Wartung einer Windkraftanlage von Vestas. Das Service-Geschäft hat wesentlich zum Gewinnsprung in 2016 beigetragen. / Foto: Vestas Wind Systems

08.02.17 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Rekordzahlen von Vestas – Wind-Aktie weiter aussichtsreich?

Die Wind-Aktie von Vestas hat durch eine starke Jahresbilanz des Windkraftanlagen-Herstellers neuen Schwung erhalten. Seit der Kaufempfehlung im  ECOreporter-Aktientipp vom 20. Dezember  hat sie rund 18 Prozent zugelegt. Hat die Aktie immer noch Kurspotential?

Bis 11 Uhr verteuerte sich die Aktie von Vestas Wind Systems am heutigen Mittwochmorgen im Xetra um 2,6 Prozent auf 68,4 Euro. Die Börsianer reagierten damit unter anderem auf die starken Zahlen für 2016, die der dänische Windkraftanlagen-Hersteller heute veröffentlicht hat.

Laut Anders Runevad, Präsident und CEO (Chief Executive Officer) von Vestas, sprang der Jahresumsatz gegenüber 2015 um 22 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro. Der Windkraftanlagen-Hersteller erfüllte damit die ehrgeizige Prognose. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) belief sich auf 1,421 Milliarden Euro. Sondereffekte in 2015 herausgerechnet bedeutet dies ein Plus von 41 Prozent. Die EBIT-Marge kletterte auf von 10,2 auf 13,9 Prozent. Das ist ein Spitzenwert unter den Windkraftanlagenherstellern.

Der Nettogewinn stieg um 41 Prozent auf 965 Millionen Euro. Aufgrund dieser positiven Entwicklung will Runevad der Hauptversammlung eine deutlich erhöhte Dividende vorschlagen. Sie soll von 6,82 Dänischen Kronen (DKK) im Vorjahr auf 9,71 DKK steigen. Damit würden 30 Prozent des Nettogewinns an die Aktionäre ausgeschüttet. Auch diese Nachricht dürfte zum heutigen Kurssprung beigetragen haben. ECOreporter.de hatte in dem  Aktientipp vom Dezember  darauf hingewiesen, dass eine "gute Chance auf eine weitere Dividendenerhöhung" besteht.

Für 2017 stellt Runevad eine stabile Entwicklung in Aussicht. Der Jahresumsatz soll 9,23 bis 10,25 Milliarden Euro erreichen. Vestas strebt eine EBIT-Marge von 12 bis 14 Prozent an. 

Auftragsregen vor allem im vierten Quartal

Neben diesen Rekordwerten beim Umsatz und Gewinn erreichte Vestas bis Ende 2016 auch beim Auftragseingang mit 19,2 Milliarden Euro einen zuvor noch nicht erreichten Spitzenwert. Dem Unternehmen zufolge belief sich die bestellte Windkraftleistung auf 10,5 Gigawatt (GW). Davon entfielen allein 4,5 GW auf das vierte Quartal, in dem der Auftragseingang den Wert des Vorjahreszeitraumes um 70 Prozent überstieg. Diese Bestellungen stammten überwiegend aus den USA, Australien sowie Deutschland und Frankreich. Damit erreichte Vestas im wichtigen US-Markt im Gesamtjahr doch noch einen Zuwachs des Auftragseingangs von fünf Prozent.

Die USA sind nach China der größte Windmarkt der Welt. In der ersten Jahreshälfte von 2016 war dort aber vergleichsweise wenig in neue Windkraftprojekte investiert worden. Vestas konnte die vorübergehende Marktschwäche in den USA aber durch bessere durch Geschäfte in Europa mehr als kompensieren. Dort wuchs der Auftragsbestand von Vestas im Gesamtjahr um 32 Prozent auf 5,1 GW und lag damit klar vor den in den USA erreichten 4,3 GW. Aufträge mit rund einem GW (10 Prozent Plus gegenüber 2015) stammten aus der Region Asien-Pazifik und hierbei insbesondere aus Australien.

Wachstumspotential vor allem im Service-Geschäft

Bei den Auslieferungen von Windrädern in 2016 waren die amerikanischen Märkte und hier vor allem die USA für Vestas von wesentlicher Bedeutung. Die Dänen lieferten hier Anlagen mit 4,8 GW Gesamtkapazität aus, 44 Prozent mehr als im Vorjahr. In Europa erhöhten sich die Auslieferungen dagegen nur um 9 Prozent auf knapp 4 GW. Mit insgesamt 0,8 GW fiel die Steigerung von 83 Prozent der Auslieferungen an Windparks in der Region Asien-Pazifik dagegen kaum ins Gewicht.

Doch Vestas liefert nicht nur Anlagen für neue Windparks, das Unternehmen übernimmt auch Wartungs- und Betriebsarbeiten. Dieses Service-Geschäft ist für Vestas sogar wichtiger als der Verkauf von Windkraftanlagen, wie ein tieferer Blick in den Auftragsbestand zeigt. Demnach entfiel auf das Service-Geschäft zum Jahresende 2016 mit 10,7 Milliarden Euro der größte Teil des Auftragsvolumens von 19,2 Milliarden Euro. Die Bestellungen von Windkraftanlagen summierten sich auf 8,5 Milliarden Euro. Der steigende Umsatzbeitrag des Service-Geschäftes trug auch wesentlich zur Gewinnverbesserung bei, denn hier liegt die Marge mit über 17 Prozent weit über der im Geschäft mit Windkraftanlagen, und dass obwohl Vestas dort die Kosten weiter gesenkt hat. Vom Service-Geschäft erhofft sich die Vestas-Führung auch für die kommenden Jahre das größte Wachstumspotential.

Laut CEO Anders Runevad sagen Marktforscher für das Geschäft mit Windkraftanlagen nur ein moderates Wachstum voraus. Allenfalls bei Windrädern für den Einsatz auf See – offshore – sei in naher Zukunft ein stärkeres Wachstum wahrscheinlich. Hier ist Vestas über das Gemeinschaftsunternehmen MHI Vestas mit der japanischen Mitsubishi aktiv. Im Auftragsbuch der Dänen erreichen die Order von Offshore-Windrädern Ende 2016 nur rund 1,5 GW und damit knapp ein Zehntel der Gesamtbestellungen. Die Erlöse mit Offshore-Anlagen sollen sich laut Vestas bis 2020 aber verdreifachen.    

Fazit

Trotz der jüngsten Kurszuwächse hat die Wind-Aktie weiter Kurspotential. Selbst wenn sich die Aktie in 2017 nur stabil entwickeln würde, könnten Anleger von der Dividende profitieren. Die Prognose von Vestas für 2017 ist sehr vorsichtig, aber die Dänen sind für konservative Prognosen bekannt. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass die Geschäfte auch in diesem Jahr besser laufen als anvisiert. Das dürfte dann der Vestas-Aktie Auftrieb geben.

Dennoch empfehlen wir die Beteiligung nur für risikobereite Anleger, die Kursschwächen aussitzen können. Markteinbrüche sind jederzeit möglich, etwa durch politische Kehrwenden. Wie sich die Präsidentschaft von Donald Trump auf die Weltwirtschaft auswirken wird, ist noch nicht absehbar. In Europa ist noch unklar, wie sich die Umstellung von festen Einspeisetarifen auf Auktionssysteme für die Ermittlung der Windstromtarife auf die Nachfrage für Windkraftanlagen auswirken wird. Vestas hat aber schon öfters bewiesen, dass das Unternehmen auf Marktentwicklungen flexibel reagieren, Aktivitäten schnell von schwächelnden auf aufstrebende Windmärkte verlagern kann. Mit dem Ausbau des Services für bereits laufende Windparks wird Vestas zudem immer unabhängiger vom Geschäft mit neuen Windrädern.

Vestas kündigte außerdem heute den Rückkauf von Aktien an. Bis zu 6,5 Prozent der Wind-Aktien will das Unternehmen in den kommenden drei Monaten erwerben. Diese erhöhte Nachfrage dürfte den Kurs der Anteilsscheine beflügeln.  

Vestas Wind Systems: ISIN DK0010268606 / WKN 913769
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