Der geschlossene Waldfonds 2 von Nordcapital investiert in Rumänien. Dem Fonds drohen Schwierigkeiten mit der staatlichen Forstbehörde. / Foto: Fotolia

22.01.15 Anleihen / AIF

Nordcapital: Müssen die Anleger des geschlossenen Waldfonds 2 zittern? - Behörden könnten tausende Hektar Forst streitig machen

Ein 5.000 Hektar großes Waldstück in den Karpaten ist offenbar zum Zankapfel zwischen einem geschlossenen Waldfonds und der rumänischen Forstbehörde „Romsilva“ geworden.  Der Verkäufer der Fläche sitzt im Gefängnis. Er steht unter Korruptions- und Betrugsverdacht. Medienberichten zufolge gehen Marktbeobachter davon aus, dass die Behörde Romsilva die Fläche zurückfordern wird. Das Dilemma für den Fonds: Es handelt sich um ein wirtschaftliches Herzstück des Waldfonds 2. Anleger haben mehr als 30 Millionen Euro in den Fonds des Hamburger Emissionshauses Nordcapital investiert. Der Initiator sieht den Fonds jedoch nicht in Gefahr.

Der Waldfonds 2 (SilviRom Forest 2 GmbH) wurde 2009 vom Nordcapital aufgelegt. Es handelt sich um einen reinen Eigenkapitalfonds. Das heißt: Im Fonds steckt ausschließlich Anlegerkapital. Bis zum Ende der Zeichnungsphase 2012 investierten 1.275 Anleger 36,1 Millionen Euro. Nach eigenen Angaben ist Nordcapital selbst mit 300.000 Euro an dem Fonds beteiligt. Mit dem Kapital erwarb der Fonds zwei Mischwaldflächen in Rumänien. Dort wachsen unter anderem Fichten, Buchen und Eichen. Die meisten dieser Bäume waren laut Fondsprospekt 2009 bereits über 80 Jahre alt. Eine der beiden Flächen des Waldfonds 2 könnte nun ins Zentrum eines Rechtsstreits zwischen der rumänischen Forstbehörde und dem Fonds geraten. Es geht um das Waldgrundstück „Gura Teghii“.

Die staatliche rumänische Forstbehörde vertritt den Standpunkt, dass der Verkäufer der Fläche – ein rumänischer Geschäftsmann -  sich das Waldstück zuvor mittels Korruption und Bestechung erschlichen habe. Der Geschäftsmann soll den Forst von einer Eigentümergemeinschaft übernommen und in diesem Zusammenhang  Dokumente gefälscht sowie Behörden bestochen haben. Deshalb steht eine mögliche „Rückübereignung“ im Raum. Nordcapital sieht den Fonds hingegen als rechtmäßigen Eigentümer.  Ob es tatsächlich zum Rechtsstreit kommt, ist allerdings noch offen: „Uns liegt zum heutigen Zeitpunkt keine Forderung der staatlichen Forstbehörde Romsilva vor“, stellt Nordcapital auf Nachfrage von ECOreporter.de klar.


Nordcapital verwahrt sich gegen  dubiose Geschäftskontakte

Überdies weist der Fondsinitiator jegliche Verbindung zu dubiosen Geschäftsleuten entschieden zurück. Damit reagiert das Emissionshaus auf aktuelle Medienberichte, unter anderem in der 'Welt am Sonntag'. Die Zeitung titelte „Von Hirten hintergangen“.  In diesem Bericht wird dargestellt, dass der Verkäufer des Waldstücks nicht der rechtmäßige Eigentümer gewesen sein soll, als sich das Emissionshaus auf das Geschäft eingelassen habe. Nordcapital verweist darauf, den Kauf branchenüblich über einen Makler abgewickelt zu haben und nie eine Geschäftsbeziehung mit dem korruptionsverdächtigen Verkäufer eingegangen zu sein. Zuvor habe Nordcapital zwei unabhängige Rechtsgutachten eingeholt, die bestätigt hätten, dass der Verkäufer der im Grundbuch eingetragene Eigentümer gewesen sei. „Es geht um vermeintlich strafbare Handlungen im Vorfeld des Verkaufs an Nordcapital“, erklärt der Fondsinitiator im Hinblick auf die Vorwürfe gegen den mittlerweile inhaftierten Verkäufer. Den Berichten zufolge werden dem Geschäftsmann die Gründung einer kriminellen Vereinigung und Bestechung vorgeworfen.

Rückgabe der umstrittenen Forstfläche wäre problematisch

Dem Vernehmen nach investierte der Fonds 22 Millionen Euro in das umstrittene Waldstück. Für den Fall eines Rechtsstreits gibt sich Nordcapital zuversichtlich. Das Emissionshaus sieht geltende rumänische Bodengesetze auf seiner Seite: Vor dem Gesetz sei der Kauf „unantastbar“, argumentiert Nordcapital.  Dem rumänischen Gesetz zufolge könne die Behörde im Falle einer Eigentumsklage ausschließlich den Verkäufer belangen, nicht aber den aktuellen Eigentümer. Der genieße Vertrauensschutz, so das Emissionshaus. „Die Fondsgesellschaft sieht sich daher in einer starken Rechtsposition, da der Waldfonds 2 das Eigentum an der Fläche rechtmäßig erworben hat“, erklärt der  Fondsinitiator. Deshalb bestehe aktuell auch keine Notwendigkeit, das Portfolio des Waldfonds 2 zu verändern.

Wäre der Waldfonds 2 zur Rückgabe der Fläche Gura Teghii gezwungen, fiele auf einen Schlag 75 Prozent der Forstfläche des Gesamtportfolios aus: Der Fonds hält neben der rund 5000 Hektar großen Fläche nämlich lediglich noch ein nur rund 900 Hektar großes Waldstück: die Fläche „Bicaz West“. Diese steuerte lediglich einen Bruchteil zur bisherigen Gesamternte  des Fonds bei. Das geht  aus einem aktuellen Zwischenbericht des Fonds zum Geschäftsjahr 2013 hervor.

Anleger erhalten wohl keine Ausschüttungen für 2014

Sowohl 2012 als auch 2013 übertraf der Waldfonds die Bewirtschaftungsprognosen. In beiden Jahren sei es gelungen, die gesamte behördlich genehmigte Holzmenge zu verkaufen, heißt es dazu in dem Zwischenbericht. Zur bisherigen Rentabilität des Fonds für die Anleger äußert sich Nordcapital wiefolgt: „Gemäß Prospekt sind Auszahlungen in Höhe von durchschnittlich 4 Prozent p.a. geplant.“Nach dem Ende der Zeichnungsphase des Fonds im Jahr 2012 hätten „die Anleger bisher kumulierte Auszahlungen in Höhe von 6,62  Prozent erhalten“, bilanziert Nordcapital. Für das Jahr 2014 seien „nach aktuellem Stand keine Auszahlungen vorgesehen“, heißt es weiter. Laut Fondsprospekt sollten ab 2012 bis 2021 durchgängig Ausschüttungen geleistet werden. Bei der Prognose ist auch der Verkauf beider Forstflächen zum Ende 2021 eingerechnet. Innerhalb der Fondslaufzeit könne es „immer mal wieder Jahre geben, in denen es aufgrund schlechter Witterungsbedingungen, niedriger Holzpreise oder anderer, den operativen Betrieb negativ beeinflussender Ereignisse, zu keinen beziehungsweise geringeren Ausschüttungen kommt“, erklärt Nordcapital.

Inwiefern der Waldfonds 2 selbst rechtliche Schritte erwägt, ließ Nordcapital gegenüber ECOreporter.de offen. Mit Blick auf die Problematik erklärt das Emissionshaus allerdings im Zwischenbericht: „Folglich kann auch zukünftig ein erhöhter Rechtsaufwand in diesem Zusammenhang nicht ausgeschlossen werden.“
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