Schweden zeigte beim Nachhatigkeitsrating der ZKB besonders gute Leistungen in Sachen Umwelt: See bei Stora Vånskär. / Quelle: Ola Ericson, VisitSweden

25.04.13 Fonds / ETF

Renditevorsprung für nachhaltige Staatsanleihen?

Viele nachhaltige Fonds investieren in Staatsanleihen. Doch welche Länder sind für nachhaltige Anleger investierbar? Wie kann man deren Nachhaltigkeit messen? Wo liegen Stärken und Schwächen einzelner Staaten? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt eine aktuelle Analyse, deren wichtigste Ergebnisse ECOreporter vorstellt. Sie umfasst 52 Staaten, darunter die Mitgliedstaaten der OECD, der EU und die so genannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China). Erstellt wurde dieses aktuelle '"Nachhaltigkeitsrating für Staaten" von der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Jeweils etwa die Hälfte der untersuchten Staaten sind Industriestaaten und Schwellenländer. Die besten Noten erhielten die Schweiz und Schweden, beide erhielten von der ZKB 9,4 Punkte als Gesamtnote. Mit Norwegen und Dänemark folgen zwei weitere Staaten aus Skandinavien vor Deutschland auf Rang 5.

Weit abgeschlagen rangieren die USA mit 3,2 Punkten auf dem vorletzten Platz, noch hinter Russland auf Rang 50 (3,6), beide mit miserable Ressourceneffizienz. Das Schlusslicht der 52 auf Nachhaltigkeit analysierten Staaten bildet in diesem ZKB-Ranking das Schwellenland Kasachstan mit 3,0 Punkten. Von den Schwellenländern schnitten mit Slowenien und Malta auf Rang 14 und Estland auf Platz 19 europäische Staaten am besten ab. Ansonsten schafften es von den Schwellenländern nur Südkorea (21) und Tschechien (24) in die obere Hälfte des ZKB-Rankings.

Zur Bewertung der Nachhaltigkeit untersuchten die Experten der ZKB rund 80 Aspekte aus den Bereichen  Umwelt, Soziales und Governance. Die Bereiche steuerten jeweils ein Drittel zur Gesamtbewertung bei. Im Bereich Umwelt analysierte die ZKB insbesondere den Umgang mit natürlichen Ressourcen,  zum Beispiel floss in die Bewertung ein, wie hoch der Energieverbrauch pro Kopf und die Recyclingquote ausfällt oder wie es um die Artenvielfalt bestellt ist. Hier konnten viele Schwellenländer punkten, während bei sozialen Aspekten Industriestaaten im Vorteil waren. Hier untersuchten Nachhaltigkeitsanalysten etwa den Umgang mit Menschenrechten, den Lebensstandard und die Gesundheit der Bevölkerung. Unter Governance führt die Untersuchung Aspekte wie Waffenexporte, Sicherheit und Stabilität oder den Umgang mit Korruption.
Die Spitzengruppe der nachhaltigkeitsbesten Länder zeichnete sich laut der ZKB durch relativ ausgeglichene Leistungen im Umwelt-, im Sozial- und im Governance-Bereich. Die Schweiz habe das mit Abstand beste Umweltrating erreicht,  in den beiden übrigen Bereichen unter den Top 6 gelegen. Die übrigen Staaten der Spitzengruppe hatten vor allem im sozialen Bereich überzeugt, weniger im Umweltbereich, und Norwegen bei der Governance ganz vorne gelegen.

Doch die ZKB-Studie enthält nicht nur Aussagen über die Nachhaltigkeit der untersuchten Staaten. Sie lässt auch Rückschlüsse darüber zu, ob mehr Nachhaltigkeit auch einher geht mit einer positiven Rendite der Staatsanleihen. „Wir waren schon sehr früh davon überzeugt, dass nachhaltiges Wirtschaften nicht nur eine Erfolgskomponente von Unternehmen ist, sondern auch eine Grundvoraussetzung für die Bedienung von Staatsschulden“, sagt René Nicolodi, der bei der ZKB den Bereich ‚Nachhaltige Anlagen‘ leitet. Bonitätsratings, die fast ausschließlich auf ökonomischen Indikatoren basieren, würden ein unvollständiges Bild über den Zustand eines Staates liefern. „Für das langfristige Wirtschaftswachstum spielen natürliche und institutionelle Rahmenbedingungen wie das Vorhandensein von Ressourcen, Rechtssicherheit, Eigentumsrechte, Bildungswesen und Government-Governance eine wichtige Rolle“, so Nicolodi. Das Nachhaltigkeitsrating werde deshalb von der ZKB bei Staaten als „essenzielle Ergänzung zu den herkömmlichen Bonitätsratings“ angesehen.

Um diese These zu überprüfen, hat die aktuelle ZKB-Studie die Ergebnisse der Nachhaltigkeitsratings von Ländern zur Entwicklung der Staatsanleihen in Bezug gesetzt. Dabei wurde ein konventioneller Bondindex als Referenz genommen und derselbe Index mit einem Nachhaltigkeitsansatz bearbeitet. Nachhaltigere Ländern wurden in diesem nachhaltigen Vergleichsindex übergewichtet und wenig nachhaltige Länder untergewichtet. Die am wenigsten nachhaltigen Länder wie etwa die USA wurden gar nicht berücksichtigt. Der rückblickende Vergleich der Wertentwicklung des konventionellen Anleihenindex mit dem nachhaltigen Bondindex Backtest dieser Versuchsanordnung zeigte dann für den Zeitraum von 2000 bis 2012 eine deutliche Überrendite der nachhaltigen Auswahl. Sie betrug über zehn Prozent. Beide Indizes wurden in Schweizer Franken (CHF) gerechnet.

„Für Investoren als Kapitalgeber hätte sich die Ausrichtung an den Nachhaltigkeitsratings für Staaten in den letzten Jahren finanziell gelohnt“, bilanziert René Nicolodi dieses Ergebnis. „Wir sind heute noch mehr überzeugt, dass Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren eine relevante Informationsquelle zur Beurteilung von Volkswirtschaften und deren Produktivität darstellen."
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