Mikrokredite werden vor allem an Frauen vergeben. / Quelle: SEK

30.03.15 Fonds / ETF

Neuer Mikrofinanzfonds auch für Privatanleger offen

Privatanleger können seit dem vergangenen Jahr nur in Mikrofinanzfonds mit deutscher Vertriebszulassung investieren. Bislang kam daher für sie einzig der IIV-Mikrofinanzfonds der Invest In Visions GmbH aus Frankfurt in Frage. Doch jetzt erweitert ein neuer Mikrofinanzfonds die Auswahl. Die Bank im Bistum Essen, seit vielen Jahren selbst stark in Mikrofinanz investiert, bietet seit kurzem den KCD-Mikrofinanzfonds III an. KCD steht dabei für Kirche, Caritas und Diakonie.

Michael P. Sommer leitet bei der Bank im Bistum Essen die Auslandsabteilung und das Nachhaltigkeitsmanagement. Wie er auf Nachfrage ausführte, investiert die katholische Kirchenbank auch selbst in den neuen Mikrofinanzfonds. Der sei mit einem Volumen von 14 Millionen Euro gestartet. Bislang werde er nur über die Bank im Bistum Essen angeboten, die auch für das Fondsmanagement verantwortlich sei. Es gebe aber über den Vertrieb bereits Gespräche mit anderen Genossenschaftsbanken. Sommer betonte, dass es kein Ziel sei, das Volumen des Fonds sehr schnell zu erhöhen. „Unser Mikrofinanzfonds soll nachhaltig wachsen“, stellte er klar.

Der Fonds setzt auf intensive Prüfungen von Mikrofinanzinstituten

Mikrofinanzfonds stellen Mikrofinanzinstituten (MFI) in armen Weltregionen Kapital zur Verfügung, damit diese vor Ort Kleindarlehen vergeben können. Eine Schneiderin in Indonesien, ein Instrumentenbauer in der Mongolei oder ein Hühnerzüchter in Ghana benötigen nur wenig Kapital, um sich eine eigenständige wirtschaftliche Existenz aufzubauen oder sie mit Investitionen - etwa in eine neue Nähmaschine oder in Werkzeug - abzusichern oder auszubauen. Doch mangels Sicherheiten oder oft auch nur, weil es weit und breit keine Banken gibt, haben sie keinen Zugang zu Kapital. MFI füllen diese Lücke, vergeben solche Mikrokredite. Die Rückzahlungsquote für diese Kleindarlehen ist extrem hoch. Schließlich handelt es sich für die Kreditnehmer häufig um eine einmalige Chance, der Armut zu entfliehen und sie qualifizieren sich nur durch die Rückzahlung für neue, vielleicht größere Darlehen.

Wie der Experte der Kirchenbank erläuterte, ist es aufwändig, MFI zu ermitteln und zu prüfen, die den hohen Anforderungen des Mikrofinanzfonds genügen. Die MFI müssen nicht nur professionell geführt werden und solide Bilanzen vorweisen, sondern auch eine nachhaltige Kreditvergabe garantieren. Konsumentenkredite zum Beispiel müssen tabu sein, damit Darlehen wirklich in die Bekämpfung von Armut durch selbständige Arbeit fließen und nicht das Geld nur verbraucht wird, was am Ende zu Überschuldung und noch größerem Elend führen könnte. Auch sollen nur wirtschaftliche Projekte mit Darlehen unterstützt werden, die für die Gemeinschaften vor Ort von Nutzen sind und auch nicht zu Umweltschäden führen. Zum Beispiel wäre es nicht nachhaltig, in einem Dorf den Erwerb von Rindern mit Mikrodarlehen zu finanzieren, in denen schon jetzt zu viele Bauern Rinder züchten und Wälder gerodet werden, um Weideland zu erhalten.

Foto: Michael P. Sommer. / Quelle: Bank im Bistum Essen

Daher betont Sommer, dass den Investitionen des KCD-Mikrofinanzfonds III sorgfältige Prüfungen vorangehen und es also Zeit braucht, das Kapital des Fonds nachhaltig zu investieren. Daher mache es keinen Sinn, das Fondsvolumen sehr schnell sehr stark auszubauen. Seine Rendite erwirtschaftet der Fonds mit den Zinsen, die er von den MFI für das Kapital erhält, das er ihnen zur Verfügung stellt. Mikrofinanzfonds erwirtschaften in der Regel eine Jahresrendite von drei bis fünf Prozent, selten mehr oder weniger. Anleger können in den KCD-Mikrofinanzfonds III ab einer Mindestanlage von 1.000 Euro investieren. Die Bank im Bistum Essen erhebt einen Ausgabeaufschlag von drei Prozent. Pro Jahr fällt bei Privatanlegern eine Verwaltungsgebühr von 1,3 Prozent an. Gewinne werden ausgeschüttet. Der Kauf von Fondsanteilen ist monatlich möglich, die Rückgabe quartalsweise.

Ende Februar war der Fonds zu rund 82 Prozent investiert. Das Kapital floss bisher in zehn Mikrofinanzinstitutionen (MFIs) in acht Ländern, darunter Aserbaidschan, Bolivien, Ecuador und Kambodscha. Zu rund 60 Prozent profitierten von den so finanzierten Kleindarlehen Frauen, deren sozialer Status durch die Rolle als Mikrokreditnehmerin verbessert wird. Im Schnitt erreichten die Mikrokredite dabei einen Umfang von rund 1.000 US-Dollar.

Deutsche Privatanleger können nun zwischen zwei Mikrofinanzfonds wählen

Zum Hintergrund: im Juli 2014 endete eine Übergangsfrist des im 2013 eingeführten Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB). Damit schloss sich für deutsche Privatanleger ein Schlupfloch, über das sie bis dahin in Mikrofinanzfonds investieren konnten. Schon nach dem alten Investmentgesetz mussten Mikrofinanzfonds hohe Auflagen erfüllen, um in Deutschland zum Vertrieb zugelassen zu werden. Deshalb verzichteten die Anbieter in der Regel auf die deutsche Vertriebszulassung und begnügten sich damit, darüber in anderen EU-Staaten zu verfügen, beispielsweise in Luxemburg. Mit einer solchen Vertriebszulassung durften Banken und Anlageberater zwar nicht von sich aus Anleger auf Mikrofinanzfonds ansprechen. „Aktiver Vertrieb“ war nicht erlaubt. Aber wenn ein privater Anleger selbst nach einem Mikrofinanzfonds fragte und außerdem Kunde bei der Bank oder dem Anlageberater war, dann durfte ihm so ein Produkt angeboten werden: Das galt eben nicht als „aktiver Vertrieb“, sondern als eine Form eines so genannten „Private Placements“, eines nicht öffentlichen Angebots.

Doch seit Juli 2014 unterscheidet der Gesetzgeber nur noch zwischen privaten, professionellen und semi-professionellen Anlegern. Für private Anlager kommen seither ausnahmslos nur noch Anlageprodukte mit deutscher Vertriebszulassung in Frage. Es lohnt sich aber für die Anbieter von bereits seit Jahren bestehenden Mikrofinanzfonds nicht, ihre auf die Anforderungen in anderen Ländern ausgerichteten Produkte für die deutschen Anforderungen umzustricken. Daher war seit letzem Sommer der  IIV-Mikrofinanzfonds der Invest In Visions GmbH der einzige für deutsche Privatanleger verfügbare Mikrofinanzfonds.

Der IIV-Mikrofinanzfonds wurde im Oktober 2011 gestartet und hat seither ein Volumen von 107 Millionen Euro aufgebaut, wobei Privatanleger rund 40 Millionen Euro beisteuerten. Der Wert der Fondstranche für Privatanleger ist in diesem Zeitraum um über neun Prozent gestiegen. Dem steht eine jährliche Verwaltungsgebühr von 1,4 Prozent gegenüber. Auch bei diesem Mikrofinanzfonds werden anfallende Gewinne ausgeschüttet.
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