, erläutern wir  hier.
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